«I sett eifach no meh Zitt haa»

Ihre Stimme, ihr Humor, ihre Müsterli! Eine Gedenksendung für die Solothurner Volkskundlerin und Sagensammlerin Elisabeth Pfluger, die am 2. Mai 2018 mit 98 Jahren starb.

Elisabeth Pfluger
Bildlegende: Elisabeth Pfluger SRF

Seit ihrer Kindheit, während ihres Berufslebens als Lehrerin und vor allem nach ihrer Pensionierung reiste Elisabeth Pfluger in alle Dörfer und auf die Bauernhöfe des Kantons Solothurn. Dort entlockte sie den Einheimischen ihre Geschichten aus alten Zeiten, ihre Traditionen, ihre Dorfmüsterchen und Schmunzelgeschichten, ihre Kinderlieder und Sprüche.

«dr Faade gee»

Sie brachte das Sagenbrünneli zum Laufen, wie sie es selber in ihrer unnachahmlich liebenswürdigen und sprachwitzigen Art formulierte. Und dafür musste sie oft zuerst «dr Faade gee» – den Faden geben. Das bedeutete, die Leute mit einer eigenen Geschichte oder mit einem gezielten Stichwort zum Reden zu animieren. Das ist ihr oft gelungen.

«I müest Hundertzwänzgi wärde»

Im Laufe ihres langen Lebens veröffentlichte sie über 20 Bücher mit Sagen, Geschichten, Versen oder auch Rezepten. 1981 erhielt sie den Kulturpreis des Kantons Solothurn. Bis zuletzt bearbeitete sie unermüdlich ihre immense Sammlung, um möglichst alles publizieren und damit dem Vergessen entreissen zu können. «I müest Hundertzwänzgi wärde» – diese Erkenntnis hatte sie schon 2009, an ihrem 90. Geburtstag. Das Unmögliche hat sie zwar nicht geschafft, aber den Grossteil ihrer Sammlung konnte sie dennoch zu Lebzeiten publizieren.

Perlen aus dem Radioarchiv

Immer wieder trat Elisabeth Pfluger am Radio auf, sei es mit eigenen Sendungen oder als Gast, wenn Sagen oder eines ihrer Bücher aktuell waren. Mundartredaktor Markus Gasser hat aus dem Radioarchiv Höhepunkte ihres Schaffens zusammengesucht und bringt in dieser Gedenksendung Elisabeth Pflugers Leben und Wirken mit witzigen und schönen Müsterchen zum Klingen.

«Slambad» - ein Theaterexperiment

Auf der «Klibühni» in Chur läuft bis zum 23. Juni ein ganz spezielles, experimentelles Musiktheater. Die Musikschaffenden Reto Senn und Regina Hui bringen gemeinsam mit Regisseur Krishan Krone die Eigenproduktion «Slambad» auf die Bühne. Ein wilder Ritt durch die Sprache und das Improvisieren mit Wörtern und Klängen. Der Dichter, ein veritabler Schlammpoet, liegt in der Badewanne, die es dicht zu halten gilt, und nimmt, ganz zeitgemäss, ein Slambad. Er spielt also mit der Kunstform der Slam Poetry. Wie das klingt und worum es geht, das erläutert Mundartredaktor Christian Schmutz in seinem Beitrag.

Ausserdem erklärt Christian Schmutz in der Sendung die Wörter «zäpfle» und «Gispel» und Idiotikon-Redaktor Hans Bickel deutet den Familiennamen «Kaderli».

Veranstaltungstipp

  • Slambad. Vom Schlamm zum Song. Von Reto Senn. Regie: Krishan Krone. (Link zur Internetseite der Klibühni Chur siehe unten)

Buchtipps

  • Hans Brunner: «Elisabeth Pfluger: Ein leben für die Volkskunde». Knapp Verlag 2009
  • Elisabeth Pfluger: «S Gäu, mis Gäu». Verlag Alte Chäserei 2017
  • Elisabeth Pfluger: «Lache steckt aa. 199 Schmunzelgschichte». Lehrmittelverlag Kanton Solothurn 2013
  • Elisabeth Pfluger: «He nu so de: Eine heitere Erzählstunde mit Elisabeth Pfluger». Audio-CD. Knapp-Verlag 2008

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Markus Gasser, Christian Schmutz