Bacsinszky: «Erlebe gerade die beste Zeit meines Lebens»

Nach diversen Verletzungen und Motivationsproblemen stand Timea Bacsinszky 2013 kurz vor dem Rücktritt. Mittlerweile ist sie zurück in der erweiterten Weltspitze und sagt: «Ich erlebe gerade die beste Zeit meines Lebens.»

Timea Bacsinszky posiert für ein Fotoshooting in Lausanne mit Tennisschläger.

Bildlegende: Fühlt sich gut Timea Bacsinszky hat nach diversen Rückschlägen den Tritt wieder gefunden. Keystone

Im Interview spricht die 25-jährige Lausannerin am Tag vor ihrem Erstrunden-Match bei den Australian Open gegen Jelena Jankovic über ihre jüngsten Erfolge, ihre Ziele und WhatsApp-Nachrichten.

Timea Bacsinszky, Sie sind erstmals seit 2011 wieder in Melbourne. Welche Erinnerungen haben Sie an Australien?

Timea Bacsinszky: Ich habe sehr schöne Erinnerungen. Als Juniorin habe ich hier zweimal die Halbfinals erreicht. Es war in meiner Jugendzeit die mit Abstand längste Reise, ein richtiges Abenteuer. Im Hauptfeld habe ich in der Vergangenheit leider nicht oft mein bestes Tennis gezeigt, umso mehr freue ich mich deshalb auf mein erstes Spiel.

Sie treffen mit Jelena Jankovic auf die Nummer 15 der Welt…

Es ist schon speziell: Ich bin seit 10 oder 11 Jahren auf der Tour, Jankovic noch länger. Dennoch haben wir noch nie gegeneinander gespielt oder miteinander trainiert. Ich habe soeben die Taktik mit meinem Coach Dimitri Zavialoff besprochen und hoffe, dass diese morgen aufgehen wird.

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Bacsinszky im Final von Shenzen

1:15 min, aus sportaktuell vom 10.1.2015

Ihre Form stimmt, Sie haben gleich beim ersten Turnier der Saison in Shenzen den Final erreicht. Viel besser hätte Ihr Jahr nicht starten können…

Das stimmt. Dass ich gleich im Final stehen würde, hätte ich nicht erwartet. Ich habe mich vor allem darüber gefreut, dass mein Niveau bereits so gut war. Obwohl es im Final gegen Simona Halep leider nicht zum Sieg reichte, bin ich sehr zufrieden, wie konstant und fokussiert ich in allen 5 Matches war.

Haben Sie viele Rückmeldungen aus der Heimat erhalten?

Ja, es kamen einige SMS und WhatsApp-Nachrichten. Die Reaktionen waren überwältigend. Es war schön zu sehen, dass sich die Leute wieder mehr dafür interessieren, wie es mir so läuft.

Über welche Nachricht haben Sie sich am meisten gefreut?

Nun, normalerweise sind das natürlich diejenigen meines Freundes (schmunzelt). Diesmal war er aber dabei, was das Ganze noch spezieller gemacht hat. Gratuliert haben mir unter anderem Swiss Tennis-Präsident René Stammbach und Heinz Günthardt – darüber habe ich mich sehr gefreut.

Sie haben mit Maria Sharapova und Petra Kvitova jüngst zwei Top-5-Spielerinnen geschlagen. Merken Sie, dass die Konkurrentinnen sie anders wahrnehmen?

Ja, das hat sich im vergangenen Jahr langsam entwickelt. Bei den French Open ist es mir bewusst geworden, als ich, wie alle anderen Spielerinnen im Hauptfeld, in der Garderobe unterhalb des Court Philippe Chatrier war. Der Augenkontakt ist ein anderer geworden. Aber ich mache mir nicht allzu viele Gedanken darüber. Ich versuche ohnehin, nicht zu viel Zeit in der Players Lounge und mit anderen Spielerinnen zu verbringen.

Dass Sie bereits wieder in den Top 40 stehen, ist nicht selbstverständlich. Noch vor einem Jahr waren Sie in der Weltrangliste um Position 300 klassiert. Hätten Sie einen derartigen Durchmarsch erwartet?

Nein, das habe ich nicht. Dass es so gut läuft, hat vor allem mit meiner Einstellung und meinem «Commitment» zu tun. Ich bin bereit, jeden Tag hart zu arbeiten und mein Bestes zu geben. Wir haben mit Roger und Stan in der Schweiz zwei perfekte Vorbilder, die genau mit dieser Einstellung ans Werk gehen. Mein Coach, der meiner Meinung nach zu den Besten seines Fachs gehört, hat mir sehr dabei geholfen.

Sie sind bereits seit 10 Jahren auf der Tour. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an all die Jahre zurückdenken?

Ich weiss noch, wie ich als 14-jähriges Mädchen mein erstes Match bei den Zurich Open gegen die Nummer 43 der Welt spielte und in drei Sätzen gewann. Das ist schon so lange her. Meine Karriere war seither geprägt von «Ups and Downs». Der Weg seit meinem Comeback war lang, aber auch sehr schön. Ich habe auch die Hilfe einer Psychologin in Anspruch genommen, die mich sehr unterstützt hat. Ich habe viel gelernt, nicht nur übers Tennis, auch über mich. Ich habe das perfekte Team gefunden und bin in einer Beziehung, die mir viel Stabilität gibt. Heute kann ich offen und ehrlich sagen: Ich erlebe gerade die beste Zeit meines Lebens. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

Sendebezug: Radio SRF 1, Mittagsbulletin, 17.1.15, 12:40 Uhr.

Der Erfolgscoach

Dimitri Zavialoff

EQ Images

Dimitri Zavialoff ist seit 2013 der Coach von Timea Bacsinszky. Der 37-jährige Franzose mit Wohnsitz in Lausanne trainierte bis 2010 Stan Wawrinka und führte den Romand an die Weltspitze.