Mehr Stürze beim Skispringen – ist das Material schuld?

Die zwei Stürze von Simon Ammann an der diesjährigen Vierschanzentournee haben einmal mehr berechtigte Fragen zur Sicherheit im Skispringen aufgeworfen. Im Fokus der Diskussion steht vor allem das neu entwickelte Material.

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Skispringen – eine Risikosportart?

6:05 min, aus sportlounge vom 12.1.2015

Vor genau einer Woche hielt die gesamte Skisprungszene in Bischofshofen einmal mehr den Atem an. Simon Ammann lag nach seinem schweren Sturz im Finaldurchgang zunächst regungslos im Schnee und musste danach mit einer Hirnerschütterung und Prellungen ins Spital gebracht werden. Auch wenn Ammann glücklicherweise von bleibenden Schäden verschont geblieben ist, hat der Sturz des vierfachen Olympiasiegers die Diskussion über die Sicherheit im Skisprung-Sport von Neuem entfacht.

Neue Bindung, mehr Gefahr?

Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei ausgerechnet auf den von Ammann selbst ausgetüftelten, gekrümmten Bindungsstab. Dieser – so ist sich auch Ammanns langjähriger Trainer und aktueller Skisprung-Disziplinenchef Berni Schödler sicher – soll eine saubere Landung für die Springer deutlich erschweren. «Vor allem dann, wenn die Athleten sehr weit springen und die Kräfte und der Gegenradius zusätzlich wirken, wird es sehr schwierig», meint Schödler.

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Morgensterns schwerer Sturz in Bad Mitterndorf

1:50 min, aus sportaktuell vom 10.1.2014

Rückendeckung erhält Schödler auch vom ehemaligen Skispringer Thomas Morgenstern, der in Bad Mitterndorf vor einem Jahr einen Horrorsturz erlebte und schliesslich im letzten September aus Angst vor weiteren Unfällen seine Karriere beendete. «Mit der Krümmung nach innen wird ein normaler Telemark bei der Landung erschwert. Ich habe damit auch oft meine Probleme gehabt», pflichtet der österreichische Olympiasieger Schödler bei.

Neben den abgeänderten Bindungen werden mittlerweile auch die neuen und engeren Anzüge genauer unter die Lupe genommen. «Der Springer wird grundsätzlich schneller und wird weniger gebremst als früher», sagt Schödler.

FIS bringt Sturz-Statistiken zurück

Nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen will sich hingegen der Schweizer Skisprung-Trainer Martin Künzle. Es sei zwar ein Fakt, dass Einiges mit dem neuen Material schwieriger geworden sei, aber trotzdem hätten viele Athleten die Landung gut im Griff. «Schliesslich muss die FIS entscheiden, wie sie das handhaben will», bilanziert Künzle.

Vieles deutet tatsächlich darauf hin, dass die FIS ob der zuletzt vielen Stürze hellhöriger geworden ist. Sie führt ab dieser Saison wieder offiziell eine Sturz-Statistik. Vor 5 Jahren hatte die FIS aufgrund der niedrigen Verletzungszahlen noch entschieden, künftig von solchen Erhebungen abzusehen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 12.01.15 22:20 Uhr