Martschini: «Wir dürfen keine Angst haben»

Trotz der Niederlage gegen Bern in der 1. Halbfinalpartie hat es für EVZ-Stürmer Lino Martschini Grund zur Freude gegeben: Der 20-jährige Shootingstar erzielte seine ersten beiden Playoff-Tore. Im Interview sprach er über die Fehler gegen den SCB, seine 1,67 m Körpergrösse und die NHL.

Im aktuellen EVZ-Kader hat nur Josh Holden mehr Punkte als Lino Martschini gesammelt.

Bildlegende: Junger Leistungsträger Im aktuellen EVZ-Kader hat nur Josh Holden mehr Punkte als Lino Martschini gesammelt. EQ Images

Lino Martschini, Spiel 1 gegen den SCB ging in der Verlängerung verloren. Was lief am Ende schief?

Martschini: Uns sind zu viele Eigenfehler unterlaufen. Nicht nur in der Overtime, sondern während dem ganzen Spiel. 3 der 4 Berner Tore waren Geschenke von uns. So kann man nicht gewinnen - schon gar nicht in Bern. Vielleicht hatten wir etwas zu viel Respekt vor dem SCB und waren deshalb unsicher. Wir haben uns auf dem Eis zu passiv verhalten.

Zug hat unter Doug Shedden nur 2 von 19 Playoff-Halbfinalspielen gewinnen können. Was muss Ihr Team am Donnerstag besser machen, um diese Statistik aufzubessern?

Wir dürfen keine Angst haben. Schliesslich sind wir Quali-Dritter geworden und haben etwas erreicht. Wir dürfen durchaus selbstbewusster auftreten.

« Manchmal braucht es Veränderungen »

Seit dem Ende des Lockouts spielten Sie stets an der Seite von Topskorer Linus Omark. In den letzten beiden Spielen bildeten Sie mit Fabian Sutter und Fabian Schnyder eine Linie. Weshalb nahm Doug Shedden diese Änderung vor?

Wir haben in den Partien gegen Lugano nicht mehr so gut harmoniert. Deshalb hat sich der Coach zu diesem Wechsel entschieden. Der Erfolg gibt ihm Recht, denn schliesslich haben wir die Serie noch gewonnen. Manchmal braucht es kleine Veränderungen.

Ihnen läuft es nicht erst seit den beiden Toren gegen Bern prächtig. Seit dem Ende des Lockouts bekommen Sie mehr Eiszeit und Verantwortung und zahlen dies mit Skorerpunkten zurück. War für Sie der Lockout mehr Fluch als Segen?

Im Nachhinein sehe ich den Lockout positiv. Der Schritt vom Junior zum Profi ist gross. Dank den NHL-Spielern lag der Fokus nicht auf uns Jungen. Das gab uns Raum und Zeit, uns zu entwickeln und uns an die grössere Intensität zu gewöhnen.

Der Druck auf den Rest der Mannschaft ist seit dem Abgang von Zetterberg und Co. aber gestiegen. Wie gehen Sie damit um?

Der Druck ist natürlich da, aber wir können ihn innerhalb der Mannschaft gut verteilen. Der Teamspirit stimmt. Deshalb fanden wir nach dem Ende des Lockouts auch den Tritt wieder.

« Ich muss es mit der Schnelligkeit machen »

Sie sind mit 1,67 m Körpergrösse der kleinste NLA-Spieler. Was bedeutet das für Sie auf dem Eis?

Dass ich mich viel bewegen muss. Wenn es mir in einem Spiel nicht läuft, liegt es in der Regel daran, dass ich mich zu wenig bewege. Ich kann mich nicht wie beispielsweise ein Joe Thornton mit der Masse und der Reichweite durchsetzen. Ich muss es mit Schnelligkeit und Spielintelligenz machen.

Wann hatten Sie das letzte Mal einen Gegenspieler, der kleiner war?

(Lacht.) Gute Frage. Ich glaube an einer U20-WM gab es einen Spieler, der gleich gross oder minim kleiner war als ich.

Von 2010 bis 2012 spielten Sie in der kanadischen Juniorenliga OHL. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Mir hat diese Zeit vor allem mental geholfen. Ich konnte mir beweisen, dass ich mich auch gegen grössere und schwerere Gegenspieler behaupten kann. Daneben habe ich natürlich auf den kleineren Eisfeldern spielerisch stark profitiert. Es war eine sehr gute Erfahrung.

Stichwort Nordamerika: Der kleinste NHL-Spieler misst gar nur 1,65 m. Ist die NHL ein Thema für Sie?

Die NHL ist ein Traum, der noch weit weg ist. Man hat es bei Damien Brunner gesehen, dass es nie zu spät ist. Ich muss mich zuerst einmal in der Schweiz durchsetzen und an Kraft zulegen. Aber die NHL ist sicher ein Ziel, das ich nicht aus den Augen verlieren möchte.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Die 2. Halbfinal-Partie zwischen dem EV Zug und dem SC Bern zeigt das Schweizer Fernsehen am Donnerstag ab 20.00 Uhr auf dem Kanal SRF zwei live. Zudem gibt es das Spiel hier im Livestream.

Zur Person

Der Luzerner Lino Martschini (20) durchlief beim EV Zug die Junioren-Abteilung, ehe er 2010 als 17-Jähriger für 2 Saisons in die kanadische Juniorenliga OHL wechselte. 2012 kehrte er zum EVZ zurück, wo er am 29.09.12 gegen Kloten bei den Profis debütierte und sogleich ein Tor schoss. Inzwischen steht Martschini bei 47 Spielen (19 Tore/17 Assists).