Sind Hasen wirklich ängstlich?

«Angschthaas!», das stimmt bei Meister Lampe nie. Zwar sucht er als Fluchttier gern das Weite. Doch er spurtet keineswegs panisch und dumm davon, sondern flieht mit Köpfchen.

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Tierische Vorurteile: Ist der Hase wirklich ängstlich?

4:16 min, aus Einstein vom 24.10.2013

»Angsthase!« ruft ein Bube zum anderen. Der hat nun allen Grund, beleidigt zu sein, meint doch das Schimpfwort «Feigling!» oder «Memme!». Und dazu soll Meister Lampe die Inspiration geliefert haben? Dieser pelzige Kerl, der trotz schlauer Füchse und schiesswütiger Jäger seit 15 Millionen Jahren überlebt? Nein, ein leerer Mythos! Denn dass der Mensch dieses geborene Fluchttier meist nur von hinten sieht, ist nichts als natürlich.

Zwei Hasen ruhen sich aus – als Darsteller in einer Ausstellung zur Lage des Feldhasen in der Schweiz im Naturmuseum in Sankt Gallen.

Bildlegende: Bestände rückläufig: Feldhasen sind in manchen Regionen noch immer spärlich vertreten. Keystone

Hasen kämpfen nur mit männlichen Rivalen. Gegen Mensch, Fuchs, Hund und Luchs sind sie chancenlos. Was Reisszähne, Greifkrallen und Muskelpakete betrifft, sind sie weit unterlegen. Doch dafür hat Meister Lampe ein Arsenal von Finten entwickelt. Gierige Verfolger hört er mit seinen Löffelohren schon von weitem. Bewegungslos tarnt er sich dann im hohen Gras. Fuchs, Hund oder Luchs verfolgen die Fährte – doch sie verliert sich plötzlich, ist wie weggeblasen.

Wie das geht? Hasen können meterweit springen und während des Laufs dazu die Richtung wechseln. So verwischen sie ihre Fährte. Und sie verstecken sich nicht auf ihrer eigenen Spur, sondern weit daneben. Kein Angsthase wäre dazu fähig: Dazu braucht es Grips und gute Nerven. Genau wie beim Hakenschlagen, das kein panisches Rennen im Zickzack ist. Vielmehr gezieltes Verwirren des Feindes: Der weiss nun nicht mehr, wohin seine Schnauze schnappen soll.

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