Innovationsmaschine Schweiz

Die Schweiz ist 2013 zum innovativsten Land der Welt gekürt worden – mit deutlichem Vorsprung vor Schweden und Grossbritannien. In fast allen Kriterien hat sie die Nase vorne. Innovations-Prognosen sind aber schwierig, denn gute Ideen gibt es nicht auf Bestellung.

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Erfinder in der Schweiz – eine Zeitreise

2:26 min, vom 8.10.2013

«Innovation ist voller Überraschungen, da passieren magische Dinge. Da ist Kreativität involviert, da sind junge Leute mit neuen Ideen», sagte Bruno Lanvin an der Uno-Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des Global Innovation Index in Genf, «solche Dinge lassen sich nur schwer voraussagen.»

Prognostizieren kann man Innovationen nicht, doch «messen» im Nachhinein durchaus. Lanvin von der Insead Business School und andere Experten hatten anhand von über 80 Kriterien das Innovations-Potenzial von 142 Volkswirtschaften im Jahr 2013 analysiert (siehe Tabelle unten). Die Kriterien umfassten unter anderem das Bildungswesen, Patentanmeldungen, den Zugang zu Finanzmärkten und Risikokapital, aber auch Faktoren aus Industrie und Unternehmertum.

Die Resultate des Global Innovation Index

Innovations-Ranking
RangLandErhaltene Punkte
1Schweiz66,59
2Schweden61,36
3Grossbritannien61,25
4Niederlande61,14
5USA60,31
6Finnland59,51
7Hong Kong (China)59,43
8Singapur59,41
9Dänemark58,34
10Irland57,91

Innovation als Ersatz für Rohstoffe

«Mit Ausnahme den USA haben die führenden Länder etwas gemeinsam», sagt Francis Gurry, Mitverfasser der Studie und Direktor der World Property Organization, «sie haben keine Rohstoffe». Dass fehlende Bodenschätze den Erfindergeist eines Landes antreiben, wird schon lange vermutet. Das Innovations-Ranking liefert jetzt auch quantitative Indizien dafür.

Die Schweiz liegt beim sogenannten Innovations-Output, der unter anderem Kriterien wie neue Patentanmeldungen, Anzahl von Startup- und Hightech-Firmen berücksichtigt, weit in Führung. Auch die gute Vernetzung von Wirtschaft und Forschung ist ein Erfolgsrezept. Nachholbedarf sehen die Autoren der Studien allerdings bei den Gesamtausgaben für Bildung und bei der Förderung der Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Erfinder sind wichtig für die Schweiz

Die Neugründung von Firmen ist ein wichtiger Innovations-Faktor. Die Schweizer Startup-Szene gilt heute, anders als vor zehn Jahren, als vorbildlich und dynamisch. Dabei kommt den «Ideengeneratoren», also den Erfindern, ein wichtige Rolle zu.

«Die Erfinder sind für die Schweiz absolut zentral» sagt Josef Felber gegenüber SRF «DOK». Der Patentanwalt ist ein profunder Kenner der Schweizer Erfinderszene. «Fast jeder technische Betrieb in der Schweiz hat mit einer Erfindung angefangen», betont er.

Steiniger Weg bis zum Erfolg

Der Weg von der Idee zum profitablen Produkt ist schwierig und es braucht einen langen Atem. Als aktuelles Beispiel nennt Felber die Erfinder der «Tortillamaschine» namens Flatev. Sie funktioniert ähnlich wie die Nespressomaschine – doch statt Kaffee macht sie Fladenbrot aus eingekapseltem Teig.

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Trailer zu «Erfinderland Schweiz – von Visionären und Tüftlern»

0:31 min, vom 10.10.2013

Dass die Nespressokapsel von der Erfindung bis zum Durchbruch 20 Jahre brauchte und Millionen verschlang, schreckt die Jungerfinder nicht ab. «Wir glauben, dass die Kapsel heute ein Trend ist», sagt Carlos Ruiz, Erfinder der Tortillamaschine. Ob diese Erfindung auch eine wirkliche Innovation wird – sprich: auch profitabel wird – wird sich erst nach der Markteinführung im nächsten Jahr zeigen.

Scheitern als selbstverständliches Risiko

Wann, wo und wie ein Erfolg entsteht, lässt sich kaum abschätzen: Beim Erfinden gibt es keinen Königsweg. Jede Idee hat ihre eigene Geschichte. Was hingegen alle Erfinder brauchen, ist Mut zum Risiko. Und hier gibt es in der Schweiz offenbar ebenfalls noch Verbesserungspotential.

«Was die Schweiz bräuchte, ist ein lockerer Umgang mit dem Scheitern», sagt Erfinder Andreas Reinhard, der zu den Cracks der Schweizer Erfinderszene zählt und selbst Inhaber von Dutzenden Patenten ist, «in den USA zum Beispiel ist es nicht so ein Drama, wenn eine Firma pleite geht. Doch hier ist man gebrandmarkt.»