Wenn die Lesebrille nicht mehr genügt: Welche Sehhilfen gibt es?

Gesundheit

Wenn die Buchstaben trotz Lesebrille unscharf bleiben, greift mancher zur erst besten Handlupe. Eine zufällig gewählte Lupe ist meist nicht die beste Lösung. Die ideale Sehhilfe zu finden, braucht Beratung. Zu klären ist: Welche Einbussen habe ich, und was genau soll sich für mich bessern?

Eine Handlupe sollte man immer nahe vor die Augen halten
Bildlegende: Eine Handlupe sollte man immer nahe vor die Augen halten colourbox

Wer sich umschaut, findet ein grosses Angebot an Lupen, Spezialbrillen und Lesegeräten in allen Preisklassen. Die Suche nach der idealen Sehhilfe beginnt am besten mit einer Standortbestimmung.

Wichtig ist zu wissen, wie gut das eigene Sehvermögen ist, welche Probleme vorliegen, und welche Bedürfnisse man hat. Denn die Wahl eines optischen Hilfsmittels ist individuell. Es kommt nicht nur auf den Zustand der Augen an, sondern auch auf die Lebensumstände, die allgemeine Gesundheit, und persönliche Vorlieben.  Auch will der Umgang mit einem optischen Hilfsmittel erklärt und geübt sein.

Bei Beratungsstellen oder spezialisierten Optikern kann man sich ohne Kaufdruck über Sehhilfen informieren. (Vgl. Adressen und Links) Hier werden Probleme und Bedürfnisse abgeklärt. Lupenbrillen und andere Sehhilfen werden den persönlichen Bedürfnissen angepasst oder sogar angefertigt.

Wann genügt die Lesebrille nicht mehr?

Normale Lesebrillen bieten nicht beliebig starke Korrekturen. Ab etwa 4 Dioptrien sind optische Hilfsmittel nötig, die das Bild vergrössern. Das kann schon bei 3 Dioptrien sinnvoll sein, etwa wenn neben der Fehlsichtigkeit weitere Probleme vorliegen, wie Narben auf der Hornhaut, Trübungen der Linse, oder Netzhauterkrankungen.

Handlupen

Eine klassische Handlupe eignet sich, um in bestimmten Situationen eine beschränkte Vergrösserung zu erhalten, zum Beispiel um das Telefonbuch zu benützen, oder Kleingedrucktes zu lesen. Eine Handlupe ist auch unterwegs praktisch, zum Beispiel um Preisschilder zu lesen. Allerdings ist immer eine Hand besetzt.

Achtung: Handlupen werden sehr oft falsch benützt!  Je näher ans Auge die Lupe gehalten wird, desto besser ist die Vergrösserung, desto breiter das Sehfeld.

Freie Hände Dank Lupenbrille

Lupenbrillen sind Brillen mit eingebauten oder aufgesetzten Lupengläsern. Lupenbrillen haben den grossen Vorteil, dass man ein grösseres, stabileres Sehfeld hat als mit einer Handlupe, und vor allem freie Hände. Das ist zum Beispiel beim Stricken praktisch oder beim Fingernägel schneiden. Lupenbrillen werden von spezialisierten Optikern individuell angepasst. Sie eignen sich auch besonders für stark Sehbehinderte, die nur noch einen kleinen Sehrest haben.

Lupenbrillen gibt es bis zu einer 24fachen Vergrösserung. Ab 12facher Vergrösserung müssen die Lupengläser auf das Brillengestell aufgesteckt werden.  Aufsteckgläser können auch sinnvoll sein, um erst einmal ausprobieren zu können, welche Vergrösserung man braucht.

Tischlupen

Eine stationäre Tischlupe mit Beleuchtung kann eine gute Lösung sein, wenn man zum Beispiel vor allem die Zeitung lesen will, regelmässig, und immer am gleichen Ort.

Bildschirmlesegeräte

Diese elektronischen Lesegeräte filmen Schriftstücke oder Gegenstände mit einer Kamera  ab und geben zeitgleich ein stark vergrößertes Bild auf einem Monitor wieder. Diese Geräte eignen sich für das Lesen umfangreicher Texte, wenn eine starke Vergrösserung benötigt wird.

Kontrastumkehr
Manche elektronische Lupen oder Bildschirmlesegeräte ermöglichen eine Kontrastumkehr: Buchstaben erscheinen weiss auf schwarzem Hintergrund. Dies erleichtert das Lesen, wenn das Kontrastsehen beeinträchtigt ist und der helle Hintergrund zu sehr blendet.

Blendschutzfilter

Verschiedene Filtergläser verringern störende Einflüsse und erleichtern auch im Freien das Sehen, indem sie zum Beispiel den Übergang von hell zu dunkel abschwächen, oder Konturen hervorheben.

Kosten

IV, AHV und Ergänzungsleistungen übernehmen bei belegtem Bedarf für eine Sehhilfe die Kosten ganz oder zu einem grossen Teil. Auch in der Kostenfrage geben Beratungsstellen Auskunft. (Vgl. Links).

Beratung

Regionale Sehberatungsstellen und spezialisierte Optiker helfen bei der Suche nach einer geeigneten Sehhilfe. (Vgl. Links). Wenn nötig, können Betroffene noch eine Spezialberatung beim SZB erhalten:

Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen SZB, Ressort optische Hilfsmittel, Niederlenzer Kirchweg 1 , CH-5600 Lenzburg, Telefon: 062 888 28 50.  

Autor/in: Martina Lichtsteiner