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Legende: Johannes Beck, Ursula Galli und Dorothee Schmid srf
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Umgang mit Ängsten «Was kann ich gegen meine Tunnelangst tun?»

Johannes Beck, Ursula Galli und Dorothee Schmid haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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PD Dr. Johannes Beck
Psychiater
Chefarzt
Klinik Sonnenhalde AG

Dr. phil. Ursula Galli
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
Psychotherapeutisches Zentrum der Universität Zürich

lic.phil. Dorothee Schmid
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
Privatpraxis in Bern

Chatprotokoll

Ich habe Angst das ich keine Freunde finde, da ich sehr direkt zu meinen Mitmenschen bin. Ändern möchte ich mich aber nicht, da ich eigentlich diese Eigenschaft toll finde..Ich nähere mich meinen Mitmenschen schnell, aber so schnell bin ich sie auch wieder los.. Was mache ich falsch? Nur weil ich ehrlich immer mit meiner Meinung bin? Ich kann es nicht abhaben wenn jemand über jemanden ablästert und am Schluss ist diese Person dann noch befreundet mit derjenigen von welcher sie schlecht gesprochen hatte.. Ist denn das normal das Menschheit so tickt, oder soll ich drüber wegschauen und nichts sagen?liegt es an mir? Danke für Ihre Meinung.

Dorothee Schmid: Wenn Sie von vornherein jegliche Änderung ablehnen, wird es für Sie schwierig sein, etwas zu verbessern. Falls Sie doch zu Änderungen bereit sind, versuchen Sie es einmal mit einem Training der sozialen Kompetenz. Dort lernt man, wie man sich mit den Mitmenschen auf gute Weise in Kontakt setzt.

Guten Abend Ich habe ständig Angst, dass meinen Kindern etwas schlimmes zustossen könnte. Wenn ich die Ambulanz höre, den Rettungsheli etc., zucke ich zusammen und überlege, wo meine Kinder gerade sind. Auch wenn das Handy klingelt, hab ich Angst vor einer schlimmen Nachricht. Obwohl ich vom Verstand her weiss, dass ich nicht so denken sollte, wird es immer schlimmer je älter ich werde. Was kann man dagegen machen?

Johannes Beck: Was Sie beschreiben ist sehr typisch für die sog. generalisierte Angststörung, die durch ängstliche Besorgnis, Anspannung und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme gekennzeichnet ist. Diese Angststörung ist gar nicht selten und kann gut mit Psychotherapie behandelt werden. Eine Empfehlung für einen geeigneten Therapieplatz kann Ihnen ggf. ihr Hausarzt geben. Auch eine Ambulanz einer psychiatrischen Klinik kann eine erste Hilfe sein und bei der Organisation einer geeigneten Therapie unterstützen.

Ich habe eine tier-phobie bezüglich nacktschnecken. Da ich mich zwinge mit einer nordic walking gruppe alle zwei wochen im wald unterwegs bin und auch sonst gerne in der natur bin, begegne ich nacktschnecken zwangsläufig. Die direkte konfrontation hilft auf die länge nicht noch mehr angst zu haben. Aber ich mache mir im vorfeld immer viele gedanken und das möchte ich besser bewältigen. Ich leide auch unter zahnarztphobie und sozialen ängsten. Da ist die pessimistische gedankliche vorbereitung auch schlimm. Wie kann ich damit umgehen, wenn die ängste zögerlich aufkommen? Eine atemübung, die funktioniert, gibt es bereits. Danke für Ihre antwort.

Dorothee Schmid: Nehmen Sie eine kognitive Verhaltenstherapie in Anspruch. Das ist eine Form der Psychotherapie, die insbesondere bei Angststörungen sehr gut wirkt. Der Vorteil wäre, dass Sie nicht nur stückweise irgendwelche Techniken lernen, sondern in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebunden wären, das wichtige Zus.hänge berücksichtigt.

Ich habe eine Frage betreffend Angstbehandlung. Seit einigen Jahren (ca. 8Jahren) begleitet mich Angst. Angefangen hat es mit Flugangst, Unwohlsein in Menschenmengen, dies hat sich immer verstärkt und das grösste Hindernis aktuell ist meine Angst in Tunnels, Lifte, Gondelbahnen. Es hat sich immer weiter verstärkt, bis ich heute kein normales Leben mehr leben kann und meine Familie damit sehr belaste. Wie kann ich meine Ängste bekämpfen, damit ich wieder in ein normales Leben zurückkehren. Vielen Dank für ihre Rückmeldung

Ursula Galli: Da die Angst bei Ihnen doch schon 8 Jahre besteht, sich verstärkt hat und ihr Leben sowie das Ihrer Familie inwzischen sehr belastet, rate ich Ihnen dazu eine Psychotherapie zu beginnen. Ängste sind die psychischen Probleme die am besten behandelbar sind. So wie sich Ängste unbehandelt immer mehr verstärken, können sie durch Therapie wieder gut reduziert und in den Griff bekommen werden. Es lohnt sich!

Guten Abend Ich habe seit einem Schwindelanfall (es stellte sich anschliessend heraus, dass dies aufgrund eines Eisenmangels passiert ist) immer wieder Panikattacken mit Schwindel und Atemnot. Dies insbesondere, wenn ich alleine bin. Zum Beispiel in Auto auf der Autobahn. Wie kann man diese Angst behandeln?

Dorothee Schmid: Guten Abend. Am besten durch eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie). Das ist aktuell die bei Angststörungen am besten wirksame Therapieform

Guten Abend Ich sehe gerade die Sendung über Angst. Seit 3 Monaten leide ich stark an Ängsten, ich kann mittlerweile wieder vor die Haustür und abends einen kleinen spatziergang mit meinen Grosseltern machen. Da ich plötzlich nichts mehr tun konnte, hatte ich auch keinen Zugagng mehr zu meinem Psychiater. Er hatte mir Medikamente verschrieben aber selbst diese zu nehmen macht mir Angst. Ich habe die Hoffnung das so wie die Depersonalisierung und Derelaisierung und Panikattacken gekommen sind, auch wieder verschwinden. Nur weiss ich nicht wie. Haben Sie gute Tipps die mir Mut bringen könnten? Ich bin 21 und ertrage es nicht mehr nur zu Hause zu sein.. ich möchte wieder frei von Angst leben können. Herzliche Grüsse.

