Nicht immer trägt das Eis

Unglaubliche 300 Tonnen Mindestgewicht muss der gefrorene St. Moritzersee während der traditionsreichen Pferdeturniere Polo und White Turf tragen. Dafür braucht es eine dicke Eisschicht und regelmässige Messungen. Ohne erfahrenen Eismeister geht das nicht. Ein Porträt.

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Eismeister Luminati weiss genau, wann das Eis sicher ist.

0:10 min, vom 1.2.2013

Eigentlich ist der St. Moritzer Cristiano Luminati Pistenchef. Vor und während der Pferdeturniere auf dem geforenen St. Moritzersee ist er aber auch Eismeister. Ein Beruf, den man nicht einfach so lernen kann. Ohne Jahrzehnte lange Erfahrung habe man keine Chance auf dem Eis, sagt Luminati gegenüber «Einstein». Und er muss es wissen, er misst die Eisdecke bereits seit 25 Jahren – nachdem er sich 15 Jahre lang als Stift bewähren musste.

Einzig einen Bohrer, einen angewinkelten Draht und ein Messgerät braucht es für seinen Job – und viel Mut. Denn mit den Messungen der Eisdecke beginnt der Eismeister so früh wie möglich. Viel Zeit zwischen Zufrieren des Sees und Beginn der Turniere bleibt nämlich nicht. Je früher der See für Aufbauarbeiten und Rennbahn-Präparierung freigegeben werden kann, desto besser.

Gefühl fürs Eis

Luminati hat eine fast intime Beziehung zum Eis. Wenn er Löcher in die Eisdecke bohrt, spürt er sofort, welche Qualität das Eis hat. Ob es sich um schönes, dichtes blaues Eis oder eher um ein gefährliches Schnee-Eis-Gemisch handelt, das oftmals zwischen den Eisschichten noch Wasser enthält und deshalb instabil ist.

Vor den Turnieren beobachtet der Eismeister täglich Himmel, Wind, Wetter und Temperatur.  Jede Veränderung hat Einfluss auf die Eisdecke. Besonders fürchtet er Wärmeeinbrüche, die das Eiswachstum bremsen oder das Eis gar wieder abschmelzen lassen.

Georadar für mehr Sicherheit

Wie unberechenbar das Eis ist, zeigen auch die Schlagzeilen, die immer wieder zu lesen sind, wenn Pistenfahrzeuge bei der Präparierung der Rennbahn einbrechen, weil sie eine Schwachstelle im Eis erwischt haben. In einem Pilotprojekt wird nun mittels Georadar-Messungen noch genauer und flächendeckend die richtige Dicke des Eises bestimmt.

 Luminati ist von der neuen Technik noch nicht überzeugt. Auch heute noch bohrt er parallel zu den Georadarmessungen Löcher in die Eisdecke und misst. So richtig wohl, das Eis freizugeben, fühle er sich einfach erst, wenn er es einmal mit seinem 4-Tonnen-Ratrac abgefahren hat, dann sei er sicher, dass der See die richtige Dicke habe.

Ob er schon einmal eingebrochen ist bei seinem heiklen Job? «Nasse Füsse bekommt man schon einmal, aber das muss man in dem Metier einfach in Kauf nehmen». Tausende von Eislöchern hat Cristiano Luminati in seinem Leben gebohrt. Ans Aufhören denkt der Eismeister aber noch lange nicht.

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Gefrorener St. Moritzersee an der Grenze seiner Tragfähigkeit

7:04 min, aus Einstein vom 14.2.2013