Rauchstopp

Vom Glimmstengel loszukommen, ist eine enorme Herausforderung. Das grösste Hindernis stellt dabei die Überwindung langjähriger Rituale und Gewohnheiten dar. Dr. Mace Schuurmans und PD Dr. Isabella Sudano kennen die Thematik aus ihrer täglichen Praxis bestens.

Dr. Mace Schuurmans und PD Dr. Isabella Sudano

Bildlegende: Dr. Mace Schuurmans und PD Dr. Isabella Sudano srf

Rauchverbot in den Restaurants, am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln - Raucher werden in der Schweiz von Gesetzes wegen immer häufiger an die frische Luft gesetzt. Auf den immer teureren Zigarettenpäckchen prangen drastische Fotos und unmissverständliche Warnhinweise, und erfolgreiche Aussteiger im Bekanntenkreis schwärmen von neugewonnener Lebensqualität ohne Nikotin.

Lauter gute Gründe, den Rauchstopp selber durchzuziehen, doch die Erfahrung lehrt, dass das einfacher vorgenommen als umgesetzt ist. Dass es gerade die Macht der Gewohnheit ist, die viele wieder zurück zum Glimmstengel treibt, wissen auch Dr. Mace Schuurmans und PD Dr. Isabella Sudano. Im Live-Chat wurden sie mit entsprechenden Fragen konfrontiert; fünf ausgewählte Antworten finden Sie hier.

  • S. M., Basel: Ich habe bei meinem 15-jährigen Sohn Zigaretten gefunden. Er sagt, er raucht 3 pro Tag und ist deswegen nicht süchtig. Kann er schon abhängig sein? Gibt es Angebote für so Junge?
    PD Dr. Isabella Sudano: Leider wirkt Nikotin bei Jugendlichen sehr effektiv. Das heisst, auch mit wenigen Zigaretten ist das Risiko gross, abhängig zu werden. Es gibt sehr gute Informationen/Beratungs-Programme im Internet, die für Jugendlichen gemacht sind (z.B. feelok.ch), sowie Apps für Smartphones(z.B. Stop-tabac.ch fürs iPhone).
  • M. B., Zürich: Ich habe 1 Packung Zigaretten geraucht, über das Wochenende sogar das doppelte. Seit ca. 6 Wochen kaufte ich die e-Zigarette und jetzt hab ich's geschafft nicht mehr zu rauchen.
    Dr. Mace Schuurmans: Sehr gut, Sie haben mit dem Zigarettenrauchen aufgehört, allerdings stillen Sie ihren Nikotinhunger mit einer eZigarette. Sie sind vermutlich weiterhin nikotinabhängig. Der nächste wichtige Schritt wäre die Anwendungen der eZig nun zu reduzieren und zu stoppen und dabei keinen Rückfall mit normalen Zigaretten zu haben. Dann haben Sie es ganz geschafft!
  • R. H., Bremgarten: Warum soll ein Inhaler besser sein als eine E-Zigarette? Im Bezug auf Nikotin.
    Dr. Mace Schuurmans: Der Inhaler enthält reines Nikotin und Menthol. Dies ist toxikologisch untersucht, und auch die Langzeitanwendung ist in Bezug auf Wirksamkeit und gesundheitliche Auswirkungen gut dokumentiert, deshalb gilt der Inhaler/Inhalator als Heilmittel und Rauchstopphilfe. Die elektrische Zigarette/eZig ist ein neueres Phänomen und noch nicht genügend untersucht, es enthält meist Propylenglykol und z.T. auch andere Substanzen. Die Hersteller sind ganz unterschiedlich, die Qualitäten ebenfalls. Die Datenlage ist noch zu ungenügend, um es als Rauchstopphilfe zu empfehlen.
  • G. S., Zürich: Ich habe vor 5 Wochen aufgehört (nach 30 Jahren, ca. 1 Päckli pro Tag), ohne jegliche Hilfe. Alles lief ganz glatt, bis vor einigen Tagen die Krise begann: Stimmungsschwankungen, Nullbock-Stimmung und vor allem das grosse Reissen. Gibt's gute Tricks wie ich die psychische Abhängigkeit in den Griff bekomme und diese Rauch-Lust-Attacken verschwinden?
    PD Dr. Isabella Sudano: Sie haben das super gemacht, gratuliere!!!! Die Entzugssymptome sind sehr stark, dauern aber nicht sehr lang. Sich beschäftigen (Wasser trinken, etwas tun, spazieren gehen, sich entspannen) kann hilfreich sein, ebenso Sport treiben. Belohnen sie sich! Falls es nicht nützt, empfehle ich Ihnen ein Raucherberatung, und falls nötig nehmen Sie Nikotinersatz oder andere Medikamente zur Unterstützung. Bleiben sie dran!
  • F. G., Wilen: Wie gefährlich ist Pfeife rauchen? Ich habe ein dauerndes Räuspern im Hals. Kann es vom Passivrauchen sein?
    Dr. Mace Schuurmans: Pfeife rauche ist für die oberen Atemwege besonders gefährlich. Gehäuft kommt es zu Tumoren im Mund/Rachenbereich, aber es kann auch die unteren Atemwege schädigen und dort Tumoren verursachen. Falls Sie ein dauerndes Räuspern haben, sollten Sie unbedingt zu einem Hals-Nasen-Ohren Arzt überwiesen werden, um dies zu beurteilen.
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Viele Wege führen aus der Nikotinsucht

18 min, aus Puls vom 14.5.2012

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