Mit vollem Risiko zur WM-Medaille

Einen Tag nach ihrem historischen 7. Platz im Mehrkampf steht Giulia Steingruber am Samstag im Sprung-Final. Um eine Medaille zu gewinnen, muss die Europameisterin viel riskieren.

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Steingruber blickt voraus auf den Sprung-Final

1:12 min, vom 4.10.2013

Giulia Steingruber ist das Mass aller Dinge im Schweizer Kunstturnen und an der WM in Antwerpen in Topform. Dies stellte sie nicht nur am Mittwoch in der Qualifikation unter Beweis, sondern vor allem am Freitag mit dem hervorragenden 7. Platz im Mehrkampf-Final.

Bevor die Ostschweizerin am Sonntag den Boden-Final bestreitet, geht sie am Samstag im Final an ihrem Paradegerät Sprung an den Start. Dort gehört die 19-Jährige zum grossen Kreis der Medaillenkandidatinnen.

Neuer Jurtschenko-Sprung

Im Final wird Steingruber ihren Paradesprung Tschussowitina sowie den neu einstudierten Jurtschenko mit Doppelschraube zeigen. Erst seit drei Monaten springt sie den Jurtschenko. Also eine Radwende vor dem Brett, ein Flick-Flack auf den Sprungtisch und anschliessend ein Salto gestreckt mit Schraube(n). Zuvor turnte sie den Tsukahara. Ein Sprung, welcher mit einer Schraube sehr gut klappte. Im Mai 2013 wurde sie dann auch mit dem Tschussowitina und dem Tsukahara mit einer Schraube als 2. Sprung überlegen Europameisterin.

Der Tsukahara mit Doppelschraube wollte einfach nicht klappen. Technische Unsauberkeiten verhinderten einen Erfolg. An den Olympischen Spielen in London riskierte sie den Tsukahara mit Doppelschraube und stürzte in der Qualifikation. Die folgenden Monate brachten keine Fortschritte. So beschlossen Trainer Zoltan Jordanow und Steingruber, einen komplett neuen Sprung einzustudieren.

In nur drei Monaten lernte die Ostschweizerin den Jurtschenko mit Doppelschraube. Eine unglaubliche Leistung. Normalerweise braucht ein Athlet mindestens 1 Jahr, um einen neuen Sprung wettkampfmässig zu präsentieren.

WM-Medaille als Ziel

Steingruber will in Antwerpen am Sprung eine Medaille holen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sie volles Risiko eingehen. Den Tschussowitina beherrscht sie. Der 2. Sprung ist neu. Sie wird zum 1. Mal an einem Wettkampf den Jurtschenko mit Doppelschraube zeigen - in der Quali hatte sie erfolgreich taktiert und ihn mit einfacher Schraube gezeigt.

Im Podiumstraining (Testtraining auf der Wettkampfanlage) hat sie die Doppelschraube locker hingestellt. Jordanow stand nur zur Sicherheit neben der Matte. Die Nervosität wird am Samstag aber eine grosse Rolle spielen. Es ist ein WM-Final, sie zeigt einen neuen Sprung und will eine Medaille. Eine grosse Herausforderung auch für den Cheftrainer, die Athletin richtig einzustellen.

Fünfkampf um Bronze?

Steingruber muss den neuen Sprung mit einem Ausgangswert von 5,8 Punkten zeigen, denn die Konkurrenz springt noch schwieriger. Die Amerikanerinnen McKayla Maroney und Simone Biles führen nach der Qualifikation. Auch im Final werden sie kaum zu schlagen sein. Im Kampf um Bronze gibt es zudem drei Konkurrentinnen, die schwierigere Sprünge zeigen als Steingruber.

Für die 19-jährige Europameisterin gilt es also, den Jurtschenko mit Doppelschraube nicht nur das 1. Mal zu zeigen, sondern gleich perfekt in den Stand zu turnen. Eine wirklich schwierige Aufgabe.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

SRF zwei überträgt den Sprung-Final der Frauen mit Giulia Steingruber am Samstag ab 14:25 Uhr live. Den Wettkampf gibt es zudem im Livestream zu sehen.