Der Herr der historischen Holzlatten

Skis der letzten Kaiserin von Österreich, die ersten Latten aus einer Schweizer Ski-Fabrik und viele weitere Unikate hortet der Baupolier Daniel Müller zuhause in seinem Keller. Ein Teil seiner 200 Paar werden nun gar bei den olympischen Spielen in Sotschi ausgestellt.

Mit den kleinen Skis aus Daniel Müllers Sammlung wedelte seinerzeit Kaiserin Zita über die Hänge.

Bildlegende: Schnäppchen aus der Bodensee-Region: Mit den kleinen Skis (mit Papieranhänger) aus Daniel Müllers Sammlung wedelte seinerzeit Kaiserin Zita über die Hänge. SRF

Das Ski-Sammel-Virus packte Daniel Müller vor 16 Jahren. Damals nahm er erstmals an einem Nostalgie-Skitag in Arosa teil. Seither klappert der Hochbau-Polier regelmässig Brockenstuben, Flohmärkte und Privathaushalte ab, um seltene Exemplare von alten Holzskis zu finden. Von einem 90-jährigen Mann in Rorschach beispielsweise erwarb er ein Paar exquisiter historischer Latten. Damit fuhr Zita von Bourbon-Parma, die letzte Kaiserin von Österreich, während ihrer Zeit im Schweizer Exil in den 1920er-Jahren die Hänge herunter.

Auch ein Paar aus der ersten Schweizer Skifabrik des Glarners Melchior Jakober aus den 1890er-Jahren findet sich in Müllers Besitz. Als passionierter Sammler hat er viele Fakten dazu in Erfahrung gebracht. «Ein Paar dieser Holzskis kosteten damals 30 Franken», erzählt er, «als der Ski brach, wurde er fachmännisch mit Holznägeln für neun Franken repariert.»

Sammler Daniel Müller klappt den patentierten Klappski in seiner Sammlung auseinander.

Bildlegende: Sein Lieblingsstück: Die cleveren Klappskis gefallen dem Sammler besonders gut. SRF

Erste Skis vor 5000 Jahren

Im asiatischen und nordeuropäischen Raum wurden bereits vor 5000 Jahren erste Skis benutzt – damals allerdings noch nicht als Sportgerät, sondern als reines Fortbewegungsmittel bei der Jagd oder im Kampf. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Holzlatten zum Freizeitvergnügen eingesetzt.

In dieser Zeit, als der Ski als Sportgerät entdeckt wurde, setzt Müllers Sammlung an. In seinen Kellerräumen, in denen sich mittlerweile über 200 Paar stapeln, finden sich auch Kuriositäten. Zum Beispiel ein Klappski aus den 1940er-Jahren, der zusammengefaltet in jedem Rucksack Platz fand. Oder ein rund 100-jähriger Holzski, der nach einem Bruch mit einer Blech-Ummantelung geflickt wurde.

Ausstellung an olympischen Spielen

Dank Müllers guter Kontakte zum schweizerischen Olympischen Komitee werden nun gar 20 Paar aus seiner Sammlung an den olympischen Spielen in Sotschi ausgestellt. Das freut den 55-jährigen Ski-Nostalgiker natürlich über alle Massen: «Das ist für mich ein Highlight meiner Sammlertätigkeit!».

Natürlich reist Müller auch selbst an die olympischen Spiele, um alles aus nächster Nähe zu begutachten – und um weitere Kontakte zu knüpfen, stets auf der Suche nach weiteren historischen Unikaten.

Mit Nostalgie-Ausrüstung auf Piste

Doch der Sammler rückt seine alten Skis nicht nur zu Ausstellungs-Zwecken heraus. Bei ihm können auch ganze Ausrüstungen mitsamt passender historischer Bekleidung gemietet werden.

Wobei es allerdings gewisse Einschränkungen gibt bezüglich der Körpermasse, wie Müller eingestehen muss: «Da früher die Leute noch nicht so gross gewachsen waren wie heute, lassen sich kaum alte Skischuhe ab den Grössen 44 oder 45 aufwärts finden.»

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Hölzerne Raritäten

4:15 min, aus Schweiz aktuell vom 5.2.2014

Historisches zum Skisport

Als erster Skiläufer der Schweiz gilt Pfarrer Johann Josef Imseng aus Saas-Fee, ein Pionier des Fremdenverkehrs, der im Dezember 1849 die erste Abfahrt wagte. Der erste Schweizer Ski-Club wurde 1893 in Glarus gegründet. Die Skis, hergestellt von Melchior Jakober, kosteten 30 Franken. Und der erste Skilift der Welt ging 1934 in Davos in Betrieb.

Event zum Thema

Eine Chance für einen Ausflug im passenden Rahmen bietet der Nostalgie-Skitag in Arosa am 1. März.