Umgang mit Burnout

Wenn bei sich selbst oder einem Angehörigen nichts mehr geht: Dr. Toni Brühlmann und Dr. Tabea Apfel erklären, wie man einen Burnout erkennt und behandelt.

Dr. Toni Brühlmann und Dr. Tabea Apfel

Bildlegende: Dr. Toni Brühlmann und Dr. Tabea Apfel SRF

Der Begriff trifft es gut: «Burnout», das Gefühl völligen Ausgebranntseins, kann jeden treffen – den Manager mit 70-Stunden-Woche,  die Hausfrau, die rund um die Uhr ihren dementen Vater pflegt, den Medizinstudenten in der Prüfungsphase. Professionelle Unterstützung hilft, Verhaltensmuster zu durchbrechen und einen sorgsameren Umgang mit sich und den eigenen Ressourcen zu lernen. Denn um eine Bagatelle handelt es sich beim Burnout nicht. Bleibt er unbehandelt, drohen Depressionen und sogar körperliche Folgen wie Bluthochdruck.

Die Burnout-Spezialisten Dr. Tabea Apfel und Dr. Toni Brühlmann haben im «Puls»-Chat erklärt, wieso eine entsprechende Betreuung wichtig ist und bei welchen Symptomen Betroffene und Angehörige hellhörig werden sollten. Fünf der Antworten finden Sie hier.

  • Frage von S. B., Erlinsbach: Ich muss mich hier mal äussern als langjähriger Burnout-Patient (diagnostiziert durch anerkannten Psychiater). Laut ICD-10 ist das Burnout-Syndrom als Krankheit aufgenommen. Warum wird im Beitrag behauptet, es sei keine Krankheit?
    Antwort von Dr. Tabea Apfel: Burnout steht im ICD-10 im Kapitel «Z». Darin werden Faktoren benannt, die den Gesundheitszustand beeinflussen können, sie gelten aber nicht als Krankheit im engeren Sinn und sind auch nicht genau definiert. Die anerkannten psychiatrischen Krankheiten stehen im Kapitel «F». Insofern bezeichnet der Begriff «Burnout-Syndrom» keine «definierte Krankheit». Ein Burnout-Zustand äussert sich aber oft als Depression, was wiederum eine anerkannte Krankheit ist.
  • Frage von S. S., Zürich: Ich hatte vor zwei Jahren mit 23 Jahren ein Burnout und konnte mich davon gut erholen und bin in der Berufswelt wieder ohne grössere Einschränkungen aktiv. Ich habe gelernt, auf mich und meinen Körper zu hören. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich teilweise noch immer Konzentrationsstörungen habe und auch Vieles (auch Wichtiges) wieder vergesse. Muss ich mir Sorgen machen, dass ich langfristige Schäden davon getragen habe?
    Antwort von Dr. Toni Brühlmann: Langfristige Schäden gibt es als Folge von Burnout nicht. Vermutlich sollten Sie nochmals überprüfen, ob Sie Ihr Leben noch anders gestalten können, zum Beispiel mehr Erholung und Freude einfügen.
  • Frage von P. T., Bern: Ist es möglich, Symptome von einem Burnout zu beheben, ohne sich von der Arbeitswelt zurückziehen zu müssen?
    Antwort von Dr. Tabea Apfel: Ja, es kommt darauf an, wie ausgeprägt die Symptome sind. Wichtig ist, dass Sie eine gute Therapie/Begleitung haben, z. B. einen Psychiater oder Psychologen. Es geht darum, die Belastungsfaktoren zu entdecken und zu lernen, anders mit ihnen umzugehen. Am besten fragen Sie Ihren Hausarzt, wen er Ihnen empfehlen kann. Mit dieser Person können Sie dann besprechen, ob die Therapie ambulant durchgeführt werden kann und ob Sie dabei weiter voll arbeiten können.
  • Frage von J. P., Meilen: Wie lange kann ein Burnout dauern? Ist nach zwei Jahren ohne Besserung noch etwas zu machen?
    Antwort von Dr. Toni Brühlmann: Ein Burnout kann lange dauern, auch nach zwei Jahren kann eine intensivierte Behandlung weiter helfen.
  • Frage von T. K., Bösingen: Sehr geehrter Herr Brühlmann, meine Frau leidet seit geraumer Zeit unter den Symptomen, die Sie beschrieben haben. Nur leider gibt sie es nicht zu. Es nützt alles zureden nichts. Wie kann ich sie dazu bringen, sich helfen zu lassen?
    Antwort von Dr. Toni Brühlmann: Das ist eine schwierige Situation. Ich rate Ihnen, Ihre Frau zu motivieren, zum Hausarzt zu gehen. Vielleicht ist dieser Schritt für sie einfacher.

Experten am Telefon

Lic. phil. Stephan Scherrer, Dr. Christian Seeher und Dr. Armita Tschitsaz

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Lic. phil. Stephan Scherrer, Dr. Christian Seeher und Dr. Armita Tschitsaz

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