Von Millimetern und Zehntausendsteln

Nach 214 km entschieden bei der 7. Etappe der Tour de France 0,0003 Sekunden über den Sieg. Eine der knappsten Sport-Entscheidungen der Geschichte? Wir blicken zurück.

Das Zielfoto zeigt zwei Radfahrer, die mit ihrern Vorderrädern eine virtuelle rote Linie gleichzeitig überqueren.

Bildlegende: Zielfoto Von Auge ist der Sieger nicht zu erkennen. Keystone

3 Zehntausendstel-Sekunden: So viel Vorsprung hatte Marcel Kittel am Freitag bei der Tour de France auf Verfolger Edvald Boasson Hagen. Bei einer ungefähren Fahrgeschwindigkeit von 70 km/h sind das umgerechnet nicht einmal 6 Millimeter.

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Nach 214 km: Die Millimeter-Entscheidung im Sprint

1:28 min, vom 7.7.2017

10'000 Bilder dank Schweizer Hightech

Von blossem Auge war der Sieger selbstredend nicht auszumachen. Dafür braucht es Schweizer Hightech: Die Tour de France arbeitet mit einem Schweizer Uhrenhersteller, der die Zieleinfahrt mit einer Spezialkamera mit 10'000 Bildern pro Sekunde abmisst.

Dramen um einen Wimpernschlag

Kittel und Boasson Hagen sind nicht allein. In der Sportgeschichte sorgten Millimeterentscheidungen schon oft für Dramen:

  • Olympia 2012: Nicola Spirigs Gold-Sprint

Es war ein unvergesslicher Olympia-Moment: Nicola Spirig setzte sich in London nach 1500 m Schwimmen, 40 km auf der Radstrecke und einem 10'000-m-Lauf um wenige Tausendstel gegen die Schwedin Lisa Norden durch.

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London 2012: Triathlon, Gold-Finish von Nicola Spirig

0:29 min, vom 4.8.2012

  • Leichtathletik EM 2016 in Amsterdam: Entscheidung über 5000 m

Das Zielfoto ging in die Geschichte ein: Der Spanier Ilias Fifa holte Gold vor Adel Mechaal und Richard Ringer. Grosser Pechvogel war Henrik Ingebrigtsen: Der Norweger verpasste um eine Hundertstelsekunde das EM-Podest.

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EM 2016: Das enge Finish im 5000-m-Rennen

1:16 min, vom 10.7.2016

  • Olympische Spiele 2014 in Sotschi: Skicross Viertelfinal

Der Schweizer Armin Niederer war der grosse Profiteur dieser Herzschlag-Entscheidung: Die Führenden Igor Korotkow und Victor Oehling stürzten im Zielsprung. Weil auch Jouni Pellinen Richtung Ziellinie rutschte, kam es zu einem Foto-Finish ohnegleichen.

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Olympia 2014: Rutschende Skicrosser

0:59 min, aus Sotschi-Clip vom 20.2.2014

  • Olympische Spiele 2014 in Sotschi: 1500 m Eisschnelllauf

Die Anzeigetafel zeigte es an: 1:45,00 Sekunden – sowohl für Zbigniew Brodka als auch Koen Verweij. Am Schluss konnte aber nur der Pole jubeln. 3 Tausendstel – umgerechnet gerade einmal 4 Zentimeter – entschieden zugunsten von Brodka.

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Olympia 2014: Enge Entscheidung im Eisschnelllauf

0:36 min, aus Sotschi-Clip vom 15.2.2014

  • Weltcup in Oberhof: Rodeln

Nach zwei Läufen hatte Natalie Geisenberger eine winzige Tausendstelsekunde Vorsprung auf Landsfrau Tatjana Hüfner. Die deutsche Siegerin war doppelt im Glück: Sie feierte am gleichen Tag ihren 29. Geburtstag.

Natalie Geisenberger mit Geburtstags-Ballonen auf dem Siegerpodest.

Bildlegende: Natalie Geisenberger Die Deutsche hatte in Oberhof gleich doppelten Grund zur Freude. Imago

  • Nascar, Daytona-500-Rennen 2016

Nach 800 Kilometern Fahrt entschieden 10 cm über den Sieg im legendären Daytona-500-Rennen. Bei einer Geschwindigkeit von über 300 km/h überquerte Denny Hamlin die Ziellinie einen Hauch vor Martin Truex.

Zwei Rennwagen überqueren praktisch gleichzeitig die Ziellinie.

Bildlegende: Zentimeter bei Full-Speed Das Daytona-Rennen 2016 ging in die Geschichte ein. Reuters

Was halten Sie von der Zehntausendstel-Entscheidung?

  • Gut, ist die Technik heute imstande, um solche Entscheide zu fällen.

    46%
  • Wenn es so eng ausgeht, hätte ein Rennen zwei Sieger verdient.

    53%
  • 2327 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 07.07.2017, 14:10 Uhr