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Natur & Umwelt Wie Oktopusse ein Arm-Wirrwarr vermeiden

Acht Arme muss so ein Oktopus koordinieren, und das klappt stets ohne Knoten. Das ist umso erstaunlicher, als Forscher herausgefunden haben, dass die Tiere keine genaue Karte im Kopf haben, wo sich alle ihre Glieder im Raum befinden. Vermutlich wäre das viel zu kompliziert. Wie funktioniert es dann?

Die Saugnäpfe eines Tintenfisches
Legende: Acht Arme mit Chaospotenzial: Dass sie sich trotzdem nicht miteinander verknoten liegt vermutlich an chemischen Signalen in der Oktopus-Haut. Reuters

Oktopusse heften sich mit ihren Armen an alles, was ihnen vor die Näpfe kommt – egal ob Felsen, Krebse oder die Arme anderer Oktopusse. Nur wenn sie einen anderen Arm ihres eigenen Körpers berühren, passiert nichts. Offenbar haben die Arme Sensoren und jeder kann selbständig feststellen, ob er gerade einen eigenen Körperteil berührt.

Herausgefunden haben das israelische Forscher auf eine etwas gruselige Weise: Sie haben den Kraken einen Arm unter Narkose amputiert – und diesen danach im Aquarium beobachtet. So ein amputierter Arm bewegt sich noch lange und vor allem: Er saugt sich ebenfalls an allem fest – ausser an sich selbst.

Achtung, der Arm gehört zu uns!

Aus dieser Beobachtung heraus haben die Forscher vermutet: Auf der Haut der Oktopus-Arme könnte ein Molekül stecken, das von den Saugnäpfen erkannt wird. Dadurch merken sie: nicht festsaugen, dieser Arm gehört zu uns.

Die Forscher haben ihre These mit weiteren Experimenten erhärtet. Zum Beispiel haben sie eine Kunststoffplatte mit Hautstücken eines Oktopus beschichtet und einen amputierten Arm dieses Oktopus zur beschichteten Platte ins Aquarium hineingegeben. Der amputierte Arm hat sich nicht an der Platte festgesaugt – ausser an Stellen, die nicht mit Oktopushaut beschichtet waren. Beschrieben sind die Untersuchungen in «Current Biology», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Schlaue Beine passen selber auf

Die Experimente zeigen: Oktopusse brauchen ihr Gehirn vermutlich nicht oder nur teilweise, um ein Chaos unter ihren Armen zu vermeiden. Die Strategie dafür ist quasi in ihre Glieder programmiert. Mit genau diesem Prinzip hoffen manche Forscher, einfachere Roboter zu konstruieren: Man baut die Intelligenz der Maschine teilweise in ihren Körper ein. Durch dieses sogenannte Embodiment-Prinzip braucht es eine weniger aufwendige Steuerung durch Computer.

Videogalerie: Eigene Arme behandeln Oktopusse ganz anders als fremde

Ein Vordenker des Embodiment-Prinzips ist der Zürcher Roboterforscher Rolf Pfeifer. Er wird bald pensioniert und hält am 23. Mai seine öffentliche Abschiedsvorlesung – am selben Tag ist er zu Gast im Tagesgespräch auf Radio SRF.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Diejenigen Augenpatienten, welche ihr Gesichtsfeld mit einem Gerät, Octopus genannt, messen lassen müssen, wissen nun, wieso das Messgerät diesen Namen trägt. Man weiss nie, wo die Punkte und Pünktchen aufleuchten. Der Untersuch erfordert höchste Konzentration beim Patienten.
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