Online-Voting Der massvolle Vogt hat das Rennen gemacht

Sie haben entschieden: Der Vogt der Dietschis will nur so viel Zehnten, wie ihm von Rechts wegen zusteht.

Grafik mit den drei möglichen Umfängen des dem Vogt abzuliefernden Zehntens

Bildlegende: Die Ansprüche des Landvogts haben grossen Einfluss darauf, was bei Dietschis schliesslich noch auf den Tisch kommt. srf

Vom 17. Juli bis 4. August lebt die Familie Dietschi von dem, was ihr bescheidener Hof im Schatten der Neu-Bechburg hergibt. Ein Garten, zwei kleine Äcker und einige Tiere liefern das Lebensnotwendige.

Was und wie viel davon auf den Tisch kommt, hängt wie vor 500 Jahren von Wind und Wetter ab – aber nicht nur. Auch der Vogt hat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Denn ihm schulden die Zeitreisenden den Zehnten in Form von Getreide, Honig, Eiern, Heu und Geld.

Gibt sich der Vogt mit wenig zufrieden? Besteht er auf dem ihm zustehenden Zehntel des Ertrags? Oder lässt er sich Landnutzung und Schutz fürstlich entgelten?

Sie haben entschieden: Die Familie Dietschi bekommt es mit einem massvollen Vogt zu tun.

Zehnten-Abstimmung

  • Bescheidener Vogt

    5% der Ernte + 1 Schilling Stebler

    26%
  • Massvoller Vogt

    10% der Ernte + 3 Schillinge Stebler

    37%
  • Gieriger Vogt

    25% der Ernte + 8 Schillinge Stebler

    36%
Video «Land und Schutz gab es nicht umsonst» abspielen

Land und Schutz gab es nicht umsonst

0:56 min, vom 6.7.2017

Im ausklingenden Mittelalter waren die wenigsten Bauern Landbesitzer. Das Land gehörte meist einem Grundherrn, der es gegen Natural- und Geldabgaben oder Arbeitsleistung verlieh. In Oensingen gehörte das Land dem Stadtstaat Solothurn, der zur Verwaltung seiner ausgedehnten Besitztümer Vögte einsetzte.

In der Vogtei Bechburg amtete 1517 Landvogt Urs Stark. Im Auftrag der Ratsherren von Solothurn zog er von den Oensinger Bauern als Zehnten Getreide, Heu, Eier, Jung- und Suppenhühner oder Geld ein – und durfte einen Teil der Abgaben als Lohn für sich behalten.

Im Gegenzug hatte der Vogt die Bauern im Falle eines feindlichen Angriffes zu beschützen und schlichtete Streitereien im Dorf.

So nahe an der Realität wie möglich

Art und Menge der Zehntenabgaben der Familie Dietschi kommen nicht von ungefähr: Im Urbar der Vogtei Bechburg von 1518 steht zu lesen, dass der Bauer «urs boümgartner jerlich iii mütt dinckell ii ß [Schilling] stebler i allt zwey junge hüner unnd zwentzig eyer» an den Vogt abzuliefern hatte. Also drei Mütt Dinkel, zwei Schilling Stebler, ein altes und zwei junge Hühner sowie 20 Eier.
Für die Erhebung des Zehntens sowie für die gesamte Sendung hat sich «Schweiz aktuell» an historischen Quellen zum Bauernalltag in Oensingen orientiert und den Umfang der Abgaben an die tatsächlichen Bedingungen des dreiwöchigen Sommerprojekts angepasst.

Sendung zu diesem Artikel