Sind Ziegen wirklich dumm?

Ziegen meckern und gelten manchen Zeitgenossen wegen böser Redensarten als nicht sehr helle. Doch Experimente zeigen, dass die Tiere selbst knifflige Aufgaben lösen – und ein gutes Gedächtnis haben.

Drei Ziegen nahe des Oberalp-Passes in der Gotthardregion schauen in die Kamera des Fotografen.

Bildlegende: Robust und gesellig: Ziegen sind seit jeher in Gebirgsregionen daheim. Vor mindestens 8000 Jahren wurden sie vom Menschen domestiziert. Keystone

Um herauszufinden, wie clever Ziegen sind, machte ein Team aus Schweizer und britischen Forschern Experimente mit einer geringen Zahl von Teilnehmern. Zwölf Hausziegen mussten ihr Lieblingsfutter in zwei Schritten aus einer durchsichtigen Kiste holen: zuerst mit dem Maul an einem Griff ziehen und dann mit der Schnauze einen Hebel hinunter drücken.

Wie sich zeigte, beherrschten neun der Ziegen den Trick nach durchschnittlich zwölf Durchgängen. Sie erinnerten sich auch bis zu zehn Monate an das Verfahren, wenn die Aufgabe wiederholt wurde – ein Erfolg, der laut den Forschern auf ein gutes Langzeitgedächtnis hindeutet und erklären dürfte, warum Ziegen sich auch an harte Umweltbedingungen anpassen konnten.

Abschauen können die Tiere aber offenbar nicht. Auch wenn sie Artgenossen beim Futtertrick zuschauen durften, lösten sie selbst die Aufgabe nicht schneller als ohne diese Hilfe. Probieren, so scheint es, geht auch Ziegen über Studieren.