Chancen und Risiken der Herzkatheter-Untersuchung

Wann ist eine Herzkatheteruntersuchung angezeigt? Wie lange hält ein Stent? Prof. Paul Erne und Dr. Klaus Weber haben Ihre Fragen im Live-Chat der Gesundheitssendung «Puls» beantwortet.

Portraitfotos von  Prof. Paul Erne und Dr. Klaus Weber

Bildlegende: Prof. Paul Erne und Dr. Klaus Weber SRF

Über 44‘000 Herzkatheteruntersuchungen werden in der Schweiz jährlich durchgeführt. Was für die behandelnden Ärzte einen Routineeingriff darstellt, ist für die Betroffenen durchaus keine Lappalie. Die Aussicht, von der Leiste her einen Schlauch bis ans Herz geschoben zu bekommen, und die eigentümliche Erfahrung des für die Schirmbilduntersuchung eingespritzten Kontrastmittels lassen viele Patienten den Eingriff so lange wie möglich hinauszögern. Handkehrum ist die Herzkatheteruntersuchung bei der Abklärung von Herzbeschwerden häufig unerlässlich.

Wann ist eine Herzkatheteruntersuchung angezeigt? Prof. Paul Erne und Dr. Klaus Weber haben im Live-Chat der Gesundheitssendung «Puls» Auskunft gegeben. Das Chat-Protokoll mit sämtlichen Fragen und Antworten finden Sie in der «Mehr zum Thema»-Box.

  • Frage von C. B., St.Gallen: Ich bin 55 Jahre alt, nicht sehr sportlich, Pfeifenraucher. Seit fünf Jahren bin ich in kardiologischer Beobachtung. Es wurden keine Abnormalitäten festgestellt. Ich habe aufgrund erblicher Vorbelastung (mein Vater und seine zwei Brüder starben alle zwischen 72 und 78 Jahren an Herzversagen) blutdrucksenkende Mittel (Exforge 12,5 mg und Concor 5 mg). Mein Arzt empfahl mir eine kardiologische Untersuchung wie im Film. Meine Tochter (FAG) warnt mich davor. Ich bin etwas hin- und hergerissen. Was raten Sie mir?
    Antwort von Prof. Paul Erne: Gelegentlich bringt eben erst die Katheteruntersuchung diese Antwort, aber man muss realisieren, dass man bei zehn bis 20 Prozent aller Fälle diese Untersuchung durchführt, um eine Einengung auszuschliessen. Insofern wird Sie Ihr Hausarzt besser beraten können, aber eine Katheteruntersuchung kann Sinn machen.
  • Frage von A. T., Grenchen: Mich interessiert, ob ich als 46-Jähriger bei stechenden Schmerzen in der Herzgegend auch eine Vorsorgeuntersuchung planen sollte. Die Schmerzen treten bei mir immer abends auf, intensiv spüre ich sie beim Liegen auf der linken Seite. Mit Schmerzmitteln verschwinden die Schmerzen.
    Antwort von Dr. Klaus Weber: Stechende Schmerzen sind in der Regel nicht kardial bedingt. Klassisch sind belastungsabhängige Beschwerden, die unter Belastung reproduzierbar sind. Vorsorgeuntersuchungen konnten keine Prognoseverbesserung zeigen. Wie Sie die Beschwerden schildern, scheinen sie eher von der Muskulatur oder dem Skelett zu kommen.
  • Frage von R. A., Zuchwil: Ich habe eben gehört, dass bei Katheteruntersuchung die Gefahr des Lösens von Ablagerung besteht. Habe ich ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag, weil ich ein PFO habe?
    Antwort von Prof. Paul Erne: Das Risiko einer Ablösung des Gefässanteils der Kranzarterie hat das Risiko, dass es zu einem Verschluss des Gefässes kommt, der in einem Herzinfarkt enden kann. Ein Gerinnsel, der über das PFO gehen kann, hat das Risiko eines Hirnschlags. Beide Risiken sind also unterschiedlich und bei letzten wird dies ganz deutlich reduziert, wenn mit Aspirin behandelt werden kann oder das Blut anders verdünnt werden kann.
  • Frage von O. B., Zürich: Ist eine Katheteruntersuchung auch möglich, wenn man eine künstliche AO-Klappe hat?
    Antwort von Dr. Klaus Weber: Ja. Auch bei Kunstklappen kann ein Herzkatheter durchgeführt werden. Wegen der Blutverdünnung wird man den Zugang durch die Handschlagader bevorzugen. Hier gibt es weniger Blutungskomplikationen.
  • Frage von B. Z., Lengnau: Guten Abend, ich habe heute Abend zum ersten Mal von einem Allergieschock im Zusammenhang mit dieser Herzuntersuchung gehört und es wurde gesagt, dieses Risiko habe «früher» bestanden. Dazu muss ich sagen, dass bei meinem Mann 2009 genau das passiert ist: Er hat einen solchen Allergieschock erlitten, ist ins Koma gefallen und musste während drei Stunden reanimiert werden, lag zwei Tage auf der Intensivstation und wir mussten mit dem Schlimmsten rechnen. Das nur zur Bemerkung «früher»...
    Antwort von Prof. Paul Erne: Dem ist schon so. Es ist nicht so, dass dieses Risiko nur früher bestand, sondern es bleibt ein Risiko. Es tritt einfach nicht mehr so häufig auf wie mit älteren Kontrastmitteln. Hatte man an einer Klinik Ende der 70er-Jahre noch etwa fünf Patienten pro Jahr verloren, ist dies heute ein Patient in fünf Jahren. Aber dieses Risiko geht nie auf Null.
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Der Blick ins Herz

14 min, aus Puls vom 4.3.2013

Experten am Telefon

Dr. Florim Cuculi, Prof. Christoph Kaiser und Dr. Edwin H. Straumann

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Florim Cuculi, Prof. Christoph Kaiser und Dr. Edwin H. Straumann.

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