Johannes Beck: Vielen Dank für Ihre Frage und den offenen Bericht zu den starken Ängsten. Schön, dass Sie mittlerweile wieder vor die Haustür und abends einen Spaziergang mit Ihren Grosseltern machen können. Vielleicht können SIe die Therapie bei Ihrem Psychiater zumindest telefonisch wieder aufnehmen ? Bei starken Ängsten kann ggf. auch eine Therapie in einer Tagesklinik oder ggf. auch stationär helfen, starke Rückzugstendenzen zu überwinden. Viele Patienten profitieren dabei auch von der Erfahrung, mit den Herausforderungen nicht alleine zu sein und können auch voneinander viel lernen und profitieren.

Guten Abend Ich würde sehr gerne wissen, wie ich mit den Ängsten meiner Tochter knapp 9 Jährig umgehen soll bzw. was helfen könnte. Bis und mit 5 Jahre hatte sie weder Ängste noch brauchte sie in der Nacht elterliche Nähe. Seit dem sechsten LJ. wuchsen ihre Ängste (Monster, Einbrecher, jemand könnte ihren Bruder klauen etc.) und klingen bis heute nicht ab. Keine Nacht kann sie in ihrem Bett verbringen. Tagsüber muss jemand mit ihr auf derselben Etage sein sonst verfällt sie in Panik (Körper zittert, weite Augen, Schreck, weinen) Vor 2 Jahren haben wir beim psychiatrischen Dienst eine Abklärung gemacht, die ohne Grunderkennung und ohne Massnahmen blieb. Kinesiologie, Homöopathie, ätherische Öle, Gespräche, nichts hat geholfen. Wir sind verzweifelt und wollen eine tiefgreifenden Angsstörung vermeiden. Lisa, so ihr Name, ist körperlich und geistig sehr reif, also kognitiv weiss sie, dass die Ängste irrational sind. Emotional ist sie jedoch ihrem Alter entsprechend entwickelt. Was können wir tun? Als Phase würde ich diese 3.5 Jahre nicht beschreiben. Vielen Dank für ihre Unterstützung

Dorothee Schmid: Guten Abend. Was Sie beschreiben, klingt für mich ziemlich eindeutig nach einer bereits bestehenden Angststörung, die unbedingt professionell angegangen werden sollte. Kontaktieren Sie eine kinder- u. jugendpsychologische Fachperson, die Sie über kinder- und jugendpsychotherapeutische Möglichkeiten informieren kann. Ihre Tochter braucht eine professionelle Psychotherapie. Eine gute Anlaufstelle ist in der Regel der jeweils zuständige schulpsychologische Dienst.

Grüezi Ich leide unter anderem an Emetophobie (Angst vor dem Erbrechen) welche Therapie könnte mir helfen? Hypnose?

Ursula Galli: Für Phobien, also auch für Emetophobie ist die kognitive Verhaltenstherapie Therapie der ersten Wahl. Hypnose würde ich nur dann empfehlen, wenn sie in eine Psychotherapie integriert ist um die Zusammenhänge, weshalb die Emetophobie entstanden ist und was sie aufrechterhält zu klären. 

Seit ich an Krücken von zwei Pitbull Terier angegriffen wurde, habe ich vielfach grosse Angst vor Hunden (sie rissen sich los, eine Grossmutter war vertretenderweise mit ihnen spazieren). Einer sprang mir sehr nah vor das Gesicht (direkt an den Hals) ehe die Frau die Leine erwischte und ihn so wegreissen konnte. Ich allerdings stürzte rückwärts. Seither kann ich fremde Hunde nicht ausstehen, erst recht wenn sie frei laufen und direkt auf einem zugehen. Diese Angst bin ich bis heute kein bisschen los geworden und erschrecke teilweise extrem, wenn mir ein Hund begegnet. Kann ich diese Angst überhaupt je wieder loswerden?

Dorothee Schmid: Sie können sie zumindest verkleinern oder so beeinflussen, dass sie Ihnen das Leben nicht allzu schwer macht. Dafür müssten Sie eine Psychotherapie in Anspruch nehmen (kognitive Verhaltenstherapie). Die Frage ist allerdings, wie sehr Sie durch diese Hundeangst in Ihrem Alltag wirklich eingeschränkt sind. Wenn Sie keine oder nur wenige Begegnungen mit Hunden haben, ist eine Therapie whs nicht nötig. 

Meine Tochter, 9-jährig, Zwilling B, Frühgeburt in der Woche 27. Hatte grosse Probleme nach der Geburt, jetzt geht es ihr aber gut. Sie leidet jetzt an grossen Ängsten wenn es regnet, windet, stürmt (mehrheitlich wenn es dunkel ist) sowie auch bei lauten Geräuschen, 1. August, Silvester... Was können wir dagegen unternehmen?

Dorothee Schmid: Vielleicht noch einen Moment zuwarten und beobachten, wie sich diese Ängste entwickeln. Denn Angst vor Sturm, Dunkelheit und lautem Knallen ist im Prinzip gut nachvollziehbar. Sollte sich die Angst jedoch nicht legen, rate ich Ihnen zur Konsultation einer kinder- u. jugendpsychologischen Fachperson. Sie finden solche in der Regel über den schulpsychologischen Dienst. 

Meine Tochter kann seit dem Lockdown nicht mehr zur Schule gehen. Es hat angefangen mit Erbrechen und Übelkeit. Sie hat die Privatklinik besucht, dann die stationäre Klinik und nun ist sie entlassen worden aber sie hat immer noch Angst und geht nicht zur Schule. Nun wird mit einem Heimbesuch gedroht aber das wollen wir nicht, da ihre Angst immer noch da ist. Ich habe etliche Psychologen angeschrieben aber niemand hat Zeit und auf die Warteliste kommen wir auch nicht. Kann uns bitte jemand helfen? Es kann doch nicht sein, dass wir im Stich gelassen werden mit unserer Tochter die 12 Jahre alt ist und sich umbringen möchte.

Johannes Beck: Da ihre Tochter nach den von Ihnen beschriebenen Schritten noch immer unter Ängsten leidet und Sie sogar schreiben, dass sie nicht mehr Leben möchte, rate ich zu einer raschen Vorstellung in einer spezialisierten Sprechstunde, z.B. einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Poliklinik wie z.B. https://www.upk.ch/kinder-und-jugendliche.html, Link öffnet in einem neuen Fenster, wo Fachleute behutsam und verständnisvoll auf die Sorgen von Kindern und Eltern eingehen und Lösungswege aufzeigen können. 

Seit ca 1.5 Jahren klettere ich immer wieder mit Unterbrüchen mit Verletzungen (alle nicht beim klettern zugezogen). Bei jedem mal wo ich wieder beginne habe ich mehr Angst vor dem Sturz, auch wenn ich eigentlich weiss das ich am Seil angemacht bin. Im Sturztraining vom Vorstieg fällt man bis zu 3Meter, dq habe ich mir ganz zu Beginn mal denn Fuss gestaucht. Ich probiere Stürze zu üben- schaffe es aber einfach nicht loszulassen. Was könnte mir Helfen?

Dorothee Schmid: Am ehesten eine professionelle Psychotherapie, wo Sie lernen, mit Ihrer zunehmenden Angst richtig umzugehen. Der Goldstandard ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dort lernen Sie, wie Sie anders mit Ihren Angstgedanken und der begleitenden Angst umgehen können. Auch das Verhalten wird verändert: Ungünstiges Verhalten wird ver- und hilfreiches neues Verhalten erlernt. Letzteres kann sich sowohl auf konkretes Verhalten beziehen (zB Verkrampfung) als auch auf nicht sichtbares inneres Verhalten. 

Ich habe seit eh und je Panikattackan (Hypochonder) und kriege regelrecht «gefühlt» keine Luft, Puddingbeine und Zähneklappern. Können solche Panikattacken komplett beseitigt werden? Ich Oder auch Spinnen, schon nur wenn ich sie sehe ekle mich so sehr, dass sich mir alle Haar auf dem Körper aufstellen. Kann man solche Vorgänge bekämpfen?

Ursula Galli: Ängste können manchmal recht hartnäckig sein und begleiten einen manchmal ein Leben lang, mal mehr mal weniger. Meist hängt es damit zusammen was sonst an Belastungen und Stress im Leben da ist. D.h. je grösser der Stress aktuell ist, desto eher und stärker wird eine Angstreaktion auftreten. Panikattacken und Spinnenangst lässt sich sehr gut behandeln. Wenn Sie sehr darunter leiden, würde ich Ihnen eine Angsttherapie empfehlen, am ehesten eine kognitive Verhaltenstherapie in der Sie lernen was Sie konkret tun können um die Angst zu reduzieren. 

Grüezi miteinander, unsere 13 jährige Tochter leidet unter Angstzuständen die zu Nervosität, depressive Verstimmung und Essstörung führen. Im Moment sind wir sehr hilflos. Wir haben Hypnose und Psychotherapie versucht. Was raten Sie uns?

Johannes Beck: Da es Ihrer Tochter nach den ersten therapeutischen Massnahmen noch nicht besser geht und Sie neben Angst und Nervosität auch eine Essproblematik beschreiben, rate ich zu einer guten Abklärung im Rahmen einer spezialisierten Sprechstunde, z.B. einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Poliklinik, dies kann helfen, Ursachen und mögliche Therapieangebote zu finden. 

Grüezi mitenand Wieso fangen meine Hände an zu zittern, wenn mir Personen beim Schreiben zusehen. Oder auch beim anstosssen mit Gläser?

Johannes Beck: Zitternde Händen können z.B. bei Nervosität und Angst auftreten, wie etwa der Angst, sich vor anderen zu blamieren. Wenn dies bei Ihnen zutrifft, kann es helfen, sich einmal Rat von einem Psychologen zu holen. Grundsätzlich können Ängste, die in solchen Situationen auftreten sehr gut durch Übungen, wie z.B. Rollenspiele, überwunden werden. 

Auf dem Münster in Basel hat der Mann der Höhenangst hat gesagt seit er die App benutzt geht es ihm viel besser.Was ist das für eine App?

Johannes Beck: Forschende der Universität Basel haben eine Virtual Reality App für Smartphones entwickelt, um Höhenangst zu reduzieren. Die Wirksamkeit stellten sie nun mit einer klinischen Studie unter Beweis. Höhenängstliche Probanden, die mit der App insgesamt vier Stunden zuhause trainierten, konnten anschliessend mit einer realen Höhensituation besser umgehen. https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Virtual-Reality-App-hilft-gegen-Hoehenangst.html

Seit einigen Monaten habe ich Angst vor Mäusen und Ratten. Hatte welche seit Sommer 21

Dorothee Schmid: Leider wird aus Ihrer Mitteilung nicht klar, ob und allenfalls wie sehr Sie sich durch diese Angst gestört fühlen. Das wäre aber wichtig um zu entscheiden, ob die Angst nur etwas Unangenehmes ist, mit dem Sie leben können; oder ob Sie dadurch in ihrem Alltag und Ihrem Lebensvollzug gestört werden. Da würde sich dann ev. eine professionelle Therapie empfehlen. 

Sind Ängste wichtig oder gibt es Menschen die gar keine Angst mehr empfinden können z.B. bei einer Hirnverletzung durch einen Unfall? Das wäre ja dann auch nicht mehr Gesund oder gar gefährlich?

Ursula Galli: Ängste sind absolut überlebenswichtig. Sie warnen uns vor Gefahren und schützen uns davor zu grosse Risiken einzugehen. Es ist möglich, dass durch eine Hirnverletzung das Angstempfinden gestört ist. Sie haben Recht, keine Angst zu empfinden ist genauso problematisch wie übermässig Angst zu empfinden. 

Ich kämpfe immer wieder mit finanzieller Existenzangst, früher als alleinerziehende Mutter und heute als Selbstständigerwerbende Person. Ich arbeite hart an mir, erleide aber immer wieder Rückschritte (mein Empfinden).

Dorothee Schmid: Aus Ihrer Mitteilung wird leider nicht ersichtlich, wie Ihre finanzielle Lage tatsächlich aussieht. Wenn die Finanzen stimmen und Sie trotzdem Angst haben, dürfte vermutlich eine Angststörung vorliegen. In diesem Fall wäre wohl eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie) angezeigt. Ist Ihre finanzielle Lage aber nicht wirklich gut, müsste man an einem anderen Punkt ansetzen und zB eine Finanzberatung ins Auge fassen. 

+++ An sich habe ich keine Angst vor Spinnen. Vogelspinnen jedoch können kräftig zubeissen. Falls das bei diesen Versuchen passiert, ist es kontraproduktiv und auch gefährlich. +++ 

Habe seit ich in den Wechseljahren bin Angstzustände. Vorher verschrieb mir der Arzt 19 Jahre lang Antidepressiva

Johannes Beck: Hormonelle Veränderungen gehen nicht selten auch mit Veränderungen im seelischen erleben einher. Wenn diese Veränderungen länger andauern, sollten sie fachgerecht abgeklärt und entsprechend behandelt werden. Angesichts der Vorgeschichte mit Einnahme von Antidepressiva, empfehle ich Ihnen, sich fachärztlichen Rat bei einem Psychiater oder einer psychiatrischen Ambulanz zu holen. Angstzustände können heute in den meisten Fällen gut psychotherapeutisch behandelt werden. 

unsere 9jährige tochter hat immer wieder mal ängste-zb vor zahnbehandlungen,vor impfungen,vor diversen verletzungen etc.ihr alltag gestaltet sie jedoch normal.die ängste sind am abend beim einschlafen zt sehr intensiv. inwiefern sind derartige kinderängste im rahmen und benötigten keine therapie?

Dorothee Schmid: Ich würde Ihnen raten, diesbezüglich eine kinder- und jugendpsychologische Fachperson zu konsultieren. Diese kann Ihnen sagen, inwieweit die Ängste Ihrer Tochter noch im Rahmen sind oder eine Therapie erfordern. In der Regel findet man diese Fachpersonen zB über die schulpsychologischen Dienste. 

Grüezi Ich habe in Gewässern Angst vor Haien. Das mag im Meer ja noch plausibel sein. Ich habe das aber auch in Schweizer Seen oder gar in grösseren Pools, welche ich nicht überblicke kann. Ich kann mir das auch nicht ausreden. Bisher war das nicht wirklich ein Problem. Nun habe ich aber ein Kind das mit mir Baden möchte und meine Angst steht mir im Weg. Wie kann ich damit umgehen?

Dorothee Schmid: Guten Abend. Ihre Angst ist verständlich, wenn wir sie als Ausdruck einer grundsätzlichen und starken Angst vor Kontrollverlust betrachten. Die Angst vor Haien (in der Schweiz zwar nicht begründet) kann als Bild gut nachvollzogen werden: Wasser, das man nicht als Ganzes überblicken kann; dunkle Tiefe, aus der jederzeit etwas Gefährliches auftauchen kann. Auf diese Weise steht Ihre Angst vermutlich für eine dauernd vorhandene, aber nicht immer als solche wahrgenommene Befürchtung, sie könnten irgendwo etwas nicht im Griff haben. Es würde sich daher lohnen, diese Angst vor Kontrollverlust professionell etwas genauer zu betrachten, zu identifizieren – um anschliessend etwas verändern zu können. Das nennt man in der Psychotherapie Klärungsarbeit. Fassen Sie sich also ein Herz und suchen Sie eine Psychotherapie auf, in der Sie Ihrer wirklichen Angst auf den Grund gehen können. 

Ich leide unter der Angst krank zu sein. Besonder wenn ich (stressbedingte) Bauchschmerzen habe und diese nicht nach kurzer Zeit verschwinden steigere ich mich schnell hinein und befürchte ich könnte, trotz jungem Alter, an Pankreaskrebs erkrankt sein. Die Angst vor Erkrankungen des Pankreas sind bei mir besonders gross – dem gegenüber habe ich wenig Sorge z.B einen Hirntumor diagnostiziert zu bekommen. Durch das Gedankenkarussell verstärken sich die Bauchschmerzen nur zusätzlich und meine Angst wächst weiter – ein regelrechter Teuflskreis. Ich habe mit verschiedenen Ärzten darüber gesprochen und merke wie ich i.R auf Unverständnis stosse. Was empfehlen Sie für Therapien bei Hypochondrie? Gibt es Hausärzte welche sich durch Zusatzausbildungen besonders für Hypochonder eignen?

