Infantino: «Ich bin transparent»

Gianni Infantino will neuer Fifa-Präsident werden. Im Interview sagt er, wie er den Fussball retten will, wie er zum Video-Beweis steht und was er als Walliser von Joseph S. Blatter hält.

Infantino zu Gast im «sportpanorama»

Der Ruf der Fifa ist wohl so schlecht wie nie zuvor. Warum tun Sie sich das an?
Gianni Infantino: Wenn man wie ich als Generalsekretär der Uefa eine wichtige Position im Fussball bekleidet, hat man die Wahl: Entweder man bleibt am Sessel kleben und schaut, wie alles kaputt geht. Oder man steht auf, übernimmt Verantwortung und macht etwas für diesen Sport. Es ist wichtig, dass man den Fussball und die Fifa rettet.

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Gianni Infantino im Porträt

1:16 min, aus sportpanorama vom 31.1.2016

Wieviel Geld braucht man, um Fifa-Präsident zu werden?
Das weiss ich nicht. Die Uefa hat mir ein Budget von 500'000 Euro zur Verfügung gestellt für die Reisen. Ich bin jetzt viermal um die Welt geflogen und war einige Male mit dem Schiff unterwegs z.B. von St. Martin nach Anguilla, weil es dort keinen Flughafen gibt. Ich bin transparent. Ob das reicht, um Präsident zu werden, sehen wir dann am 26. Februar.

«  Die EURO-Qualifikation war so spannend wie nie. »

Sie haben die Unterstützung Südamerikas, einiger zentralamerikanischer Verbände, vermutlich der meisten europäischen Staaten – es sieht gut aus für Sie, oder?
Ich bin zuversichtlich, ich bin ohnehin ein positiver Mensch. Von Papua-Neuguinea bis Madagaskar oder Mosambik gibt es Leute, die Fussball unter schwierigen Bedingungen machen. Aber die sind alle begeistert wie ich. Ich habe das Gefühl, dass ich den Leuten aus der Seele sprechen kann.

Sie sind ein Sprachen-Talent. Stimmt es, dass Sie Arabisch können?
(lacht) Nur ein bisschen.

Scheich Salman hat gesagt, es laufe auf einen Zweikampf mit Ihnen hinaus. Einverstanden?
Ich konzentriere mich auf mich und respektiere jeden.

«  Man sollte den Video-Beweis seriös testen und analysieren, welchen Einfluss er auf das Spiel hat. »
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Auf den Spuren von Gianni Infantino im Wallis

4:13 min, vom 31.1.2016

Warum plädieren Sie für eine Ausweitung der WM-Endrunde auf 40 Teams?
Weil ich das Gefühl habe, dass es wichtig ist, die Teilnahme zu stärken. Mit der Aufstockung der EURO von 16 auf 24 Teams, für die wir kritisiert wurden, haben wir gute Erfahrungen gemacht. Die Qualifikation war so spannend wie nie. Warum? Weil plötzlich alle Teams daran glaubten, es zu schaffen. Das ist eine ganz neue Dynamik. Man gibt damit mehr Ländern die Möglichkeit, zu träumen und zusätzlich 8 Teams die Möglichkeit teilzunehmen.

Gibt es noch eine andere Revolution, die Sie als Fifa-Präsident einführen würden wie den Video-Beweis?
Ich sage nicht, dass ich dafür oder dagegen bin. Ich sage nur, dass man es seriös testen sollte und schauen soll, welchen Einfluss auf das Spiel die Massnahme hätte. Wenn es klappt, warum nicht? Wir leben im Jahr 2016.

Wie beurteilen Sie – von Walliser zu Walliser – das Werk von Joseph S. Blatter.
(lacht) Von Walliser zu Walliser, aber auch von Fussballmensch zu Fussballmensch empfinde ich einen grossen Respekt für das, was Herr Blatter in 40 Jahren für den Fussball getan hat. Auf meinen Reisen spüre ich eine grosse Dankbarkeit für seine Entwicklungsarbeit. Zum hängigen Verfahren will ich mich nicht äussern.

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama, 31.01.2016, 18:15 Uhr