«Gesicht verloren» von Barbara Kenneweg

Am 7. Februar 2005 wurde die dreiundzwanzigjährige Hatun Sürücü an einer Bushaltstelle in Berlin-Tempelhof ermordet. Hingerichtet von drei Schüssen in den Kopf, die aus der Waffe ihres jüngsten Bruders stammten. Ein «Ehrenmord».

Porträt von Hatun Sürücü, die von ihren Brüder ermordet wurde.
Bildlegende: Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin von ihren Brüdern erschossen. Keystone

Das Foto der jungen Frau lässt die Berliner Autorin Barbara Kenneweg nicht mehr los. In einer intensiven Selbstbefragung umkreist sie die Gewalttat. Andere Stimmen mischen sich in ihre Rede: Die Stimmen der Betroffenen, die Stimmen von Wegschauern, von Verdrängern und Angreifern. Ohne jede Abgeklärtheit, schwankend zwischen Zorn und Resignation nimmt uns das Stück mit auf eine Reise durch die Widersprüche unserer Gesellschaft und fragt nach der Tragweite, die Taten wie diese auf unser aller Zusammenleben haben.

Mit: Anne-Isabelle Zils, Gabor Biedermann, Tayfun Bademsoy, Kathrin Angerer, Adrian Kenneweg, Julius Kenneweg

Musik: Susanne Stelzenbach - Regie: Barbara Kenneweg - Produktion: rbb 2011 - Dauer: 53'

Barbara Kenneweg wurde 1971 in Düsseldorf geboren. 1989 erhielt sie ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes für das «United World College of South East Asia» in Singapur. Sie studierte Theater- und Medienwissenschaften an der nordirischen «University of Ulster» und Theaterregie an der «Theaterakademie Spielstatt Ulm». Nach Aufenthalten in Südasien inszenierte sie in der Berliner freien Theaterszene. Seit 2006 ist sie für den Rundfunk tätig. Ihre Arbeiten sind geprägt von der Kooperation mit Komponisten und bildenden Künstlern.

Susanne Stelzenbach ist 1947 im thüringischen Reudnitz geboren. Nach ihrem Klavierstudium an der Hochschule für Musik «Hanns Eisler» Berlin (Diplom 1976) war sie dort bis 1983 als Lehrbeauftragte für Klavier tätig. Bis ins Jahr 2000 konzertierte sie solistisch und kammermusikalisch. Ab 1987 begann sie mit autodidaktischen Studien der Komposition. Sie schreibt Werke für kammermusikalische Besetzungen, Audioart, Musiktheater, Hörspiel, Konzert- und Klanginstallationen sowie Texte und wurde dafür vielfach ausgezeichnet.

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Redaktion: Claude Pierre Salmony