Polenta aus dem Fitnessstudio

Es ist ein etwas anderes Fitnessstudio. In einem Industriegebiet in Bern testet der Elektroingenieur Thomas Wieland vier Fitnessgeräte, auf denen die Sportler mit ihrer Muskelkraft Mais zu Polenta und Raps zu Öl verarbeiten. Die Hoffnung: dass seine Idee irgendwann um sich greift.

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Nahrungsmittel aus Muskelkraft

3:55 min, aus Schweiz aktuell vom 24.2.2014

Die Fitnessgeräte rattern und knarren etwas lauter als in einem herkömmlichen Fitnessstudio; «die Maschinen sind noch Prototypen», sagt Thomas Wieland. Zusammen mit einem befreundeten Maschineningenieur hat der 40-Jährige seine Vision umgesetzt: die Muskelkraft von Sporttreibenden in Fitnesscentern für die Energiegewinnung zu nutzen.

Naturkontakt auf dem Crosstrainer

Noch bis Ende März läuft die Testphase in Bern. Und die Sportlerinnen und Sportler, die sich an Wielands Fitnessgeräte setzen, sind durchaus tüchtig: Zwischen fünf und zehn Kilo Polenta raspeln sie pro Stunde, je nach Muskelkraft. Dem Erfinder geht es aber nicht in erster Linie um die Produktionsmenge, er will wieder einen Bezug zu unseren Lebensmitteln schaffen. «Es geht mir darum, das wir wieder ein wenig Bezug zu den Produkten bekommen, die wir tagtäglich kaufen», sagt der gelernte Elektroingenieur im Interview mit «Schweiz aktuell». Sein Fitnessstudio sei ein kleines Beispiel, wie der Kontakt zwischen Mensch, Pflanzen, Energie und Natur wieder hergestellt werden kann.

Die Ölpresse mit einem Eimer, in dem das Rapsöl aufgefangen wird.

Bildlegende: Raps zu Öl: An die Trainingsmaschinen ist eine Ölpresse angeschlossen. SRF

Viel Herzblut, wenig Geld

Im Projekt «Gemüseesel» steckt vor allem viel Herzblut, Geld ist weniger vorhanden. Die Geräte, die momentan im alternativen Fitnesszentrum stehen – oder in der «Produktionshalle», wie es Thomas Wieland es nennt – kommen aus der Brockenstube. In der Entwicklung der Maschinen, die den Mais oder den Raps verarbeitet, stecken gut 200 Stunden Arbeit.

Wieland besitzt einen Master in Umweltmanagement und arbeitet 60 Prozent im Berner Inselspital, um seine verschiedenen Ideen und Projekte voranzutreiben. Reich werden muss er nicht mit seiner Idee: «Ich habe sie auch nicht erfunden», sagt er, «die Komponenten waren alle schon da. Ich habe einfach nach einem System gesucht, dass sie verbindet». Jetzt hofft er darauf, dass ein Fitnessstudio oder ein anderer Anbieter von seiner Idee so überzeugt ist wie er selbst, und das Projekt weitertreibt.