«Nachtwachen» von Bonaventura (d. i. August Klingemann) 2/3

Während seiner Rundgänge durch die schlafende Stadt stellt sich der Nachtwächter Kreuzgang den dunklen Seiten der frühbürgerlichen Welt und setzt sich radikal wie kein anderer Held der deutschen Romantik mit den politischen Problemen seiner Zeit auseinander.

Dazwischen schildert er seinen turbulenten Lebensweg vom Findelkind zum Schustergesellen, Bänkelsänger, Insassen eines Tollhauses und Marionettenspieler bis zur Übernahme seines nächtlichen Amtes und zur Aufklärung seiner rätselhaften Herkunft am offenen Grab seines Vaters.

Auf die Fragen nach Gott, dem Glück des einzelnen und dem Sinn des Daseins überhaupt findet Kreuzgang keine tröstlichen Antworten mehr. Die Menschen erscheinen ihm als Träger von Masken, die Weltgeschichte als Theaterspiel, bei dem «die wichtigsten Rollen den talentlosesten Akteuren anvertraut» sind. Aber das Entlarven und Zerstören falscher Hoffnungen, auf das Kreuzgang unerbittlich drängt, ist nicht sein letztes Ziel. Vielmehr treibt ihn der vergebliche Wunsch um, in Zeiten der Gottesferne sein Dasein auf Erden als lebenswert zu erfahren.

Mit: Michael Wittenborn (Nachtwächter Kreuzgang), Stephan Bissmeier (der Mann im Mantel), Ingold Wildenauer (der wahnsinnige Weltschöpfer), Norbert Schwientek (Pförtner), Patrik Elias (junger Mensch vom Hoftheater), Desirée Meiser (Ophelia), Dinah Hinz (Kreuzgangs Mutter), Gottfried Breitfuss (Geisterseher).

Musik: Peter Zwetkoff - Hörspielfassung: Jürgen Theobaldy - Regie: Stephan Heilmann - Produktion: SRF/Sender Freies Berlin 1989 - Dauer: 59'

Redaktion: Stephan Heilmann