Die Kinder von Fukushima

Erst das Beben der Stärke 9, danach der verheerende Tsunami und schliesslich die Atomkatastrophe. Auch zwei Jahre nach dem Unglück in Fukushima ist die Katastrophe noch nicht vorbei. Vor allem für Kinder, die in der verstrahlten Region aufwachsen, sind die Folgen nicht abzuschätzen.

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«Die Mütter von Fukushima» (Ausschnitt)

0:58 min, vom 10.3.2013

Bei Untersuchungen an mehr als 38‘000 Kindern aus der Präfektur Fukushima wurden bei 35 Prozent der Kinder Knoten oder Zysten an der Schilddrüse festgestellt. Die Gesundheitsbehörde erklärte die meisten Fälle jedoch für unbedenklich. Zudem bestreiten die Verantwortlichen, dass die Schilddrüsen-Veränderungen eine Folge der Katastrophe sein könnten. Es sei zu früh, um solche Schlüsse zu ziehen.

Fehlerhafte Mess-Stationen

Das Misstrauen der Eltern gegenüber den Verlautbarungen der Regierung und der Präfektur sitzt tief. Zuletzt musste die Regierung einräumen, dass die staatlichen Strahlen-Mess-Stationen systematisch zu tiefe Werte anzeigen. Dies vor allem, weil die Geräte auf dekontaminierten Boden installiert wurden. Nur wenige Meter entfernt sind die Werte laut Greenpeace bis zu sechs Mal höher als an der Mess-Station selbst.

Kinder werden immer dicker

Auch wenn der erste Strand – 65 Kilometer entfernt vom Atomkraftwerk – vor einem halben Jahr wieder zum Baden freigegeben wurde: Die Kinder von Fukushima dürfen sich nur wenig frei in der Natur bewegen. Sie sind dazu verdammt, meist drinnen zu leben. Dies wirkt sich nach knapp zwei Jahren bereits auf den Körperbau der Kinder aus. Sie werden immer dicker. Dies zeigt ein Bericht des japanischen Erziehungsministeriums.

Für die Untersuchung wurden landesweit Grösse und Gewicht von 700'000 Kindern im Alter zwischen fünf und 17 Jahren verglichen. In sieben der 13 Altersgruppen wies Fukushima in diesem Jahr die höchste Zahl an fettleibigen Kindern auf – im Jahr vor der Atomkatastrophe im März 2011 hatte die Präfektur nur bei den Zehntklässlern an der Spitze gelegen.

Sorgen und Ängste für Familien

Die Familien von Fukushima leben kein normales Leben mehr. Sie wissen nicht, welche Auswirkungen die radioaktive Strahlung auf ihre Kinder hat, die Sorgen und Ängste nehmen kein Ende. «Horizonte» zeigt in der Reportage «Die Mütter von Fukushima», wie die Frauen sich zusammenschliessen und versuchen, ihre Kinder vor der Strahlung zu schützen.

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