Ursula Galli: Hypochondrie ist eine Angsterkrankung die behandelbar ist durch Psychotherapie. Ich würde Ihnen daher empfehlen sich psychotherapeutische Unterstützung zu holen. Gleichzeitig würde ich die Suche nach einem Hausarzt / Hausärztin von der Sie sich ernst genommen fühlen nicht aufgeben. Evtl. jemand mit Zusatzausbildung in Psychosomatischer Medizin (SAPPM) 

Guten Tag Was ist die beste Massnahme bei Angst vor erneutem Sturz einer alten Person. Sie gerät plötzlich in einen verkrampften Angst-Zustand und ist nicht mehr im Stande ohne Begleitung einen Schritt zu machen. Es handelt sich um kein physisches sonder psychisches Problem. Gibt es hierzu hilfreiche Artikel oder Fachstellen, die einer solchen Blockade entgegenwirken? Merci für Ihren Tipp

Dorothee Schmid: Guten Abend. Ich rate zu einer Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie). Dort lernt die betroffene Person, wie sie günstiger mit ihrer Sturzangst – die ja auf einer realen Erfahrung beruht – umgehen kann. Dieses Lernen ist auch im Alter noch möglich, sofern die betroffenen Menschen geistig noch fit sind. Meine älteste Angstpatientin war etwa 86 Jahre alt und konnte gut mitarbeiten. Entscheidend ist, dass die Person selbst zu einer Therapie bereit ist. Wichtig wäre daher auch, dass man ihr die Möglichkeiten erklärt. 

Ich habe Panik vor dem Erbrechen. Egal, ob es mich oder andere betrifft. Leider wird diese Angst oft nicht ernst genommen oder ich werde sogar belächelt. Wenn wieder Magendarm-Grippe Saison ist, so wie jetzt, bin ich ständig nervös und habe Angst. Ich lese und höre es überall. Da ich Kinder habe, denke ich, dass ich, noch mehr betroffen sein könnte. Ich überlege mir dann, ob ich dies oder jenes unternehmen soll. Die Angst davor ist grösser, als mit Corona infiziert zu sein. Ich habe sogar Angst, mir professionell helfen zu lassen, da ich mir dann evtl Bilder ansehen muss oder mit Dingen konfrontiert werden könnte. Was kann ich tun? Es wird immer schlimmer…

Dorothee Schmid: Ich rate Ihnen unbedingt zu einer professionellen Psychotherapie, und zwar zu einer kognitiven Verhaltenstherapie. Dort lernen Sie, wie Sie mit Ihren Angstgedanken besser umgehen können (entschärfen) und wie Sie Ihr Verhalten normalisieren können. Das Problem bei Ihrer Angst ist ja ziemlich sicher, dass Sie sich vor Ansteckung oder einer Art «Verschmutzung» durch irgendwelche Keime fürchten – und deshalb vermutlich dauernd Massnahmen treffen müssen, damit das nicht passiert. Das wird mit der Zeit sehr mühsam und kann auch zwanghafte Züge annehmen. Die Angst vor einer Therapie möchte ich Ihnen gerne nehmen; denn die modernen Formen der kognitiven Verhaltenstherapie arbeiten zwar alle mit dem Expositions-Prinzip (= sich bewusst mit der Angst befassen), jedoch stellen sie dafür sehr elegante und keineswegs schlimme Techniken zur Verfügung. 

Wie geht man damit um bzw. dagegen vor, wenn sich die Angst schon zu verselbstständigen scheint. Wenn es sich nicht mehr um konkrete Dinge und Szenarien dreht, sondern man Angst vor der Angst selbst und ihren körperlichen Symptomen hat.

Ursula Galli: Es ist ein häufiges Problem dass sich Angst verselbstständig und dann, so wie Sie beschreiben, eine Angst vor der Angst entsteht. Auch dann sollten Sie versuchen, die Angst zu konkretisieren. Was genau an den körperlichen Symptomen macht Ihnen Angst? Wovor haben Sie Angst? Gibt es eine Möglichkeit das zu relativieren und dadurch zu entkräften? Hilfreich ist auch zu versuchen einen Angstgedanken zu Ende zu denken (oder aufschreiben) und dadurch zu erkennen, dass es äusserst unwahrscheinlich ist, dass das Schlimme eintritt. Wenn die Angst zu stark ist, dass diese Selbsthilfe nicht ausreicht, holen Sie sich professionelle Hilfe. 

Guten Tag Die ganzen Infos und Schlagzeilen über den Klimawandel und bevorstehende Naturkatastrophen ängstigen mich. Was kann ich dagegen tun?

Dorothee Schmid: Guten Abend. Es könnte Ihnen helfen, wenn Sie mit einer sachkundigen Person besprechen, wie wahrscheinlich es ist, dass die von Ihnen befürchteten Ereignisse tatsächlich eintreten und ob Sie wirklich davon bedroht sind. Sie könnten also zB mit einer Fachperson für Klimafragen sprechen. Häufig entstehen nämlich Ängste, weil Bedrohungslagen nicht richtig, und zwar meistens als zu gross eingeschätzt werden. Sachliche Information kann helfen, die eigenen Befürchtungen zu entschärfen. 

Was sind die häufigsten Phobien? Wieso bekommt man Angst vor etwas? Wie reagiert der Körper wenn es mit Angst konfrontiert wird? Wie überwindet man am besten seine Angst? Wie man jemandem helfen der grosse Angst vor etwas hat?

Dorothee Schmid: Die häufigsten Angststörungen sind die soziale Angst, die generalisierte Angststörung und die sog. einfachen Phobien (Ängste vor ganz bestimmten Dingen oder Situationen). Angst bekommt man grundsätzlich, wenn man sich durch etwas bedroht fühlt. Während bei der Realangst die Bedrohung real ist, gibt es bei den Angststörungen keine realen Gefahren; trotzdem erleben die Betroffenen die Angst gleich wie in einer real gefährlichen Situation. Im Körper passiert, grob gesagt, eine Alarmierung: Alle Funktionen, die entweder für Kampf oder Flucht gebraucht werden, werden hochgeschraubt (Atmung, Herzschlag, Muskelspannung etc.) Andere Funktionen, die in diesem Moment nicht so wichtig sind, werden runtergefahren, damit der Körper aktionsfähig wird. Überwinden kann man nur eine krankhafte, also nicht reale Angst, und zwar mithilfe einer Psychotherapie. Bei der realen Angst ist es ratsam, auf die Angst zu hören und sich möglichst aus der realen Gefahr zu entfernen. Hilfe für andere: Bei einer krankhaften, also nicht realen Angst, hilft eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie). 

ich habe eine höhenangst welche mit zunehmendem alter(51) immer schlimmer wird. ich würde so gerne wieder mehr in die berge gehen! überall sehe ich mich absturzgehrdet. gibt es eine möglichkeit dies in den griff zu bekommen?

