«Lebensabend in Übersee» von Hermann Bohlen

Das Bild des einsamen Rentners, der Pfandflaschen suchend durch unsere Städte geistert, gehört der Vergangenheit an: Altern und Sterben werden in Zukunft ausgelagert. Denn immer weniger alte Menschen können sich ihren Lebensabend in Mitteleuropa leisten.

Zwei ältere Leute spazieren einem Pier entlang.
Bildlegende: Übersee altern: Rentner leiden immer öfters an Altersarmut und reisen ins Ausland. Keystone

Poldi und Gretchen haben das Rentenalter erreicht. Zeit für den Kassensturz: Kommen sie jeder für sich auf die 487'800 Euro Sicherheit, wie in der jüngsten Gesetzesnovelle zur Vermeidung von Altersarmut festgelegt? Nur wer dieses Vermögen angespart hat oder eine satte monatliche Rente nachweisen kann, darf seinen Lebensabend in Deutschland verbringen. Für alle anderen heisst es Koffer packen und Abschied nehmen von der Heimat für den gesicherten Lebensabend in Übersee. Leopold hat für sich und seine Bienen einen Platz auf restliche Lebenszeit in einer zertifizierten Altersheim-Anlage in Polen gebucht. Annegret hat sich für deutlich weniger Einsatz in einer Seniorenresidenz im Südwesten der Volksrepublik China eingekauft.

Mit: Ulrich Pleitgen (Poldi), Christine Schorn (Gretchen), Harald Halgardt (Hartmut) und Malina Ebert (Putzfrau)

Regie: Judith Lorentz und Hermann Bohlen - Produktion: WDR 2014 - Dauer: 53'

Hermann Bohlen, geboren 1963 in Celle, studierte Sinologie und lebt als Hörspielmacher in Berlin. Schreibt und produziert seit 1994 Hörspiele. Publikumspreis «Lautsprecher» der Akademie der Künste Berlin für «Prozedur 7.7.0.» (1996). Andere seiner zahlreichen Produktionen sind «Gekaut! (Bis es von alleine herunterläuft)» (1994), «Das Luxurieren der Bastarde oder Sag doch auch mal was Live-Mitschnitte aus den Wohnzimmern der 60er Jahre» (1998), oder auch «Alfred C». (2012) die alle auch als Gastproduktionen im Programm von Schweizer Radio SRF gesendet wurden.

Redaktion: Johannes Mayr