Besorgte Forscher: Bessere Babys durch neue Gentech-Methode?

Präzise und einfach ist die neue Gentechnik-Methode CRISPR-Cas. Dank ihr soll die Gentherapie Realität werden, hoffen Wissenschaftler. Doch gleichzeitig wächst die Besorgnis, die neue Methode könnte missbraucht werden. Denn gentechnisch veränderte Babys damit herzustellen, wäre ein Leichtes.

Grafik: Baby

Bildlegende: Gentherapie soll Krankheiten direkt im Erbgut heilen, aber auch Embryos könnten so genetisch verändert werden. Imago

Mit der Gentherapie sollen Krankheiten direkt im Erbgut geheilt werden, statt mit Medikamenten. Eine neue Technik dafür verbreitet sich zurzeit rasend schnell in den Forschungslaboratorien weltweit. Der Grund: Das einzig komplizierte an der CRISPR-Cas-Technik ist ihr Name. «Jeder Forscher mit Kenntnissen in Molekularbiologie kann sie einsetzen», sagt Martin Jinek von der Universität Zürich.

Der Biochemiker hat CRISPR-Cas in einem kalifornischen Labor vor rund drei Jahren mitentwickelt. Die Technik sei nicht nur einfach, sondern auch enorm präzis – das Erbgut lasse sich damit punktgenau verändern.

Mit CRISPR-Cas können Forscher Gene nach Belieben ausschalten, neue Gene einfügen oder krank machende Varianten im Erbgut überschreiben. Die Methode beflügelt nun die alte Hoffnung, dereinst Krankheiten mittels Gentherapie zu heilen. Im Fokus sind Blutkrankheiten, weil sich Blutzellen am einfachsten und mit geringen Nebenwirkungen manipulieren lassen.

Gerüchte um genetisch veränderte Embryonen

Doch einige Forscher in den USA setzen CRISPR-Cas nicht nur an Blutzellen ein. Sie manipulieren das Erbgut von Eizellen. In China gehen Forscher – so die Gerüchte in Wissenschaftskreisen – gar noch einen Schritt weiter und schreiben das Erbgut von Embryonen um. Noch handelt es sich bei den gentechnischen Eingriffen in die menschliche Keimbahn um reine Laborforschung. Im Moment gibt es keine Hinweise, dass irgendjemand die Absicht hegt, gentechnisch veränderte Embryonen von einer Frau austragen zu lassen.

Trotzdem ist Martin Jine beunruhigt. Zusammen mit Kollegen hat der Forscher kürzlich im Fachblatt «Science» einen Aufruf lanciert. Niemand solle die Technik dazu einsetzen, das Erbgut nachfolgender Generationen zu verändern. Das Risiko, dass dabei etwas unwiederbringlich schief laufe, sei zu gross. «Wir verstehen das menschliche Genom noch immer nicht gut genug», sagt er.

«Keine reine Science Fiction mehr»

Das genetisch verbesserte Baby sei nicht mehr reine Science Fiction wie noch vor wenigen Jahren, warnt Effy Vayena vom Institut für biomedizinische Ethik der Universität Zürich. Eine öffentliche Debatte über die neuen Methoden der Gentechnik wie CRISPR sei daher dringend notwendig

«Bis jetzt versucht der Mensch Krankheiten von aussen in den Griff zu kriegen, etwa mit Medikamenten», sagt die Ethikerin. «Ob wir Krankheiten im Innersten unseres Körpers – im Erbgut nachfolgender Generationen – bekämpfen wollen und damit quasi unsere Evolution verändern, das müssen wir nun diskutieren.»

Sollte die Gen-Forschung so rasant voranschreiten, wie sie es im Moment tut, bleibt für solche Überlegungen jedoch nicht mehr allzu viel Zeit.

Gesündere Menschen erschaffen

In vielen Ländern – auch in der Schweiz – ist es im Moment verboten, Eizellen, Spermien und Embryonen genetisch zu verändern. Nicht aber in den USA. Auch wenn die dortige Forschung zurzeit reine Laborforschung ist, ist das Fernziel, eines Tages gesündere Menschen erschaffen zu wollen. Menschen etwa ohne Krebs- und Alzheimergene.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • CRISPR  CAS heisst die neue Technologie. Das genetisch verbesserte Baby ist nicht mehr Sience Fiction.

    Neue Gen-Technik: Der perfekte Mensch

    Aus Echo der Zeit vom 27.3.2015

    Mit der sogenannten Gentherapie will man Krankheiten direkt im Erbgut heilen statt mit Medikamenten. Dank einer neuen gen-technischen Methode kann man das Erbgut sehr präzise verändern. Gleichzeitig wächst die Besorgnis wegen Missbrauch.

    denn es wär ein Leichtes, damit gentechnisch veränderte Babies herzustellen.

    Odette Frey