«Die Berühmten» von Thomas Bernhard

Er war zu seinen Lebzeiten der grösste Aufreger Österreichs: der Schriftsteller Thomas Bernhard. Seine Prosawerke und Theaterstücke sorgten regelmässig für Skandale. Bernhard beschimpfte und verspottete aber nicht nur die Popanze der Alpenrepublik, sondern vor allem auch die Kunst und die Künstler.

Österreich ist seinen künstlerischen Ausnahmebegabungen immer mit Hassliebe verbunden gewesen. Und die Künstler taten das Ihre dazu, dass dieses Verhältnis stets auch auf Gegenseitigkeit beruhte.

Thomas Bernhard (1931-1989) war ein Grossmeister in dieser Disziplin. Dabei schonte er auch den Kunstbetrieb nicht, ganz im Gegenteil. Immer wieder hat er Künstler oder zumindest Künstler-Darsteller zu den Hauptfiguren seiner Stücke gemacht.

Ihnen legte er seine berühmten Tiraden in den Mund. Er liess sie monologisch ansprechen gegen die Grundverlogenheit und erhabene Verkommenheit des bürgerlichen Treibens vor und hinter den Kulissen, auf und neben dem Theater. So auch in seinem Stück «Die Berühmten», uraufgeführt 1976. 

Ein Opern-Bassist hat zu einer Feier in seine Salzburger Sommer-Residenz geladen. Anlass ist sein 200. Auftritt als «Ochs» im «Rosenkavalier». Eingerahmt von grossen Vorbildern und umgeben von seinen Künstler-Freunden feiert sich der berühmte Sänger selbst, mit bitterbösen Anekdoten aus einem Business, wo Banknoten wichtiger geworden sind als Musiknoten.

Was vom Autor damals schon als ätzende Satire auf den Festspielbetrieb gemeint war und im Salzburg Herbert von Karajans auch so ankam , ist in der heutigen Zeit der hochkulturellen Star-Events nicht weniger zutreffend.

Thomas Bernhards als Komödien verkleidete Künstlerdramen sind unterdessen als Klassiker der Moderne ins Theatermuseum geschoben worden, seine hochmusikalische Wort- und Wutkunst jedoch hallt noch lange nach.

Mit: Gert Westphal (Der Informant), Hans Dieter Zeidler (Bassist, ein Baron), Otto Bolesch (Tenor), Regina Lemnitz (Sopranistin), Will Quadflieg (Schauspieler), Gertrud Roll (Schauspielerin), Paul Hoffmann (Regisseur), Karl Heinz Martell (Kapellmeister), Hilde Mikulicz (Pianistin), Aljoscha Sebald (Verleger), Harry Hornisch (Diener)

Bearbeitung und Regie: Klaus Gmeiner - Produktion: ORF/SRF 1988 - Dauer: 74'

Redaktion: Reto Ott