Felipe VI.: Die erste Rede des künftigen spanischen Königs

Auf den künftigen, eher scheuen König Felipe VI. wartet keine leichte Aufgabe: Er muss das durch Skandale erschütterte Ansehen der Monarchie wiederherstellen. Seine erste öffentliche Rede wurde mit Spannung erwartet.

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Kronprinz Felipes erste Rede als baldiger König

0:38 min, vom 4.6.2014

Bei der Verleihung eines Kulturpreises in Nordspanien hält der künftige König Felipe VI. seine erste offizielle Ansprache seit Bekanntwerden des väterlichen Rücktritts. Mit dieser Rede will Felipe vor allem Selbstsicherheit präsentieren: «Ich werde all meine Kraft, meine Hoffnungen und meinen Enthusiasmus in den Dienst Spaniens stellen.» Dies tut er jedoch in seiner ganz eigenen bescheidenen Art.

Wie tickt der neue König?

«Felipe ist bodenständig, gut informiert, von guter Urteilskraft, aber auch offen für Anregungen», charakterisiert ihn der Chefredakteur der Zeitung «ABC», Bieito Rubido. In der Öffentlichkeit komme er freundlich rüber, könne gut mit Menschen umgehen.

In den vergangenen Jahren, als die Spanier wegen Bankenkrise und Rezession den Gürtel immer enger schnallen mussten, erschien der luxuriöse Lebenswandel der königlichen Familie vielen Untertanen zunehmend als abgehoben und dekadent. Das hat neben anderen Skandalen bei vielen Spaniern zu einem Monarchie-Verdruss geführt. Vor allem die jüngeren Spanier wandten sich in den vergangenen Jahren zunehmend von der Monarchie ab und erachten sie nicht mehr als notwendige Klammer, die den Staat zusammenhält. Sie befürworten eine Republik.

Felipe redete Spaniern ins Gewissen

Felipe pflegt einen eher zurückhaltenden Lebensstil. Beobachter des Königshauses führen dies auf eine Mischung aus seinem Charakter und einem Bewusstsein für die Zeichen der Zeit zurück. «Die gegenwärtige Wirtschaftskrise [...] verlangt, ernsthaft darüber nachzudenken, wie Werte wieder zur Geltung gebracht werden können, die in jüngster Zeit verloren gegangen sind», sagte der 46-Jährige in einer Rede im Krisenjahr 2012. Als Beispiele nannte er Grosszügigkeit, Integrität, Fleiss und Höchstleistung.

Beigetragen zum Monarchie-Verdruss haben unter anderem Skandale des Königs, wie auch die Korruptionsaffäre, wegen derer gegen Felipes Schwager Iñaki Urdangarín ermittelt wird. Felipe blieb von all dem verschont. Nicht zuletzt deshalb gaben ihm Anfang des Jahres zwei Drittel der Spanier in einer Umfrage gute Noten.

Letizia, Felipe, Sofía, Sofía, Leonor. Juan Carlos und Elena

Bildlegende: Bald neue Rollenverteilungen Letizia, Felipe, Sofía, Sofía, Leonor. Juan Carlos und Elena. Reuters

Felipe – das Nesthäkchen

Felipe Juan Pablo y Alfonso de Todos los Santos de Borbon y de Grecia wurde am 30. Januar 1968 in Madrid geboren. Der jüngere Bruder der Prinzessinnen Elena und Cristina besuchte ein katholisches Gymnasium in Madrid. Nach einer Offiziersausbildung studierte er in Spanien und den USA Jura, sowie Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen. Er galt in dieser Zeit als einer der begehrtesten Junggesellen. König Juan Carlos und Königin Sofia lehnten zwei seiner Freundinnen als unpassend für einen künftigen König ab. Gegen den Widerstand seiner Eltern hielt er an der Beziehung zur geschiedenen TV-Journalistin Letizia Ortiz fest und heiratete die Bürgerliche im Jahr 2004. Einige Beobachter des Königshauses sehen darin ein Schlüsselelement dafür, dass die Monarchie überlebt hat. Das Paar hat zwei Töchter, die auf dieselbe Schule gehen wie ihr Vater.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Juan Carlos tritt ab

    Aus glanz und gloria vom 2.6.2014

    Der spanische König Juan Carlos übergibt die Krone seinem Sohn Felipe. Der 76-Jährige kam 1975 auf den Thron. Er hatte den Übergang des Landes von der Franco-Diktatur zur Demokratie entscheidend mitgeprägt. Zuletzt sorgte er aber vor allem mit diversen Skandalen für Schlagzeilen, etwa mit Liebesaffären, Gerüchten um uneheliche Kinder und einer Elefantenjagd.