Elite-Studium für alle – ohne Gebühren

Ein Studium an einer Topuniversität – das bleibt für viele Bildungshungrige gerade in ärmeren Ländern ein Traum. Nun soll dieser Traum in Erfüllung gehen. Dank einer Online-Offensive amerikanischer Spitzenhochschulen.

Zwei Frauen sitzen an einem Schreibtisch vor ihren Laptops.

Bildlegende: Online-Lernen für alle – egal aus welchem Land: das bieten internationale Spitzenuniversitäten auf Plattformen wie EdX oder Coursea an. EdX

«Massive open online courses» heisst das Zauberwort: Gratis Online-Kurse von Spitzenuniversitäten. Am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos wurde kräftig dafür lobbyiert.

Letztes Jahr sei der Durchbruch gelungen: Universität und Bildung würden nie mehr sein wie früher. Das verkündete am WEF Anant Agarwal, bis vor Kurzem ein hochdekorierter Computerprofessor an der US-Elitehochschule MIT. Letztes Jahr hat er seinen Professorenjob an den Nagel gehängt und widmet sich nun vollständig der Kursplattform EdX.

EdX ist eine interaktive Plattform, auf der etwa Videovorlesungen eines Physikprofessors zu sehen sind, bei denen die Studierenden direkt online Fragen beantworten und so testen können, ob sie verstanden haben, was der Professor erklärt hat. Auch Online-Übungen werden angeboten. Wer fristgerecht die Hausaufgaben erledigt, die regelmässigen Tests und am Schluss das Examen übersteht, bekommt ein Online-Kurs-Zertifikat.

Die Motivation: Bildung für alle

Die Initiative hatte das MIT zusammen mit der Harvard-Universität ergriffen. Im letzten Herbst starteten die ersten interaktiven Lehrgänge. Bis heute sind bereits 600'000 Studierende aus 192 Ländern eingeschrieben.

Am Weltwirtschaftsforum in Davos, an dem dieses Jahr 65 Universitäten aus aller Welt vertreten sind, weibelt Agarwal für EdX. Immer und überall, sei es im Kongresszentrum oder an einer Davoser Bar, sieht man ihn im eindringlichen Gespräch mit Präsidenten von Hochschulen. Die Online-Plattform soll ausgebaut werden und Agarwal sucht zusätzliche Partneruniversitäten für die Idee der Massive Open Online Courses.

Sein Argument für die Ausweitung der Initiative: Jeder und jede, ungeachtet von Herkunft, Einkommen oder Religion, habe Anrecht auf Bildung. Und deshalb sei das ein Schritt zur Demokratisierung der Bildung.

Die ETH Lausanne ist auch dabei

Die Online-Kurs-Plattform von Agarwal ist nicht die einzige. Auch die kalifornische Elite-Hochschule Stanford hat begonnen, ein solches Angebot aufzubauen, namens Coursera. Auch Vertreter dieser Plattform suchen in Davos weitere Interessenten. Einen hatten sie schon vorher gefunden: die ETH Lausanne.

Dort wurde bereits im Herbst letzten Jahres der erste Kurs angeboten, weitere folgten. Die Erfahrungen seien umwerfend gewesen, sagt ETHL-Präsident Patrick Aebischer. 50'000 Personen hätten sich eingeschrieben, 10'000 hätten am Schluss die Prüfung gemacht. Dank der IP-Adressen der zugeschalteten Computer wisse man, dass sogar Studierende in Afrika dabei sind, die sonst keine Chancen auf eine solche Ausbildung hätten.

Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, ist in Davos ebenfalls ins Visier der amerikanischen Lobbyisten geraten. Doch ihm schwebt vor, mit europäischen Partnerhochschulen den amerikanischen Initiativen etwas entgegenzusetzen. Anant Agarwal hat also noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

Anant Agarwal

Anant Agarwal

Wikipedia

Der Professor für Informatik sagt von sich selbst, er sei in einem kleinen indischen Dorf aufgewachsen, wo die Ausbildung so schlecht gewesen sei, dass sein erster Abschluss in IT ungenügend war. Das wolle er für Studenten in ärmeren Ländern mit seinen frei zugängliche Online-Kursen ändern.

Links zu den Online-Plattforman

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