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Geige spielen auf der Slackline - Eine Höchstleistung von Körper und Geist
Aus Wissen Webvideos vom 10.12.2021.
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Pure Konzentration Wie eine Geigerin auf der Slackline ihren Flow findet

Spielt Carolina Mazalesky Geige auf der Slackline, ist sie im Flow. Was dieses angenehme Gefühl ist, wie es entsteht und wie man es selbst erreichen kann, weiss der Sportpsychologe und ZHAW-Dozent Jan Rauch.

Jan Rauch

Jan Rauch

Psychologe

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Dr. Jan Rauch ist Dozent für Psychologisches und mentales Training, Teampsychologie und lösungsorientierte Beratung an der ZHAW Zürich und Co-Autor des Buchs «Mental stark am Berg».

Herr Rauch, viele sind auf der Suche nach dem Flow – was macht diesen Zustand so erstrebenswert?

Flow ist das Gefühl völliger Versunkenheit in eine Aufgabe. Die ganze Aufmerksamkeit und Konzentration werden von dieser einen Beschäftigung beansprucht. In diesem Zustand können Menschen Raum, Zeit und alle negativen Gedanken vergessen, weil die schlicht keinen Platz haben. Das fühlt sich für viele wie eine Belohnung für eine ausserordentliche Leistung an. Darum will man die Tätigkeit, bei der man Flow erlebt, wiederholen.

Sie sprechen von Konzentration auf eine einzige Tätigkeit. Wir haben Carolina Mazalesky getroffen (siehe Video) und sie schafft es, Geige auf der Slackline zu spielen. Wie kommt sie so in den Flow?

Sie muss beides wahnsinnig gut können und viele Elemente der Bewegungsausführungen automatisiert haben. Sonst würde das eine das andere stören. Um Flow zu erreichen, müssen mein Können und die Anforderungen im Gleichgewicht sein. Was ich tue, muss also meinen Fähigkeiten entsprechen.

Sonst funktioniert es nicht?

Nein: Sobald man unter- oder überfordert ist, erreicht man den Zustand nicht mehr. Am besten gelingt es, wenn die Anforderungen am oberen Rand des eigenen Könnens oder minimal darüber liegen.

Das heisst?

Beim Joggen zum Beispiel. Nehmen wir an, Sie schaffen eine fünf Kilometer lange Runde in 30 Minuten. Um den Flow zu erreichen, könnten Sie sich das Ziel setzen, die Runde in 29 Minuten zu schaffen – also am oberen Rand Ihres Könnens, aber durchaus machbar. Bei 20 Minuten wären Sie überfordert, bei 40 unterfordert.

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Aus Einstein vom 09.12.2021.
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Also kann ich nach diesem Interview losrennen und erlebe Flow?

Leider nicht. Sie denken dann wahrscheinlich daran, wie Sie Flow erreichen können und konzentrieren sich nicht vollständig auf das Rennen. Die kleinste Ablenkung von der Aufgabe reicht schon und es funktioniert nicht. Das ist der Witz am Flow: Will ich ihn erreichen, darf ich mich nicht darauf konzentrieren. Ich muss entspannt und wertfrei sein.

Ein möglicher Trick: Selbstbelohnung

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Belohnungen können helfen, Flow zu erleben. Beispiel Meditation: Schafft man es, eine Stunde ohne Ablenkung zu meditieren, kann man sich danach beispielsweise mit einem Glace belohnen. Das Hirn stellt dann möglicherweise eine Verbindung zwischen Konzentrationsfähigkeit und der Belohnung her.

Durch die Verbindung mit einem positiven Gefühl erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, immer wieder zu meditieren. Das wiederum steigert die Chance auf Flow – einerseits durch die Wiederholung, andererseits dank des Konzentrationstrainings auf das Atmen. Irgendwann könnte so das Abtauchen automatisch passieren.

Was muss ich also tun?

Die Sportpsychologie untersucht das schon lange, dennoch gibt es leider keine eindeutigen Tricks, um Flow zu erreichen. Es hilft aber, störungs- und stressfreie Momente zu schaffen. Zeit für nur eine Sache zu reservieren und nicht von äusseren Störfaktoren abgelenkt zu werden. Der Fokus muss auf das Hier und Jetzt gerichtet sein. Dies gelingt im Alltag vielen Menschen bei Aufgaben, die sie mit Hingabe ausführen und ihre volle Konzentration beanspruchen – wie beispielsweise Velofahren, Stricken, Gamen oder Kochen.

Einstein, 09.12.2021, 21:00 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von SRF Wissen (SRF)
    Liebe Community
    Bei welchen Aktivitäten kommen Sie in den Flow? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.
    Liebe Grüsse
    SRF Wissen