Wie lagen die Wahrsager im vergangenen Jahr?

Sie scheinen mehr zu wissen als Normalsterbliche – und kassieren damit teilweise gutes Geld. Ob sie es verdienen, erfasst ein Fachmann jedes Jahr. Auch heuer mit einem ziemlich klaren Resultat: Wenn Prognosen genau waren, gab es keine Treffer.

Der Sternenhimmel über dem Säntis am 12. August 2010.

Bildlegende: Blick in die Zukunft: Selbst ernannte Wahrsager «lesen» Ereignisse aus dem Sternenhimmel oder aus Spielkarten – mit immer gleichem Erfolg. Keystone

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – - kurz: Die Skeptiker – publiziert alljährlich eine Analyse der Trefferquote von Hellsehern und anderen «Medien», die vorgeben, in die Zukunft schauen zu können. Das Resultat fällt etwas enttäuschend aus: Weder der Papst-Rücktritt, ansonsten ein beliebtes Sujet der Branche, wurde auch nur erahnt noch der spektakuläre Absturz des Meteors von Tscheljabinsk.

Stattdessen verbreiteten Auguren wie Rosalinde Haller, die auch Kontakte zum Jenseits vermarktet, oder Nikki in diffusen Vorhersagen Überschwemmungen und Ausbrüche von Vulkanen, ohne Datum oder Ort zu nennen. Und wenn, dann lagen sie falsch, wie der Mathematiker und Unternehmensberater Michael Kunkel aus Mainz sagt, der solche Prognosen seit zwölf Jahren sammelt und auswertet. Dass die ökonomische Vorhersage von Haller, es würde 2013 zu Inflation und Deflation kommen, nicht eintreffen würde, war ohnehin abzusehen, weil beide gleichzeitig nicht an einem Ort auftreten.

Sicher scheint da nur, dass sich auch 2014 mit der Wahrsagerei gutes Geld verdienen lässt. Weltweite Stomausfälle sieht etwa Nikki kommen, Ausschreitungen in einem Sportstadion in Brasilien – vielleicht sogar bei der Fussball-WM? Aussserdem einen Gorilla, der seinen Dompteur frisst und vieles, vieles mehr. Konkreter und noch düsterer wird Haller: Weil «Menschen verachtenden Gewinnen der dünnen Oberschicht» die Verarmung von grossen Teilen der Bevölkerung gegenüberstehe, «gibt es eine Zeit lang bürgerkriegsähnliche Zustände, auch in der EU». Kleiner Trost: Es wird «jedoch speziell ab 2018 wieder ruhiger».