Zum Inhalt springen
Inhalt

Technik Jahrhundert-Hochwasser: Uri sorgt vor

160 Millionen investiert der Kanton Uri in Massnahmen zum Hochwasserschutz. Zentral ist der Schutz im Urner Talboden, wo der wirtschaftliche Lebensnerv liegt. 2005 stand dieses Gebiet und 40 Unternehmen mit rund 1000 Arbeitsplätzen unter Wasser. «Schweiz aktuell» schaut mit Betroffenen zurück.

Die Baustelle am Schächenbach zwischen Bürglen und Altdorf, fotografiert am «Tag der offenen Baustelle» im Mai 2012.
Legende: Baustelle: Viele Franken werden verbaut, auch zwischen Bürglen und Altdorf, hier am «Tag der offenen Baustelle» im Mai 2012. Keystone

Jetzt im Winter sieht der Schächenbach harmlos aus. Er führt kaum Wasser. Dass er aber auch anders kann, zeigte er im August 2005 – beim Jahrhundert-Hochwasser im Kanton Uri. Um eine solche Katastrophe verhindern zu können, investiert Uri 160 Millionen in Schutzmassnahmen im ganzen Kanton.

Viel Geld für den kleinen Bergkanton, aber gut investiertes, findet Hans Gisler aus Schattdorf, der die Baustelle bei der Reussbrücke in Attinghausen täglich besucht: «Um diese Investition kommen wir nicht herum. Der Schutz der Bevölkerung ist wichtig. Da darf nicht gespart werden.» So wie Hans Gisler denkt die grosse Mehrheit der Urner Bevölkerung. Die 160-Millionen-Vorlage wurde 2009 von beinahe 88 Prozent der Stimmbevölkerung angenommen.

Der mächtige Geschiebesammler und der Fluss davor
Legende: Regulation: Der mächtige alte Geschiebesammler in Bürglen. Keystone

Das Kernstück im Urner Talboden

Seit drei Jahren baut Uri an den Schutzmassnahmen. Momentan laufen die Arbeiten am Kernstück im Urner Talboden. Bei der Einmündung des Schächenbachs in die Reuss befindet sich laut Kantonsingenieur Stefan Flury ein neuralgischer Abschnitt, wie sich beim Jahrhundertunwetter 2005 zeigte.

«An dieser Stelle staute sich damals das Geschiebe, das der Schächenbach mit sich brachte», erklärt Flury, «die Reuss führte zu wenig Wasser, um das Geschiebe abzutransportieren. Das führte dazu, dass sich das Geschiebe des Schächenbachs aufstaute. Der Bach konnte nicht mehr in die Reuss abfliessen und trat schliesslich über die Ufer.»

Nun arbeiten die Fachleute daran, im Oberlauf des Schächenbachs Rechen zu bauen. Sie können im Fall eines Unwetters Geschiebe sammeln, so dass der Mündungsbereich in die Reuss nicht mehr verstopft wird. Ausserdem verbessert das den Zufluss des Schächenbachs in die Reuss, und erhöht die Dämme – wie etwa in Richtung Attinghausen, um das Dorf besser zu schützen.

Gewerbler fühlen sich sicher

Im Industriegebiet Schattdorf sind 110 Betriebe ansässig. Unter anderem der Kleidersammler Texaid, einer der 2005 vom Unwetter betroffen war. Trotz des 4-Millionen-Schadens, den Texaid erlitten hat, hat sich der Betrieb laut Beat Alder, damals in der Geschäftsleitung, nie überlegt, einen anderen Standort zu suchen.

Legende: Video 160 Millionen für Hochwasserschutz abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 24.03.2014.

Ebenso wenig die Sisag AG, die Betriebsleitsysteme für Züge, Strassenverkehr und Seilbahnen herstellt. Im August 2005 stand die Produktion laut dem Verwaltungsratsdelegierten Erich Megert nur einen Tag still. Dann wurde wieder produziert – mit Notstrom-Aggregaten. «Wir wollten keine Kunden verlieren. Und das haben wir auch nicht. Das war das Wichtigste», erzählt er.

Die aufwändigen Schutzmassnahmen des Kantons begrüsst Megert. Doch ob diese Massnahmen auch für künftige Hochwasser ausreichen werden? Das, so schmunzelt er, müsse man wohl eher ganz oben fragen.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von christian mueller, basel
    Selbst bezahlt? Uri erhält jährlich ca 80 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich. Das heisst, die Finanzstarken Gemenden und Kantone finanzieren auch hier den Luxusausbau in den letzten Chrachen. Vielleicht sollte man es sich mal überlegen, dass man nicht überall wohnen sollte und wenn man da wohnen will, dann soll man auch selbst dafür gerade stehen! Gerade die Kantone sägen in Abstimmungen am Ast, auf dem sie sitzen. Beissen die Hand, die sie füttert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M. Bolder, Muhen
      Ihr Denken entspricht dem Zeitgeist: Alles soll rentieren, alle sollen für sich selber schauen. Es geht hier aber um den Schutz des am dichtesten besiedelten Teils des Kantons Uri und zudem um den Schutz des dort ansässigen Gewerbes. Dass wir in der Schweiz noch immer solidarisch sind, finde ich richtig. Im Übrigen: Basel ist der erdbebengefährdetste Standort der Schweiz: Eigentlich sollte man dort nicht wohnen. Aber auch dort hoffe ich auf Solidarität, sollte eines Tages etwas passieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von i.b., Schattdorf
      Ich finde es sollten alle in die schon überfüllten Städte wohnen gehen. Dann wirds dort noch ein Bisschen enger.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von F. Limacher, Zürisee
      Solche Worte können nur von einem Städter stammen ... Tsts.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen