Wawrinka: «Es war mein bestes Spiel»

Eine Standing Ovation des Publikums und der tiefe Respekt von Novak Djokovic sind tröstender aber zu geringer Lohn für die Leistung von Stanislas Wawrinka.

Die Zahlen hören sich unglaublich an: 409 Punkte wurden im Achtelfinal zwischen Stanislas Wawrinka und Novak Djokovic ausgespielt. Über 5 Stunden dauerte das Spiel. Der Schweizer schlug dabei 16 Asse, 69 Winner und realisierte 7 Breaks.

Gegen vermutlich jeden Tennis-Spieler auf der Welt hätte diese Leistung zum Sieg gereicht - nur nicht gegen Djokovic und dessen Nervenstärke in entscheidenden Momenten. Und so verliess Wawrinka unter dem Applaus des Publikums und seines Gegners die Rod Laver Arena als Verlierer mit Tränen in den Augen. Auf Twitter schrieb der Romand: «Das tut weh, sehr weh...»

«Unglaubliches Spiel, unglaubliche Emotionen»

Wawrinka brauchte nach dem Spiel nicht lange, um seine Vorstellung einschätzen zu können: «Vor allem von der mentalen Seite her war es mein bestes Spiel. Wie ich gekämpft habe, ruhig geblieben bin, mir Chancen erarbeitet habe», hob der 27-Jährige das Positive hervor. «Ich spielte mein bestes Tennis. Leider stand die Weltnummer 1 gegenüber - und die war am Ende ein wenig besser», so Wawrinka.

Immer wieder fallen beim Lausanner dieselben Worte: «Verrückt» sei das Spiel gewesen, «unglaublich» die Emotionen auf dem Platz. Er werde viel mitnehmen, versprach Wawrinka.

Djokovic: «Eines der aufregendsten Spiele meiner Karriere»

Auch Djokovic geizte nicht mit Superlativen: «Es war mit Sicherheit eines der interessantesten und aufregendsten Spiele meiner bisherigen Karriere.» Der Serbe gab sich im Erfolg als fairer Sportsmann: «Stan hatte den besseren Start, viele Breakbälle. Er war der aggressivere Spieler», lobte er Wawrinka. «Ich muss ihm grössten Respekt zollen. Es tut mir leid, dass jemand verlieren musste, denn er hätte den Sieg ebenso verdient.»

Der Respekt vor dem mehrfachen Grand-Slam-Sieger

SRF-Tennis-Experte Heinz Günthardt war von Wawrinkas Leistung beeindruckt: «Ich habe ihn noch nie so gut spielen sehen wie in den ersten beiden Sätzen.» Dass es letztlich doch nicht ganz reichte, erklärte er mit dem Renommee von Djokovic: «Er [Wawrinka] scheiterte vielleicht auch am Namen. Er sieht nicht nur den Ball, sondern auch den Gegner, jemanden der viele Grand-Slam-Titel erobert hat. Das kann man meistens nicht einfach so wegstecken.»

Wichtig sei jetzt, dass Wawrinka gleich wieder zum Siegen zurückfinde, «denn ein solcher Match kann prägen». Gelegenheit dazu bekommt die Weltnummer 17 im Daviscup Anfang Februar gegen Titelverteidiger Tschechien.