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GPS statt Kuhglocke
Aus 4x4 Podcast vom 06.10.2021.
abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
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Tierwohl versus Tradition Immer mehr Kühe tragen GPS statt Glocke

Glocken stressen die Kühe, zeigte eine Studie 2014. Die Bauern waren empört. Dennoch tragen heute immer mehr Kühe GPS.

Für viele gehört die Glocke zur Kuh wie die Berge zur Schweiz. Doch was halten die Tiere selbst eigentlich davon? Das Läuten an ihrem Ohr ist zwischen 100 und 110 Dezibel laut – vergleichbar mit einem Presslufthammer oder Rockkonzert.

Laut einer ETH-Studie aus dem Jahr 2014 wirkt sich diese Belastung negativ auf das Fressverhalten der Kühe aus. Sie fressen nicht nur weniger, sie käuen auch kürzer wieder als Tiere ohne Glocke. Die an der Studie beteiligte Forscherin Julia Johns sagte damals: «Im Zeitalter von GPS und Co. würde ich mir überlegen, ob ich den Tieren auf der Alp eine Glocke anziehe.»

Eine Welle der Empörung

Die Studie und Johns Aussage lösten eine Welle der Empörung seitens der Landwirtschaft aus. Ob die ETH nichts Gescheiteres zu tun habe, als solche Studien durchzuführen, wollte der damalige Direktor des Bauernverbandes im Parlament vom Bundesrat wissen. Seither hat an der ETH niemand mehr vertiefter untersucht, wie sich das Glockengeläut langfristig auf das Gehör und Verhalten der Kühe auswirkt.

Über 1'000 Kühe mit GPS-Geräten

Das ist nun sieben Jahre her. Die Haltung der Landwirtschaft gegenüber GPS-Trackern scheint sich in dieser Zeit verändert zu haben: Diesen Sommer waren in den Alpen über 1'000 Tiere mit einem Sender ausgestattet. Die Tests laufen schon über mehrere Jahre in verschiedenen Kantonen.

Auch beim Bauernverband zeigt man sich heute aufgeschlossener. Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbandes, sagt: «Wir testen diese neue Technik und sind gespannt, wie sie sich in den Alpen entwickelt.» Für viele sei es zwar noch immer undenkbar, auf Glocken zu verzichten, doch junge Bäuerinnen und Bauern seien technikaffin: «Darum denke ich, bei einem Generationenwechsel sehen das einige als Chance, die Tiere besser zu orten.»

Mit GPS gegen den Wolf 

Den Bäuerinnen und Bauern bringen die Tracker einige Vorteile: Im Idealfall können sie ihre Tiere einzeln am Computer oder Smartphone verfolgen. So müssen sie nicht mehr die ganze Alp absuchen, wenn eine Kuh verloren geht oder abstürzt und sich verletzt. Vorausgesetzt, das Tier befindet sich nicht in einem Funkloch. Da liegt auch der Haken des Glockenersatzes: Bisher hat die Technik nicht immer einwandfrei funktioniert.

Auf der Alp
Legende: Auf der Alp Ohne GPS-Tracker dauert die Suche nach vermissten oder verletzten Tieren oft Stunden. Keystone

Neben der Bewegungsdaten verrät das GPS-Tracking aber auch viel über das Verhalten der Tiere. Wie lange sie wo gegrast haben oder ob sie sich auffällig bewegt haben. Die Halsbänder sollen in Zukunft sogar Wolfsangriffe erkennen und sie mit Licht- und Blitzsignalen abwehren.

Trotz all dieser Vorzüge ist sich Roffler sicher, dass insbesondere auf der Alp die Glocken nicht ganz verschwinden werden: «Ich denke, in Zukunft gibt es ein Nebeneinander. Auf der einen Seite die Leute, die Freude an der Tradition der Glocken haben und auf der anderen Seite die, die etwas ausprobieren wollen.»

4x4 Podcast, 06.10.2021, 10:50 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Jacky Bianchi  (JackyB)
    Wozu Glocken? Abgestürzte Kühe sind doch wohl meistens tot oder schwer verletzt, nicht? Dann nützen die Glocken ja nichts, da sie sich nicht mehr bewegen. Einzig ein verloren gegangenes Tier kann man noch über das Gebimmel orten. Da würde mich aber interessieren, wie oft das überhaupt vorkommt.
  • Kommentar von Jacky Bianchi  (JackyB)
    Warum keine Studie mit Speichel-Messungen des CORTISOL-Spiegels (Cortisol = Stresshormon)? Dann hätte man genaue Daten. Habe dies mal in einer deutschen Doku zum Thema "Enthornung" bei Kälbern gesehen. So wurde erkannt, dass es die Tiere wirklich stresst.
    1. Antwort von Oswald Daniel  (dani 1)
      Stimmt genau. Ich glaube das nicht mit dem Stress.Und bitte auf der Weide untersuchen, da sind die Kühe sehr gerne. Bei den Wölfen behaupteten die Biologen auch, dass die Wölfe vor allem kranke Tiere jagen. Schauen Sie einige Dokus über Afrika und was gejagt wird.Kranke Tiere?
      Und wirklich super.Die Hornkuh Initiative wurde abgelehnt auf allen Bildern sieht man immer Kühe mit Hörnern, irgendwie verlogen.
  • Kommentar von Beatrice John  (Bj)
    Hmm... ich dachte die Kommentarspalten werden ab 21 Uhr gesperrt?

    @ SRF; Mir fehlt die Möglichkeit zum Fragen stellen / einen Hinweis zu geben, ohne das vorgegebene Thema zu missbrauchen.... und wie ich bei anderen Themen sehe bin ich nicht die Einzige. Gerne erwarte ich dazu eine Rückmeldung. Besten Dank.
    1. Antwort von Antwort SRF (SRF)
      Guten Tag Frau John
      Dass die Kommentarfunktion umgestellt wurde ist richtig. Jedoch bezieht sich die Umstellung lediglich auf Artikel aus der News-Redaktion. Beiträge aus der Wissenschaftsredaktion bleiben offen für Ihre Kommentare.