Luca Aerni und der goldene Trainerentscheid

Luca Aerni ist wie Marcel Hirscher vor zwei Jahren von Rang 30 zu Gold in der WM-Kombination gefahren. Dabei hatte der 23-jährige Berner seinen Startplatz bis am Sonntagabend nicht auf sicher gehabt.

Ein völlig überwältigter Luca Aerni.

Bildlegende: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte Ein völlig überwältigter Luca Aerni. Keystone

  • Aerni macht es wie Hirscher vor zwei Jahren und ist im Hundertstelglück
  • Der Berner hatte bis vor weniger als 24 Stunden um seinen Startplatz gezittert
  • Der 23-Jährige ist der 6. Schweizer Weltmeister in dieser Disziplin

Es waren gefühlsmässig die längsten 45 Minuten in Luca Aernis Leben – und am Ende die glücklichsten. Eine Dreiviertelstunde musste der 30. nach der Kombi-Abfahrt warten, ehe feststand, dass ihm keiner mehr WM-Gold wegnehmen kann – und das in seiner erst zweiten Kombination.

Nachdem Halbzeit-Leader Romed Baumann klar zurückgefallen war, brodelte das Stadion in St. Moritz – und bei Aerni kullerten Freudentränen über die Wangen. «Das ist unglaublich, ich kann das nicht verstehen, wirklich nicht», sagte er.

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Der 23-jährige Berner, der einen Grossteil seiner Jugend im Wallis verbracht hatte, trat sensationell in die Fussstapfen von Marcel Hirscher. Der Österreicher hatte 2015 an der WM in Vail/Beaver Creek ebenfalls als 30. bei Halbzeit Kombi-Gold geholt. Nun liess Aerni den grossen Hirscher um den Wimpernschlag einer Hundertstelsekunde hinter sich.

10 Jahre nach Daniel Albrecht

Damit holte Aerni als 6. Schweizer insgesamt Kombi-Gold – und dies 10 Jahre nachdem Daniel Albrecht in Are als letzter Schweizer Weltmeister in dieser Disziplin geworden war. Dabei hatte der Berner Slalomspezialist seinen Platz im Schweizer Team erst am Sonntagabend erhalten: Teamintern erhielt er den Vorzug gegenüber Wengen-Sensationssieger Niels Hintermann. Dieser Trainerentscheid erwies sich im wahrsten Sinn des Wortes als goldrichtig.

Mühselige Umstellung der Fahrweise

Der sympathische, ruhige Aerni galt schon lange als grosses Talent. Doch sein grösstes Defizit ist die Konstanz. Im letzten Winter standen 4 Resultate 5 Ausfällen gegenüber. In dieser Saison brachte er seine Läufe viermal ins Ziel, schied aber ebenso oft aus.

Deshalb hatte er im Sommer angefangen, seine Fahrweise umzustellen und runder zu fahren. Im Weltcup hat sich dies noch nicht ausbezahlt. Doch an der Heim-WM ging sein Plan mit überlegener Laufbestzeit im Slalom – nur Hirscher hielt den Rückstand unter einer Sekunde – vollends auf.

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Gold-Krimi: So schlug Aerni Top-Favorit Hirscher um 1 Hundertstel

1:31 min, vom 13.2.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 13.2.2017, 09:00 Uhr