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Schweizer Freeski-Märchen Höfflin: «Das ist eine unglaubliche Geschichte»

Die Genferin kann ihren Gold-Coup kaum fassen. Genau wie Mathilde Gremaud hat auch sie einen steilen Aufstieg hinter sich.

Legende: Video Höfflin: «Eine geniale Erfahrung» abspielen. Laufzeit 3:04 Minuten.
Aus PyeongChang 2018 vom 17.02.2018.

Einen Schweizer Doppelsieg an Olympischen Spielen hat es letztmals 2006 gegeben. Damals sorgten die Gebrüder Schoch im Parallel-Riesenslalom der Snowboarder für doppeltes Edelmetall.

Im Vergleich zu den beiden Zürchern hatte man Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud im Slopestyle-Final nicht unbedingt auf dem Radar. Einer breiten Öffentlichkeit waren die beiden Westschweizerinnen vor ihrem Coup jedenfalls kaum bekannt. Zu unrecht. Beide haben einen steilen Aufstieg hinter sich.

Die talentierte Spätzünderin

Höfflin entdeckte die Liebe zum Skifahren verhältnismässig spät. Und hätte sie im Alter von knapp 20 Jahren die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium bestanden, wäre sie wahrscheinlich nie Olympia-Siegerin geworden. So aber kam es, dass die Neurowissenschafterin unter anderem in einer Skihalle in Manchester ihre ersten Tricks in den Schnee zauberte.

Nicht einmal eineinhalb Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt krönte die Genferin ihren Aufstieg mit Olympiagold.

Zusammen mit Mathilde auf dem Podest zu stehen, macht alles noch viel spezieller.
Autor: Sarah Höfflin

«Ich realisiere das gar nicht. Es ist ein Traum, der Realität wird», sagte Höfflin, die angesichts dessen, was sie soeben erreicht hatte, erstaunlich ruhig wirkte. «Gestern war ich etwas gestresst. Mein grosses Ziel war die Finalqualifikation», so die amtierende Schweizer Meisterin im Slopestyle und Big Air. Und als sie dieses Ziel erreicht habe, «wollte ich einfach Spass haben», sagte sie.

Dass sie jetzt zusammen mit Teamkollegin Gremaud auf dem Podest stehe, mache alles noch viel schöner. Gleichzeitig dachte Höfflin im Moment ihres grossen Triumphs aber auch an Giulia Tanno, die sich kurz vor Olympia verletzt hatte. «Sie hat ein so grosses Potenzial, sie hätte hier ebenfalls auf dem Podest landen können. Du fehlst hier», richtete sie tröstende Worte an ihre Teamkollegin zuhause.

Gremaud ohne Druck, aber mit Kopfschmerzen

Apropos Verletzung. Der Weg von Silbergewinnern Gremaud, die am Eröffnungstag der Spiele 18 Jahre alt geworden war, ist nicht minder beeindruckend als derjenige der frischgebackenen Olympiasiegerin. Als 16-Jährige hatte sie im März 2016 ihr Weltcup-Debüt gefeiert. Ein Jahr später, nachdem sie bereits erste Erfolge gefeiert hatte, riss sie sich bei Filmaufnahmen das Kreuzband.

Ich hatte keinen Druck, ich musste ja niemandem etwas beweisen.
Autor: Mathilde Gremaud

Olympia war für Gremaud der erste Wettkampf seit dieser Verletzung vor 11 Monaten. Und beinahe wäre es dazu nicht gekommen. Am Tag zuvor war sie im Training auf den Kopf gestürzt, ihr Start hing an einem seidenen Faden. Erst am Samstagmorgen hatte sie trotz leichten Kopfschmerzen grünes Licht bekommen.

«Ich hatte keinen Druck, ich musste ja niemandem etwas beweisen», sagte Gremaud. Ihre Trainer hätten ihr gesagt, an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben. «An diesen Ratschlag habe ich mich dann einfach gehalten», lachte sie.

Legende: Video Gremaud: «Es ist magisch» abspielen. Laufzeit 2:01 Minuten.
Aus PyeongChang 2018 vom 17.02.2018.

Sendebezug: Laufende Olympia-Berichterstattung

12 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Kornfeind (Tschiggislav)
    Merci les filles, merci beaucoup ! C'est fantastique !
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  • Kommentar von Lars Graf (Lars)
    Darum Ja zur SRG und nein zur NO Billag!!!
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  • Kommentar von Walter Haller (wh)
    Die beiden Sportlerinnen erscheinen sehr cool und abgeklärt in ihrem Erfolg. Sie heben sich wohltuend ab von einigen Teilnehmerinnen im Alpinteam die ständig unter Strom sind/scheinen - hoch emotional ans Werk gehen und dabei offensichtlich den Fokus verlieren. Etwas mehr Gelassenheit kann sich die eine oder andere vielleicht bei diesen beiden «geerdeten» Frauen abschauen.
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    1. Antwort von Martin Gebauer (Gebi)
      Das mag auch mit der Freeskiszene als solches zu tun haben. Während es bei den Alpinen halt immer "nur" um den schnellsten Weg zwischen roten und blauen Toren geht, sind die Freeskier/innen weitaus kreativer und entspannter. Viele Nachwuchsfahrer, die den oft monotonen Stangentrainings überdrüssig sind, werden wohl früher oder später zu den Freeskiern wechseln.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nun, diese Sportart noch relativ "jung" ist, diese Athletinnen viel weniger im Fokus der Medien stehen, können sie ihre "Rennen" auch viel gelassener angehen. Ski-Alpin Rennen aber schon seit vielen Jahrzehnten ein "Markenzeichen" für die Schweiz ist, ist halt die Erwartungshaltung an diese Athletinnen viel höher & damit steigt auch der Druck auf sie. Aber gut, werden wir durch sie immer wieder daran erinnert, dass sie halt auch nur Menschen & keine Roboter sind.
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