Johannes Beck: Die Höhenangst ist kein seltenes Phänomen. Viele Menschen bekommen weiche Knie, wenn sie von einer Erhöhung in die Tiefe blicken. Ein gewisses Mass an Respekt vor Höhen ist uns angeboren und ein natürlicher Schutz. Ist diese Angst unverhältnismässig stark, sprechend wir von einer Höhenangst, die zur Gruppe der spezifischen Phobien gehört und gut behandelt werden kann. Menschen mit Höhenangst empfinden eine unnatürlich starke Furcht vor Höhen beziehungsweise dem Blick in die Tiefe. Während andere den Ausblick geniessen, erleben sie Angstzustände mit Schwindel, Schweissausbrüchen und Herzklopfen. 

Guten Tag, ich habe Platzangst in einem Tunnel und Angst auf der Autobahn zu fahren und auch beim Beifahren. Ich habe das Gefühl, dass die Geschwindigkeit diese Angst auslöst. Auf anderen Strassen fahre ich ohne Probleme. Ich habe deshalb die Autobahn immer mehr gemieden, bis ich jetzt schon gar nicht mehr darauf fahre. Ich bekam jeweils Herzklopfen, Schweissausbrüche und zum Teil Panik. Was kann ich dagegen machen und raten sie mir, dies wieder einmal zu versuchen?

Ursula Galli: Guten Tag, die Angst die Sie beschreiben wird als Agoraphobie bezeichnet. Sie ist gut behandelbar, am ehesten durch eine kognitive Verhaltenstherapie. Einerseits können Sie dadurch erkennen was die Angst ausgelöst oder begünstigt, z.b. aktueller Stress, und andererseits lernen Sie Strategien kennen, die Angstreaktion zu bewältigen. Wichtig ist z.B. sich in der Angstreaktion wieder selbst beruhigen zu können. Ich würde Ihnen also auf jeden Fall raten sich Ihrer Angst zu stellen, allerdings mit professioneller Hilfe. 

Ich habe offenbar eine Tunnelphobie. Interessanterweise trifft das nicht auf alle Tunnel zu, sondern besonders auf diejenigen, die sehr lang und dunkel sind oder die keinen Pannenstreifen haben. Das ganze ist sehr lästig, weil ich dann immer eher einen Umweg fahre. Hatte einmal im Gotthardtunnel eine Panikattacke und leide seither unter diesen Ängsten. Was kann ich dagegen tun? Besten Dank für ihre Antwort!

Johannes Beck: Tunnelangst ist eine Sonderform der Klaustrophobie, also der Angst vor/in engen Räumen bzw. wird auch mit der Agoraphobie verbunden, also der Angst vor Orten und Situationen, in denen eine „Flucht“ nicht möglich erscheint. Die (notwendige) Angst, uns vor realen Gefahren zu schützen wird bei der Tunnelphobie zu einer irrationalen Angst – also zu einer Angststörung, bei der die verspürte Angst nicht mehr den realen Gefahren entspricht und deutlich überhöht ist. Sie ist meist eine „erlernte“ Angst, z.B. durch tatsächlich erlebte, negative Situationen in einem Tunnel, aber auch durch Situationen, die nicht auf den ersten Blick als Ursache für eine Tunnelphobie erkennbar sind. Die Tunnelphobie kann unter Anleitung eines darauf spezialisierten Psychotherapeuten überwunden oder zumindest eingedämmt werden. Durch eine kognitive Verhaltenstherapie bzw. der Konfrontationstherapie kann die Angst Schritt für Schritt auf ein angemessenes Mass reduziert werden. Dabei werden z.B. unter Anleitung und Begleitung längere Bahnunterführungen und kleinere Tunnels durchquert um dann Schritt für Schritt mit immer längeren Tunnels konfrontiert zu werden – und man so lernt mit der Situation umzugehen.

Ursula Galli: Ihre Art der Angststörung ist gut bekannt und gut therapierbar. Organisieren Sie sich eine Psychotherapie, und zwar eine kognitive Verhaltenstherapie. Dort lernen Sie, wie Sie auf hilfreiche Art mit Ihrer Angst umgehen, wodurch mit der Zeit auch das Vermeidungsverhalten (Umweg fahren) abnehmen dürfte. 

Mein 12-Jähriger möchte sich gerne gegen Corona impfen lassen, aber bekommt beim Termin Panik. Die Spritze kann nicht mal in die Nähe. Ihm wird auch schlecht. Wie kann er es schaffen, sich impfen zu lassen? Vielen Dank!

Dorothee Schmid: Offenbar leidet Ihr Sohn an einer sog. Spritzen-Angst. Eine Möglichkeit, die Impfung möglich zu machen, wäre eine kurze Sedation des Patienten, dh eine kurze, starke Dämpfung mittels Medikament. Das würde ich jedoch nicht empfehlen. Viel besser wäre es, wenn Sie mit Ihrem Sohn für ein paar Sitzungen in eine Psychotherapie speziell für Kinder und Jugendliche gehen würden. Dort kann Ihr Sohn lernen, eine Spritze und die ganze Situation rund um die Spritze sachlicher einzuordnen. Häufig reichen ein paar wenige Sitzungen, um jemanden speziell auf den Moment der Injektion vorzubereiten.

