Ein Haus für umweltkranke Menschen

In Zürich entsteht das erste Haus für Betroffene von Multiple Chemical Sensitivity (MCS): Menschen, die überempfindlich auf Parfümduft, Rauch oder Chemikalien reagieren – mit teils schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

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Haus für Umweltkranke

5:40 min, aus Schweiz aktuell vom 5.2.2013

Hoch über der Stadt am Waldrand liegt die Baustelle des Hauses, auf das MCS-Betroffene lange gewartet haben. 15 Wohnungen entstehen hier; eine davon wird Christian Schifferle beziehen. Der 58-Jährige leidet seit seiner Kindheit an MCS, seit Jahrzehnten sucht er einen Ort, an dem er ohne Beschwerden leben kann. «Es ist schön zu sehen, dass hier in Zürich jetzt ein Traum für mich in Erfüllung geht!», sagt er.

Architekt Andreas Zimmermann hat mit seinem Büro den Wettbewerb für das MCS-Haus gewonnen. Am Anfang habe er keine Ahnung von MCS gehabt, sein Büro kenne sich aber gut mit Materialien aus: «Wir haben gemerkt, dass viele Baustoffe mit Chemikalien sozusagen gedopt werden, damit schneller und von weniger qualifiziertem Personal gebaut werden kann.» Solche Stoffe sind für Christian Schifferle und viele seiner Leidensgenossen unverträglich.

Aufwändiger Bauprozess

15 Wohnungen können im Haus für MCS-Betroffene in Zürich bezogen werden.

Bildlegende: Beste Aussicht: 15 Wohnungen können im Haus für MCS-Betroffene bezogen werden. Andreas Zimmermann Architekten AG

Damit Betroffene ohne Probleme wohnen können, steigen die Baukosten. «Die Materialauswahl und der besondere Bauprozess gestalten das MCS-gerechte Bauen aufwändiger als bei herkömmlichen Häusern», sagt Zimmermann. Die Baufirma könne den Beton nicht fertig kaufen, sondern die Arbeiter müssten ihn selber mischen: «Im normalen Beton hat es Frostschutzmittel drin; den dürfen wir deshalb nicht verwenden». Das bedeutet auch: Baustopp, wenn die Temperaturen unter Null fallen.

Von aussen sieht das MCS-Haus aus wie viele andere, doch die Grundrisse unterscheiden sich. «Wir mussten das MCS-gerechte Wohnen praktisch zuerst erfinden», sagt der Architekt. Die Wohnung wird über eine Art Eingangsschleuse betreten, wo sich auch die Waschmaschine befindet,  damit die Bewohner ihre belasteten Kleider gleich reinigen können. Daneben befinden sich ein Umkleideraum und das Badezimmer – erst nach diesen Stationen wird der Wohnraum betreten.

Abschied vom Wohnwagen

Noch lebt Andreas Schifferle die meiste Zeit in seinem Wohnwagen auf einem Campingplatz. Auch wenn Architekten und Bauarbeiter an alles denken: Er weiss, dass das Wohnprojekt nur gelingen kann, wenn sich alle Bewohner des Hauses an strenge Regeln halten: kein Parfüm und Waschmittel im Haus benützen, nicht rauchen, W-LAN ist verboten und Handys müssen abgeschaltet sein.

Ein Holzmodell zeigt die Wohnungen für MCS-Betroffene in dem neuen Gebäude in Zürich.

Bildlegende: Vier Mieter pro Stockwerk: Blick in das Modell des Gebäudes für MCS-Betroffene. Andreas Zimmermann Architekten AG

Finanziert wird das MCS-Haus unter anderem durch Genossenschaften und die Stadt Zürich. Die Behörden wollen die gewonnenen Erkenntnisse für weitere Wohnbauten nutzen. Und dank der Wohnbauförderung sollen die Mieten für die MCS-Kranken bezahlbar sein. Wenn alles nach Plan läuft, kann Christian Schifferle im Herbst in seine erste richtige Wohnung einziehen.