Galileo statt GPS: Europa auf dem Weg in die Unabhängigkeit

GPS gehört heute zum Alltag: Navigations- und Ortungssysteme greifen auf Signale des amerikanischen Global Positioning Systems zu. Dank ihnen werden Menschen gerettet, Hotels gefunden, Routen berechnet und vieles mehr. Bald sollen Galileo-Signale dazu kommen – Europas Antwort auf GPS.

Grafik der Umlaufbahn der Galileo-Satelliten um die Erde.

Bildlegende: Galileo: 27 Satelliten werden im Endausbau in gut 23'000 Kilometern Höhe um die Erde kreisen. ESA

Die ganze Welt verlässt sich auf GPS, ein globales Navigationssatelliten-System zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. Ursprünglich vom US-Verteidigungsministerium für rein militärische Zwecke verwendet, steht es seit 2000 auch zivilen Anwendern zur Verfügung. Europa will sich aus dieser Abhängigkeit lösen und ist deshalb daran, mit Galileo ein eigenes System im Weltraum zu platzieren.

Galileo genauer als GPS

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So funktioniert Galileo

0:30 min, vom 16.12.2013

Eigentlich sollte es längst in Betrieb sein, aber Diskussionen um Aufträge und Finanzierung verzögerten Galileo massiv. Die europäische Alternative zu GPS soll vor allem die Genauigkeit verbessern: Statt mit einer Abweichung von 10 bis 20 Metern soll Galileo die Position metergenau anzeigen, und dies nicht nur horizontal, sondern auch vertikal. Damit wird Navigation auch in Gebäuden möglich, denn der Empfänger weiss, in welchem Stockwerk er sich befindet. Dass Galileo kompatibel mit GPS ist, erhöht die Genauigkeit zusätzlich. Die hohe Zahl an verfügbaren Signalen verbessert Ortung und Navigation auch in Häuserschluchten von Städten erheblich.

Ende 2018 in Betrieb

Im Gegensatz zum vom Militär entwickelten und kontrollierten GPS steht Galileo unter ziviler Kontrolle und wird von der EU und der Europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt, an der auch die Schweiz beteiligt ist. Die Testphase von Galileo ist abgeschlossen, jetzt ist der Start der ersten Systemsatelliten in Vorbereitung. 2018 soll das ganze System operativ sein. Einzelne Funktionen, wie zum Beispiel der kostenlose Open Service zu Ortungs- und Navigationszwecken oder der Such- und Rettungsdienst, stehen schon ab Ende nächsten Jahres zur Verfügung, wenn 18 der insgesamt 27 Satelliten im Weltraum platziert sein sollen.

Europäische Kontrolle für europäische Infrastruktur

Natürlich wird Galileo nicht in erster Linie wegen der Alltags-Anwendungen für normale Konsumenten installiert. Viel wichtiger ist, dass zum Beispiel auch die Synchronisation von Telekommunikations- oder Energiesystemen über GPS gesteuert wird. Navigationssatelliten sind nicht nur zur Positionsbestimmung geeignet, sie senden auch extrem genaue Zeitsignale. Überall wo erdgebundene Systeme zeitlich ganz präzise aufeinander abgestimmt werden müssen, sorgt GPS – oder eben Galileo – für Synchronität. Vor allem in diesem Bereich will Europa nicht länger von den USA abhängig sein.

Die Amerikaner könnten in Krisensituationen das GPS-Signal lokal gezielt verschlechtern. «Es ist selbstverständlich von Vorteil, wenn europäische Infrastruktur durch ein europäisches System kontrolliert wird», sagt Sylvain Loddo, Mitglied der Galileo-Projektleitung bei der ESA. «Abgesehen davon generieren satellitennavigationsgesteuerte Applikationen heute riesige Umsätze und sind ein Geschäft.» Das will man nicht einfach den Amerikanern überlassen.

So viel kostet Galileo

Die Kosten bis zur Fertigstellung belaufen sich auf etwa 5,3 Mrd. Euro. Die Betriebskosten betragen 800 Mio. Euro jährlich. Die Schweiz soll sich bis 2014 mit etwa 100 Mio. Franken beteiligen, danach jährlich 30 bis 35 Mio. Franken zum Betrieb beitragen. Gegenleistung sind Aufträge für die Industrie, etwa für die in Neuenburg entwickelte Atomuhr.

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