Ursula Galli: Ich würde ihn vor allem sehr loben, dass er sich trotz seiner Angst, die übrigens gar nicht so selten ist, impfen lassen möchte. Dass er sich seiner Angst stellt, obwohl es nicht einfach ist. Wichtig ist, ihn sehr gut darauf vorzubereiten, damit er ganz genau weiss, was auf ihn zukommt, dass es sehr schnell vorbei geht, er fast nichts spüren wird, er sich ablenken kann, gut begleitet sein wird durch Sie, anschliessend eine schöne Belohnung erhält usw. D.h. er soll mit Ihnen gemeinsam ein «Drehbuch schreiben», wie die Situation «Ich lasse mich impfen» ablaufen wird. Wichtig wäre auch herauszufinden, ob Ihr Sohn vor etwas bestimmtem Angst hat z.B. dass es sehr weh tut, dass etwas verletzt wird o.ä. was Sie dann erklären könnten. Was ebenfalls sehr hilfreich ist, ist zunächst zuschauen, wie sich jemand (ohne Angst) impfen lässt, evtl. jemand aus der Familie. 

Meine Freundin leidet an einer Angststörung, welche immer wieder akut zum Vorschein kommt. Ausgelöst wird es bei ihr oft durch ein Herzstolpern, welches sie stark wahrnimmt und dadurch in eine Panikattacke kommt. Da sie ein Masterstudium in Psychologie absolviert und sich extrem gut mit der Materie auskennt, fühle ich mich relativ hilflos wenn sie Hilfe braucht. Wie hilft man jemandem, der besser informiert ist als man selbst? Wie geht man es an, ohne den Eindruck zu erwecken, dass ein «Alles wird gut, ich bin da» so aufgenommen wird, als würde man es runterspielen.

Johannes Beck: Guten Abend, vielen Dank für die gute Frage. Ihr Beispiel zeigt, dass auch Fachleute nicht davor gefeit sind, selbst einmal therapeutische Hilfe zu benötigen. Hier gilt der Grundsatz, dass wir uns nicht selbst therapieren sollten sondern auch wenn wir uns gut auskennen, selbst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen dürfen und sollen. Sie könnten Ihrer Freundin raten, sich zunächst beim Hausarzt vorzustellen, um zunächst bezüglich des Herzstolperns zu prüfen, ob dies, falls noch nicht erfolgt, abgeklärt werden sollte. Panikattacken können dann sehr gut psychotherapeutisch behandelt werden. Sich auf eine solche Therapie einzulassen kann ja gerade auch für Fachleute, die so einmal einen Rollenwechsel erleben, auch eine sehr interessante und wertvolle Erfahrung sein. 

Ich habe Verlustängste-Angst vor Einsamkeit, obwohl ich eigentlich nicht einsam bin. Was kann ich dagegen tun?

Dorothee Schmid: Vermutlich liegt Ihren Ängsten ein Erlebnis zugrunde, das Sie zutiefst verunsichert hat (zB Verlassenwerden von einer wichtigen Bezugsperson). Damit haben Sie «gelernt», dass es nur wenig oder gar keine Sicherheit gibt und dass alles jederzeit verloren gehen kann. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass Sie ev. als Kind so viel Zuwendung bekommen haben, dass Sie nicht richtig lernen konnten, seelisch auf eigenen Beinen zu stehen und deshalb sehr stark auf andere Menschen angewiesen sind. Auch das könnte die Grundlage für Ihre Ängste sein. Es wäre wichtig, die Grundlage Ihrer Angst zu identifizieren. Erst dann kann daran etwas verändert werden. Diese Arbeit kann nur in einer professionellen Psychotherapie erfolgen, zu der ich Sie ermutigen möchte. 

Seit Corona kann ich nicht mehr schlafen. Ständig träume ich von Masken unter welchen ich ersticke. Was kann ich dagegen machen?

Dorothee Schmid: Ich rate Ihnen zu zwei Dingen: Einerseits zu einer Psychotherapie, in der Sie lernen, die Masken wiederum als das zu betrachten, was sie sind; nämlich ein einfaches, wirksames und völlig ungefährliches Hilfsmittel. Das heisst, es geht um eine neutralere oder sachliche Betrachtung. Andererseits könnte speziell für die Schlafstörung ein gezieltes sog. Schlaftraining helfen. Dabei geht es um viel Information zum Thema Schlaf und zur Vermittlung von Verhaltensweisen, die das Schlafen unterstützen. 

Grüezi miteinander Ich habe mittlerweile vor jeder privaten Einladung – sei es bei uns zu Hause, oder wir bei Freunden/Familie- Angst vor Überforderung bezüglich Vorbereitung, Kochen, Aufräumen und auch Angst und Unlust, so lange mit dem Besuch zu reden. Noch schlimmer als Besuche sind Familienfeste und Geburtstags-Einladungen. Sobald der Termin in meiner Agenda ist, belastet er mich. Schlimmer ist es mit mir bekannten Personen als Einladungen zu Personen, wo ich kaum Jemanden kenne. Ich verstehe nicht, was „mein Problem“ ist. Es fühlt sich an wie eine Angst und Überforderung. Und es wird tendenziell schlimmer. Bei meiner Arbeit in einer Schule habe ich mit vielen Leuten (Erwachsene und Kinder) zu tun. Dort macht es mir überhaupt nichts aus. Was raten Sie mir? Woran könnte es liegen?

Johannes Beck: Guten Abend, vielen Dank für Ihre offene Frage. Ängste vor sozialen Situationen, insbesondere solchen, in denen wir uns nicht durch Routine sicher fühlen, können mehrere Ursachen haben. Sie können z.B. im Rahmen einer (Erschöpfungs)-Depression auftreten aber auch z.B. im Rahmen einer sozialen Phobie. Grundsätzlich kann in den meisten Fällen von sozialen Ängsten eine geeignete Psychotherapie sehr gut helfen. Ich rate Ihnen zur genaueren diagnostischen Abklärung und dann gezielten Therapie einen Facharzt für Psychiatrie oder auch eine Ambulanz aufzusuchen. Dort kann in der Regel rasch geholfen werden. 

