Wie viele Regierungschefs hat Italien seit 1945 erlebt?

Die grosse Zahl an italienischen Premiers ist für Laien verwirrend. Im Getümmel der Koalitionen und Regierungswechsel gab es aber viele Rückkehrer an die Macht – nicht selten mehrfach.

Der Urnengang beim südlichen Nachbarn ist soeben vorüber. Nun ermitteln die Stimmenzähler, wer der nächste Presidente del Consiglio dei Ministri wird. Der Sozialdemokrat Pier Luigi Bersani? Oder wird Mario Monti, wenn seinen Gegnern klare Mehrheiten fehlen, eine neue Regierung bilden können? So oder so: Es wird die 64. Nachkriegsregierung in Italien – eine Zahl, die in Europa unübertroffen ist und scheinbar für unbezähmbares Regierungschaos steht.

Jedenfalls im Vergleich mit Nationen mit ähnlichen Regierungssystemen: In Deutschland wurden seit 1945 nur acht Menschen Regierungschef, von Konrad Adenauer bis zur heutigen Kanzlerin Angela Merkel. In Österreich ist Werner Faymann der 12. seiner Art. In Grossbritannien gab es 14 Premiers; in den Niederlanden 16. Und im schönen Italien?

Amtsinhaber Mario Monti ist «nur» Nummer 25 seines Landes, denn unter den Männern, die sich im Palazzo Chigi in Rom die Klinke in die Hand gaben, kehrten viele wieder zurück – und wieder und wieder, weil das Wahlsystem des Landes Kleinparteien und Koalitionswechsel bis heute begünstigt. Wie schon unter dem Christdemokraten Alcide de Gasperi, der bis 1953 ganze acht Koalitionen bändigte. Er war 2496 Tage im Amt; gefolgt vom Parteikollegen Giulio Andreotti, der zwischen 1972 und 1992 insgesamt 2226 Tage als Premier erlebte. Doch den Rekord hält einer, der Italiens Politik noch immer in Atem hält: Silvio Berlusconi mit 3297 Amtstagen.