Bühne frei für Wissenschaft mit Unterhaltungswert

Gibt es Gedankenübertragung? Werden wir einst in Raumschiffen überleben? Können Horoskope die Wahrheit sagen? Solche Fragen lassen sich auch im abendlichen Ausgang – auf Bühnen, in Bars – erleben und diskutieren. Und zwar mit Spiel und Spass, versichern Veranstalter und Wissenschaftler.

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Forschung als Show: Produzent Casutt im Interview (SRF)

2:28 min, vom 17.4.2014

Kommt Ihnen der folgende Moment bekannt vor? Sie denken an einen Menschen – in diesem Moment ruft er an. Sie lesen Ihr Horoskop und praktisch alles, was darin über Ihre Persönlichkeit steht, stimmt. Und haben Sie sich in solchen Momenten dann auch gefragt: Gibt es sie etwa doch, die Gedankenübertragung? Sind Horoskope doch kein Hokuspokus? Viele solcher Fragen begleiten uns – und längst nicht alle können wir beantworten.

«Einstein»-Moderatorin Kathrin Hönegger mit «Neuro Séance»-Akteur Yannik Schmuki und Neuropsychologe Peter Brugger.

Bildlegende: Forschung als Show: «Einstein»-Moderatorin Kathrin Hönegger mit «Neuro Séance»-Akteur Yannik Schmuki und Neuropsychologe Peter Brugger. SRF

Je näher, desto spannender

Wäre es nicht spannend, sich bei einem guten Glas direkt mit einem Wissenschaftler darüber auszutauschen? Oder auf einer Bühne an ausgeklügelten Experimenten teilzunehmen? Zum Beispiel abends im Ausgang oder beim Brunch am Sonntagmorgen? Das haben sich vor einigen Jahren Trendsetter in Metropolen wie New York gefragt und das so genannte «Scientainment» erfunden.

Nun versuchen Veranstalter, mit diesem Trend auch Schweizer Städte zu erobern. So lieferten sich im 35. Stock des Zürcher Prime Tower Filmwissenschaftler, Physiker und das Publikum Redeschlachten über futuristische Fragen, angeregt durch Videos aus Star Trek oder Thesen des Sicherheitsexperten Albert A. Stahel von der ETH Zürich. Und diese Woche läuft im «Club diskret» im Keller des Zürcher Schauspielhauses die Revue «Neuro Séance», wo Geisterwelt und Wissenschaft aufeinander prallen sollen.

Die Produktion, bei der mit Peter Brugger ein renommierter Neurowissenschaftler des Unispitals Zürich mitwirkt, wird weiter in Städten wie Bern und Basel gastieren. «Scientainment» scheint ein eher urbaner Trend zu sein – zumindest vorläufig, denn die Formen sind experimentell, wechseln von der Quiz-Show über Live-Experimente bis hin zum wissenschaftlichen Statement des Forschers.

Zwei Zuschauer aus dem Testpublikum im Zürcher Schauspielhaus lösen eine Aufgabe bei der Science-Show.

Bildlegende: Mitmachen: Bei der Probe im Zürcher Schauspielhaus bekommen zwei Zuschauer aus dem Publikum eine Aufgabe zu lösen. SRF

Das Publikum als Partner

Neu ist auch, dass das Publikum zum echten «Partner auf Augenhöhe innerhalb des Events» avancieren soll, wie die Schweizer Produzenten Gian-Andri Casutt und Michael Röthlisberger auf Anfrage von «Einstein» versichern.

«Es spielt und rätselt mit, eigene Erfahrungen sollen verteidigt werden, wer will, tritt gegen die Wissenschaftler an», bekräftigen die beiden. Ob sich aber für derart aktives und exponiertes Mitwirken auf die Dauer ein grösseres Publikum finden lässt, ist zurzeit noch offen.

Die Produzenten, von Haus aus Historiker und Molekular-Biologe, entwickeln und veranstalten die Wissenschafts-Events denn auch neben ihren eigentlichen Berufen. Je nach Projekt ziehen sie Partner hinzu, wie aktuell den Theaterregisseur Simon Helbling.

«Näher zu den Menschen», heisst es auf der Website ihrer Organisation «Anda Scientainment». In Zeiten des Fundraisings und privatwirtschaftlich finanzierter Professorenstühle ist dieser Imperativ wohl ernst gemeint.

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