«Anything is Pospisil» - auch gegen Murray?

Er ist der wohl am wenigsten bekannte Viertelfinalist: Vasek Pospisil (ATP 56). Dabei weiss der Kanadier im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten, was es bedeutet, in Wimbledon zu triumphieren.

Vasek Pospisil.

Bildlegende: Konnte sein Glück kaum fassen Vasek Pospisil. Keystone

Rückblende: Wimbledon, Samstag, 5. Juli 2014. Vasek Pospisil springt am Netz nervös vom einen Bein aufs andere. Sein Doppelpartner Jack Sock macht sich an der Grundlinie für den Return bereit. Das kanadisch-amerikanische Duo hat im Doppel-Final nach über drei Stunden Spielzeit «Championship Point». Auf der anderen Seite des Netzes: Die Bryan-Zwillinge. Sock umläuft seine Rückhand, hämmert seine Vorhand longline ins Feld und macht damit den Wimbledon-Triumph der beiden Aussenseiter perfekt.

«Pospisock» - sie sorgen seither für mächtig Furore auf der Doppel-Tour. Drei weitere Titel haben sie mittlerweile gewonnen und sind hinter den Bryans zum zwischenzeitlich zweiterfolgreichsten Duo aufgestiegen.

«  Vasek zeigt, dass ich kein verrückter Träumer war.  »

Vater Milos Pospisil

Nun scheint es, als ob Pospisil (endlich) auch der Durchbruch im Einzel gelingt. Erwartet wurde dieser vom mittlerweile 25-Jährigen schon viel früher. Pospisil war zwar kein überragender Junior, Vater Milos war aber immer vom Können seines Sohnes überzeugt. Mit einem Van fuhren die beiden zu Turnieren, assen bei McDonalds und übernachteten in günstigen Hotels. «Vasek hat sich nie beklagt, er hat immer sehr geschätzt, was wir für ihn getan haben. Jetzt beweist er, dass ich kein verrückter Träumer war und er wirklich Talent hat», sagte Milos Pospisil im vergangenen Jahr in The Globe and Mail.

Video «Tennis: Wimbledon, Achtelfinal Pospisil - Troicki, Matchball» abspielen

Pospisils Freude nach dem Viertelfinal-Einzug

0:29 min, vom 7.7.2015

Im Schatten von Raonic und Bouchard

Mit einem guten Aufschlag, satten Grundschlägen und einem gefühlvollen Volley ausgestattet, hat Pospisil immer wieder bewiesen, dass er es mit den Besten aufnehmen kann. So forderte er Roger Federer 2011 in Montreal bei seinem ersten Match auf der Tour überhaupt und brachte den Baselbieter bei den folgenden zwei Begegnungen jeweils an den Rand einer Niederlage. Im Januar 2014 erreichte er mit Platz 25 die bisher beste Klassierung seiner Karriere.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber und eine Rückenverletzung warfen den Mann aus Vancouver in den vergangenen Jahren aber immer wieder zurück. Nun hat er sich für einmal aus dem Schatten seiner erfolgreichen Landsleute Milos Raonic und Eugenie Bouchard befreien können - musste dafür aber äusserst hart arbeiten.

«  Ich habe auf dem Centre Court erst eine Erfahrung gemacht - aber eine sehr gute.  »

Vasek Pospisil

Im Achtelfinal machte der leidenschaftliche Gitarrenspieler gegen Viktor Troicki einen 0:2-Satzrückstand wett und stand anschliessend auch im Doppel über fünf Sätze im Einsatz - insgesamt verbrachte er sechs Stunden auf dem Platz. Kein Wunder, war er an der anschliessenden Pressekonferenz ziemlich erschöpft.

«Anything is Pospisil»

Als er dann aber auf den Viertelfinal gegen Lokalmatador Andy Murray angesprochen wurde, leuchteten Pospisils Augen wieder. Ganz getreu seinem Motto «Anything is Pospisil» rechnet er sich auch dort Chancen aus. Für ihn ist es die erste Rückkehr auf den Centre Court seit dem Triumph im Doppel. «Ich hatte bislang zwar erst eine Erfahrung dort - aber es war eine sehr gute», grinste er.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 6.7.15, 14:00 Uhr