Recht und Gerechtigkeit 1517 Busse tun, hiess Busse zahlen

Im Schatten der Burg wurde pragmatisch Recht gesprochen. Bestrafung und Abschreckung standen im Vordergrund.

Holzschnitt einer mittelalterlichen Gerichtsverhandlung

Bildlegende: Im Mittelalter ging es vor Gericht nur um die Wahrheitsfindung und nicht um einvernehmliche Lösungen. gemeinfrei

Was war die wichtigste Aufgabe des Vogts auf der Bechburg? Als Vertreter der Ratsherren von Solothurn deren Interessen zu wahren – und in seiner Vogtei nebst regelmässigen Steuereinnahmen für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Mit schweren Verstössen gegen geltendes Recht befasste sich die weltliche oder kirchliche Obrigkeit. Im Schatten der Burg wurde Alltäglicheres verhandelt: Raufereien, Diebstähle, Grenz- und Erbstreitigkeiten und ähnliches fielen unter die niedere Gerichtsbarkeit und wurden vom Vogt entschieden.

Zweierlei Mass

Mit gleichem Recht für alle, wie es heute in der Verfassung festgeschrieben ist, durfte dabei allerdings nicht gerechnet werden. Da jeder seine Sache selber vor Gericht tragen und vertreten musste, zogen weniger Begüterte meist den Kürzeren oder strengten erst gar keine Verhandlung an.

Bei der Bemessung des Strafmasses für ein und dasselbe Vergehen spielte es zudem definitiv eine Rolle, ob der Täter ein Einheimischer oder ein Auswärtiger war. Fremde wurden deutlich härter angepackt.

Büssen und sich fortan benehmen

Besonders schonend sprang der Vogt auch mit lokalen Missetätern nicht um. Bei erstmaligen geringen Verfehlungen mochte man noch mit einem Tadel davonkommen. In den allermeisten Fällen setzte es aber eine Geldbusse, und auch körperliche Strafen oder öffentliche Erniedrigung waren nicht selten.

Alles mit dem Ziel, den Schuldigen angemessen zu bestrafen und nachhaltig von ähnlichen Verfehlungen abzuhalten. Auf dass er sich fürderhin als produktives Mitglied der Gesellschaft an die Gesetze halte!

Traumatische Momente im Kerker

Längere Haftstrafen wurden eher selten ausgesprochen. Immerhin mussten Gefangene verköstigt werden (was kostete) und fehlten an ihrem Arbeitsplatz (was den Steuerertrag verminderte).

Ein kurzer Aufenthalt im Kerker am Grunde des Burgturms konnte einem trotzdem blühen. Für sich schon beklemmend genug, hatten Insassen im finsteren Loch Zeit und Musse, sich die schlimmsten Strafen auszumalen, die ihnen blühen mochten. Auch wenn es schliesslich nur bei der Nacht im Kerker blieb: Das traumatische Erlebnis dürfte manch einen im Schatten der weitherum sichtbaren Burg tatsächlich von weiteren Übertretungen abgehalten haben.

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Strafen im Mittelalter

5:35 min, aus Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren vom 26.7.2017

Handgreifliches Mittelalter

Handgreifliches Mittelalter

Verstümmeln, Blenden, Haare scheren: Leibesstrafen bis hin zur Hinrichtung waren im Mittelalter gang und gäbe. Die Folter auch, allerdings weniger zur Strafe, als vielmehr im Vorfeld eines Prozesses, um zur Wahrheit eines Sachverhalts vorzudringen.

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