Lausanne: Zwei Höhenflüge – mit unterschiedlichen Perspektiven?

In Lausanne reiten der Fussball- und der Hockeyklub auf der Erfolgswelle. Ist der Höhenflug eine Momentaufnahme oder der Beginn einer nachhaltigen Erfolgsstory? Wir haben bei den SRF-Experten nachgefragt.

Sport hat in Lausanne eine grosse Bedeutung. Seit 1915 hat das Internationale Olympische Komitee seinen Sitz in der Stadt am Genfersee. Jährlich findet mit der «Athletissima» ein Diamond-League-Meeting der Leichtathletik auf der Pontaise statt. Und mit Stan Wawrinka, welcher 2014 mit der Schweiz den Gewinn des Davis Cups in Lausanne feierte, wohnt einer der weltbesten Tennisspieler in der Region.

In den letzten Jahren haben nun auch die Sportklubs in den beiden wichtigsten Sportarten, Fussball und Eishockey, wieder den Sprung in die höchste Liga geschafft. Während der Lausanne HC 2013 die Rückkehr in die NLA bewerkstelligte, zog der FC Lausanne-Sport in diesem Sommer nach.

Und nicht nur das, die beiden Klubs reiten zurzeit auf einer Erfolgswelle und sind in den jeweiligen Klassementen sehr weit vorne anzutreffen. Ist das nur eine Momentaufnahme oder sind die Voraussetzungen gegeben, dass der Höhenflug nachhaltig sein könnte? Wir haben unsere Experten befragt.

SRF-Fussball-Experte Gürkan Sermeter zu Lausanne-Sport:

  • «Lausanne hat den Schwung aus der Aufstiegssaison mitgenommen, ganz klar. Sie spielen ohne Druck, unbekümmert, nach vorne. Der Trainer weiss genau, was er will. Und die Spieler wissen, woher sie kommen und treten dementsprechend auf. Lausanne holt jetzt Punkte, die später Gold wert sein werden. Ich behaupte, dass die Waadtländer nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden.»
  • «Noch wird sich Lausanne den Mechanismen des Fussball-Business nicht entziehen können. Das war bereits in der Challenge League so, als Topskorer Jocelyn Roux von Wil abgeworben wurde. In einer Ausbildungsliga wie in der Schweiz ist es so, dass Teams wie Lausanne jungen Spielern eine Plattform bieten, wovon Spieler und Klub am Ende profitieren sollen. Wichtig ist, dass seriös gewirtschaftet wird und die Abgänge möglichst adäquat ersetzt werden können.»
  • «Ich würde mich freuen, wenn Lausanne in Zukunft eine wichtige Rolle in der Super League spielen könnte. Wir brauchen gute Teams aus der Romandie. Lausanne ist eine Traditionsmannschaft und ich habe das Gefühl, dass sich die Zuschauer mit der Mannschaft identifizieren.»

SRF-Hockey-Experte Lars Weibel zum Lausanne HC:

  • «Der LHC profitierte in den letzten Jahren davon, dass es dem Fussballklub nicht rund lief. Hockey gewann die Oberhand. Die Popularität ist gross, die Atmosphäre im Stadion ausgezeichnet, die Resultate stimmten nicht nur in dieser, sondern auch in den vergangenen Saisons.»
  • «Der aktuelle Erfolg kommt zwar etwas überraschend, aber ich sehe dennoch eine nachhaltige Strategie dahinter. Die Franchise ist gut strukturiert und sehr professionell aufgestellt. Im Betrieb herrscht eine Kontinuität, die Hockeybegeisterung in der Stadt ist gross. Und die Perspektiven mit dem neuen Stadion, das 2020 kommen soll, sind vielversprechend. Ein nächster Schritt wäre dann ein Farmteam zu etablieren, wie es der ZSC, Zug oder die Tessiner Klubs schon machen.»
  • «Ich bin felsenfest überzeugt, dass Lausanne das Potenzial hat, zu den Topklubs wie Bern, Lugano und den ZSC Lions aufzuschliessen. Nicht jeder hat die wirtschaftlichen Möglichkeiten, diese Chance zu packen, aber Lausanne ist auf bestem Weg dazu.»

Was denken Sie: Wird sich eines der beiden Teams langfristig oben festsetzen?

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Sendebezug: Laufende Berichterstattung zur Super League und zur NLA.