Wie viel Science Fiction liegt in Zukunft auf unseren Tellern?

Das Steak wird gedruckt, das Ei hat noch nie ein Huhn gesehen und das Küchenmesser wird zum persönlichen Ernährungsberater. Beim Essen der Zukunft klingt vieles nach Science Fiction. Ein Überblick über die Ernährungstrends, die künftig eine grössere Rolle spielen werden – oder Hirngespinste bleiben.

Essen aus dem Drucker

«Schatz, wirf schon mal den Drucker an», könnte es einmal heissen und mit dem Smartphone wäre ein Gericht programmiert und etwas später ausgedruckt. Weltweit tüfteln Forscher an der Aufgabe, Essen mit dem 3D-Drucker herzustellen. «Dies wird in fünf bis zehn Jahren in Deutschland ein rasch wachsendes Segment sein», sagt der Leipziger Trendforscher Sven Gâbor Jánszky. So will etwa der italienische Lebensmittelkonzern Barilla Geräte an Restaurants verkaufen, die auf Knopfdruck Nudelsorten in Wunschform erzeugen. «Die einen haben einen solchen 3D-Essensdrucker in der eigenen Küche, die anderen machen es im Supermarkt», prophezeit Jánszky. Ob die Technik Sinn macht, muss sich noch zeigen. Denn auch ein Lebensmitteldrucker braucht sozusagen Tinte in Form von Rohstoffen.

Fleisch aus dem Labor

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Fleisch – frisch aus dem Drucker

6:25 min, aus Einstein vom 30.1.2014

Am Steak aus dem Drucker tüfteln schon Forscher aus den USA. Sie entnehmen einem Rind Muskelstammzellen und vermehren sie im Labor in einer Nährstofflösung. Das so entstandene Gewebe wird dann – quasi als Tinte – in den 3-D-Drucker gegeben. Und 2013 haben Wissenschaftler von der Universität Maastricht erstmals eine Frikadelle aus Stammzellen von Rindern hergestellt. Die Forscher sind der Ansicht, in zehn bis zwanzig Jahren könne mit der kommerziellen Produktion begonnen werden.

Sieht man vom Geschmack einmal ab, so liefert das In-vitro-Fleisch einige Vorteile: Es wird kein Tier dafür getötet, also könnte die Massentierhaltung einst überflüssig werden. Noch dazu ist es klimafreundlich. Kritiker hingegen sind sich sicher, dass die Verbraucher dem Produkt mit grosser Skepsis gegenüber stehen werden. Der Burger aus dem Labor dürfte für viele gar zu technisch anmuten.

Ei ohne Huhn

Das Ei der Zukunft müsse nicht zwangsläufig von einem Tier, etwa einem Huhn, gelegt werden, meint Kommunikationswissenschaftler Christian Schindler, der im Internet einen Blog über das Essen der Zukunft hat. Pulver aus gemahlenen Bohnen, Erbsen, Hirse und anderen Pflanzen könnten das Ei vor allem bei verarbeiteten Produkten ersetzen: In der Mayonnaise, in Nudeln, Kuchen oder als Rührei. «Schon heute hat die Eier-Lobby in den USA Respekt vor den jungen Food-Kreatoren – denn das pflanzliche Ei könnte bald preiswerter als das herkömmliche sein», sagt Schindler. Die Vorteile: Pflanzen produzierten weniger Treibhausgase, benötigten nicht so viel Wasser und es müsse kein Tier leiden.

Smartphones als Ernährungsberater

In Zukunft könnten Smartphone, Tablet und andere elektronische Geräte Auskunft darüber geben, was der Nutzer essen sollte. Sie messen, was dem Körper fehlt, und geben Tipps, mit welchen Lebensmitteln das Manko ausgeglichen werden kann. Sie messen etwa den Blutzucker und rechnen aus, wie viel Zucker wir brauchen. Oder sie teilen mit, was wir da eigentlich auf dem Teller haben. Auch Küchengeräte sollen «schlauer» werden, wie etwa das «Smart Knife» vom schwedischen Hersteller Electrolux. Beim Schneiden von Obst zeigt das Hightech-Messer am Bildschirm Frische und Nährstoffe an oder beantwortet durch Spracherkennung Fragen.

Hochleistungs-Essen

Gesünder, schöner, leistungsfähiger – diese drei Attribute beschreiben, was Functional Food für die Menschen leisten soll. «Jeder grosse Nahrungsmittelkonzern investiert hinter der Kulissen gerade in diesen Trend zu mehr Ergänzungsmitteln», sagt Trend-Forscher Jánszky. Er geht davon aus, dass es in ein paar Jahren zum Beispiel Joghurt geben wird, der verspricht, leistungsfähiger zu machen. Und Drinks, die damit werben, kreativer zu machen. Andere Nahrungsexpertin sind eher der Meinung, der Trend des Hochleistungs-Essens gehe am Alltag der meisten Menschen vorbei.

Smooth Food

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Smooth Food – neue Küche für Pflegepatienten

4:10 min, aus Einstein vom 15.1.2015

Essen ist ein Genuss – aber nicht, wenn es als pürierter Brei serviert wird, wie es in vielen Seniorenheimen geschieht. Die demografische Entwicklung verstärkt deshalb den Trend zum Smooth Food – Essen, das appetitlich und auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt ist: Sie haben häufig Schluckbeschwerden, die Geschmacksknospen nehmen ab, sie essen mehr Salz. Bei Smooth Food werden die Lebensmittel durch Mixen, Pürieren, Passieren oder Aufschäumen in eine geschmeidige Konsistenz gebracht und danach attraktiv angerichtet.

Insekten auf dem Teller

Die Welternährungsorganisation FAO empfiehlt Insekten, um den Hunger der Menschen zu stillen. Heuschrecken, Termiten oder Raupen sind sehr eiweissreich und enthalten viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Schon heute essen laut FAO zwei Milliarden Menschen täglich Insekten. Es müssen jedoch mehr werden, wenn die Weltbevölkerung längerfristig ausreichend mit Proteinen versorgt werden soll.

«Wir erwarten nicht, dass in zehn Jahren auch im Westen überall Insekten auf dem Tisch stehen, aber das Potenzial ist riesig und wir hoffen, dass es langsam aber sicher genutzt wird», sagt Afton Halloran, Agronomin bei der FAO gegenüber «Einstein». Zu Mehl verarbeitet und als unsichtbarer Bestandteil zum Beispiel im Powerriegel oder in Gerichten könnten Insekten aber auch bei uns Karriere machen.

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Insekten zum Frühstück – bald Alltag?

3:53 min, aus Einstein vom 5.2.2015

Genug Essen für 9 Milliarden?

Nach Angaben der Uno wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Menschen ansteigen. Zugleich wollen den Prognosen zufolge immer mehr Menschen Fleisch essen, die landwirtschaftlichen Anbauflächen werden aber nicht grösser. Auf der Expo in Mailand geht es ab dem 1. Mai um die Frage, wie die Menschheit in der Zukunft ernährt werden kann.