Von Seuzach ins All

Klein, aber wichtig: Wenige Zentimeter kleine Datenlogger zeichnen Beschleunigung und Vibration in Raumkapseln auf, die zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Dass ausgerechnet eine 15-Leute-Firma in Seuzach bei Winterthur sie liefert, kam überraschend – auch für den Chef.

Startende Rakete.

Bildlegende: Geschwindigkeit und Höhenänderung sind enorm beim Start. Die Beschleunigung belastet alles und jeden an Bord. SRF

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Wendelin Egli über den Nasa-Auftrag

0:20 min, vom 20.10.2014

Wovon viele träumen, ist Wendelin Egli passiert, ohne dass er sich bemüht hätte: Der CEO von MSR Electronics wurde über seinen Vertriebshändler in den USA von der amerikanischen Weltraumbehörde kontaktiert. Die Nasa und ihre Zulieferfirma Orbital bekundeten Interesse an einer Entwicklung der Firma MSR Electronics: so genannten Datenloggern, also kleinen Geräten, die Messwerte wie Erschütterungen automatisch aufzeichnen.

Zusammenarbeit seit 2013

Im Mai 2013 begann die Zusammenarbeit. Viel Geld verdient MSR Electronics nicht mit dem Auftrag – ein Datenlogger, wie er bei Orbital zum Einsatz kommt, kostet 1590 Franken – doch das dadurch erzielte Renommée ist für Wendelin Egli unbezahlbar. «Als Referenz ist das für uns sehr, sehr gut», sagt er in «ECO», «viel weiter raus als in den Orbit kann man nicht mehr.» MSR Electronics beschäftigt 15 Mitarbeiter und erzielt gut zwei Millionen Franken Umsatz.

Hände befestigen Gerät.

Bildlegende: Welchen Belastungen ist die Fracht auf dem Weg ins All ausgesetzt? Die Datenlogger zeichnen einwirkende Kräfte auf. SRF

Beim Einsatz für die Nasa sitzen die Datenlogger an Behältern, in denen Ausrüstung für Weltraum-Spaziergänge oder wissenschaftliche Experimente untergebracht ist. Diese Behälter werden in Raumkapseln verstaut, die mit Raketen auf ihren Flug zur ISS ins All geschossen werden. Bis die Raumkapsel nach fünf Tagen an der Raumstation andockt, zeichnen die Datenlogger Beschleunigung und Vibrationen auf.

Die Daten helfen zu erkennen, welche Kräfte auf die Fracht auf unbemannten Flügen eingewirkt haben. Die G-Kräfte, die durch die Beschleunigung beim Start entstehen, sind eine hohe Belastung und können für empfindliche Fracht kritisch werden.

Wendelin Egli fallen eine Reihe von Gründen ein, die sein Gerät für einen Flug ins All perfekt machen. Die Logger könnten während langer Zeit exakte Messungen durchführen. Ausserdem verfügten sie über ein sehr geringes Gewicht, seien nur wenige Zentimeter gross und hätten eine hohe Speicherkapazität. In den USA scheinen diese Eigenschaften überzeugt zu haben. «Diese kleinen Datenlogger liefern uns wirklich spektakuläre Daten», zitiert MSR den ISS-Verantwortlichen Michael Bain.

Datenlogger als Beweismittel

Gleichwohl: Noch sind die meisten Erfassungsgeräte von MSR Electronics auf der Erde im Einsatz. Etwa beim Transport empfindlicher medizinischer Geräte. Erreicht etwa ein Ultraschallgerät seinen Bestimmungsort mit einem Defekt, so können die Datenlogger zeigen, ob der Transport sorgfältig erfolgt ist – und damit die Schuldfrage klären.

ISS: Fliegendes Labor

ISS: Fliegendes Labor

Auf der ISS führen international zusammengesetzte Crews wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit durch. Die Raumstation umkreist seit dem Jahr 2000 bemannt die Erde in 260 Meilen Höhe und ist 110 Meter lang. Was es heisst, auf der ISS seinen Alltag zu gestalten, zeigt die amerikanische Astronautin Sunita Williams in diesem Clip.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schweizer Technik im All

    Aus ECO vom 20.10.2014

    In einer Woche startet eine Antares-Rakete zur Raumstation ISS. Mit an Bord: Ausrüstung für wissenschaftliche Experimente und Weltraumspaziergänge sowie Messgeräte der Winterthurer Firma MSR Electronics. Die kleinen Geräte zeichnen während des Fluges zur ISS Daten wie Beschleunigung und Vibrationen auf. Für das Schweizer KMU ein Geschäft mit grossem Renommée.

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