Was sind Geisternetze?

Der Name lässt an Piratengeschichten oder mystische Meeres-Sagen denken. Doch die Realität, die der Begriff beschreibt, ist weniger romantisch. Sondern Teil eines globalen Problems.

Ein Fisch schwimmt gefangen in einem Fischernetz.

Bildlegende: Schlanke Beute: Auf schmackhafte Speisefische warten weltweit tödliche Maschen. Keystone

Sie sind mit Muscheln und Algen bewachsen und liegen wie ein Schleier über Wracks, verlorenen Ankern oder grossen Steinen am Meeresgrund: Fischernetze, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind. Es sind mehr als Meeres-Experten lieb ist: Taucher im Auftrag des WWF und weiterer Organisationen waren schon vor Monaten in der Ostsee nahe Rügen zu 28 Wracks getaucht und fanden überall alte Maschenware.

Weil seit 60 Jahren mit Kunststoffnetzen gefischt wird, orten Fachleute ein Müllproblem. Laut Schätzungen des WWF sind rund ein Zehntel des weltweiten Meeresmülls – 640‘000 Tonnen – solche «Geisternetze». Die Naturschutzorganisation geht von mindestens 5000 Netzen oder Netzteilen aus, die jedes Jahr neu in der Ostsee landen.

Jahrhunderte bis zum Verrotten

Laut dem deutschen Umweltbundesamt kann es um 450 Jahre dauern, bis sich ein Produkt aus Plastik in der Umwelt zersetzt. Grössere Teile werden zu Minipartikeln zerrieben, die mit schädlichen Zusatzstoffen wie Weichmachern von Muscheln und Plankton aufgenommen werden. So gelangen sie schliesslich in die Nahrungskette.

Für Meeresbewohner stellen die Netze zudem eine akute Gefahr dar. Denn ihren eigentlichen Zweck, das Fangen, erfüllen sie noch immer: Laut Fachleuten suchen Fische und andere Tiere wie Seeskorpione in den kalten Monaten Zuflucht an schützenden Wracks; dort werden die Netze dann zu tödlichen Fallen.