Guten Tag Ich leide, z.Bsp. beim Wandern, unter extremer Höhenangst mit Panikattacken. Von Dritten ist das oft nicht nachvollziehbar. Sobald «mein Inneres» der Meinung ist, dass ich beim Stolpern etc. in die Tiefe fallen könnte, ist die Panik da. Mit Seilen gesicherte Stellen oder ähnliches hilft nichts. Ich war schon im Klettergarten und habe mich mit Hypnose behandeln lassen. Können Sie mir hilfreiche Massnahmen empfehlen?

Dorothee Schmid: Guten Abend. Für die Höhenangst gibt es eine biologische Grundlage, den sog. Höhenschwindel. Dieser ist ganz natürlich und setzt dann ein, wenn sich die Augen nicht mehr an einem fixen Gegenstand orientieren können, zB auf einem Berggipfel, wo man keine festen Objekte sieht, wenn man in die Weite schaut. Die eigene Lage kann daher nicht mehr mit den Augen stabilisiert werden und man beginnt, um den Blick scharf zu stellen, von selbst hin und her zu wiegen. Wenn der Körper dadurch nicht stabilisiert wird, merken das Leute ohne Höhenangst und wenden sich mit den Augen einem fixen Gegenstand in der Nähe zu – Problem gelöst. Bei Personen mit Höhenangst funktioniert diese einfache Methode nicht, das ungute Gefühl bleibt. Helfen tut in diesem Fall eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie), bei der gelernt wird, wie man sich in den angstauslösenden Situationen anders, dh hilfreicher verhalten kann. Dazu gehört die sog. Exposition, dh man wird sich den schwierigen Situationen aussetzen müssen, um das neue Verhalten zu trainieren. 

Grüezi Ich hab seit meiner Kindheit eine extreme Spinnenphobie. Vor 5-10 Jahren habe ich einen Kurs im Zoo gemacht, bei dem man am Schluss die Vogelspinne anfassen sollte... Mir liefen nur die Tränen und ich hatte Panik. Also keinen Schritt weiter... Auch bei der Hyptnose war ich mal... auch ohne Erfolg. Was gibt es für weitere Möglichkeiten? Meine Angst/ Ekel ist so gross, dass ich nicht nach Asien gehe oder andere Länder mit Spinnen etc.

Ursula Galli: Grüezi, eine Spinnenphobie beginnt manchmal tatsächlich schon sehr früh, wie bei Ihnen auch. Dass Sie sich für einen Kurs im Zoo entschieden haben war für Sie sicher ein sehr grosser Schritt. Die Vogelspinne dann anzufassen war vielleicht zu viel für die erste Konfrontation, wenn Sie dabei in Panik gekommen sind. Sie sollten sich auf keinen Fall entmutigen lassen sondern vielleicht doch nochmals den Mut aufbringen sich in einer Gruppe für Spinnenphobiker oder evtl. auch in einer Einzeltherapie Hilfe zu holen. Dann allerdings sehr gut darauf achten, dass Sie sich vorsichtig und in kleinen Schritten und gut begleitet diesen Tierchen annähern. 

Ab wann holt man sich Hilfe? Ich leide ab und an an Panikattacken ( vielleicht 1 mal in 2 Monaten). Mit längerdauerndem Herzrasen z.B. Diese zeichnen sich als Angst vor gewissen Menschen, Situationen ab.... Wie finde ich selbst einen Weg daraus und ab wann sollte man zum Arzt?

Johannes Beck: Wenn Sie Panikattacken haben, die mit längerdauerndem Herzrasen einhergehen, kann eine gute ambulante Therapie nachhaltig helfen und verhindern, das sich die Angst chronifiziert. Eine gute erste Anlaufstelle kann da ihr Hausarzt sein, der soweit noch nicht erfolgt, körperliche Ursachen des Herzrasens ausschliessen kann. Für die übrigens sehr gut wirksame Psychotherapie (v.a. kognitive Verhaltenstherapie) kann er Sie dann ggf. an einen Spezialisten, Psychiater oder Psychologen überweisen. 

Guten Tag, was hilft wirksam gegen Prüfungsangst? Ich bin oft an dieser Angst gescheitert und denke,mit diesem Problem bin ich nicht alleine. Danke für eine Rückantwort.

Dorothee Schmid: Guten Abend. Bei echter Prüfungsangst hilft in der Regel nur eine «echte» Psychotherapie. Dort wird am Nährboden der Prüfungsangst, der meist mehrere Elemente enthält und sehr viel mit der eigenen Lerngeschichte zu tun hat, gearbeitet. Das betrifft Fragen wie: Was hat man während der Kindheit über Regeln, Anforderungen und damit verbundene Belohnungen gelernt? Muss man ev. eigene Unsicherheiten durch grosse Leistungen kompensieren – mit denen man sich regelmässig überfordert? Muss man immer perfekt sein? etc. Diese Fragen zu klären, braucht Zeit. Daher gibt es bei echter Prüfungsangst leider keine schnellen Lösungen. Am besten wirkt eine Therapierichtung, in der an Gedanken und Verhalten gearbeitet wird, die sog. kognitive Verhaltenstherapie. Viel Glück. 

Habe die Sendung von der Angst vor Spinnen verfolgt; ich selber habe keine Angst vor Spinnen, aber eine unglaubliche Angst vor Schlangen, nur schon Bilder in Zeitungen oder Fernseh kann ich nicht anschauen und schon beim jetzigen Schreiben geht mein Puls schneller......gibt es da auch so ein App?

Ursula Galli: Bis jetzt gibt es soweit mir bekannt ist keine App für Schlangenphobie.

Chat-Admin: Der Live-Chat ist beendet. Leider konnten in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht alle Fragen beantwortet werden. Mehr Infos zum Thema finden Sie aber in untenstehender Sendung.

Video
Im Würgegriff der Angst: Wie werden wir sie wieder los?  
Aus Puls vom 10.01.2022.
abspielen. Laufzeit 36 Minuten 13 Sekunden.

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