Donnerstag, 9. Mai – Hamburger oder Maktak?

Immer wieder höre ich in Barrow: Die Jagd gehört zu uns. Vor allem der Walfang, er ist das Herz der Kultur der Inupiat. Das nachzuvollziehen fällt einem Besucher auf den ersten Blick nicht ganz leicht.

Auf den ersten Blick sieht man in Barrow nicht viel von einer Walfang-Kultur: Viele Inupiat arbeiten im Büro, im Laden oder einer Werkstatt. Sie fahren riesige Trucks und trinken Cola (der Ausschank von Alkohol ist verboten). Ist aber Walfangzeit, so bekommen alle Mitglieder der Fangcrews Urlaub.

«Wir verbinden unsere traditionelle Kultur mit dem American way of life», sagt Martha Stackhouse. Sie ist Lehrerin am örtlichen College und versucht, die ursprüngliche Sprache der Inupiat wieder als Muttersprache zu verankern. Martha hat einen Hort gegründet, wo die Kinder mit Inupiaq aufwachsen, ihre Eltern sprechen es kaum mehr. «Bald gehen wir alle zusammen für ein paar Tage aufs Land ins Camp, um Gänse zu jagen. Die kleinen Mädchen schwärmen jetzt schon davon», sagt Martha.

Ein halbes Kilo Brot kostet acht Dollar

Die Jagd sei nicht nur aus kulturellen Gründen wichtig. Um das zu verstehen, soll ich doch in den Laden im Ort. Ein halbes Kilo Brot kostet acht Dollar, eine Tütensuppe vier. Alles muss per Luftfracht eingeflogen werden, nicht eine Strasse führt durch die Tundra nach Barrow. Der Seeweg ist über lange Monate gefroren.

Sollte es mit dem Wal doch noch klappen, diesen Frühling, dann wird Martha die dicken Stiefel anziehen und mit aufs Eis gehen, wo der Wal von Dutzenden Helferinnen und Helfern zerlegt wird. Bis zu zwei Tage dauert das. Danach wird sie mit den anderen Frauen Maktak für alle kochen, die Walhaut mit dem darunterliegenden Fett, Fleisch und die Innereien. «Nach kurzer Zeit wird alles weggegessen sein.» Der grosse Rest des Wals wird die Menschen noch für Wochen ernähren.

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