Ehre für den Emmentaler Einstimmig gewählt: Christoph Simon gewinnt den Salzburger Stier

Der renommierte Kabarettpreis geht an Schriftsteller und Slam-Poet Christoph Simon aus dem Emmental. Geehrt wurden ausserdem «Pigor & Eichhorn» aus Deutschland und die «Science Busters» aus Österreich.

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Auftritt: Christoph Simon

4:30 min, aus Giacobbo / Müller vom 10.4.2016

Christoph Simons Humor ist schwarz und trocken, seine Worte sind unprätentiös und präzise. Die Bühnentexte des Berners tauchen tief ein in den Alltag von Studenten-WGs, in beispielhafte Eheszenen und allzu menschliche Freundeskreise.

 

Ein Markenzeichen geworden ist auch Christoph Simons leise Zurückhaltung auf der Bühne, sein scheuer Auftritt. So wirken Selbstentlarvungen und Sticheleien gegen Konventionen umso kräftiger. «Die Zeit» schreibt von einer geradezu «betörenden Präsenz».

Simon begann seine Karriere als Musiker, besuchte die Jazzschule in Bern.

Musik in den Sätzen

Der Satiriker wurde 1972 in Langnau im Emmental geboren. Bevor ihn das Schreiben und Reisen packte, besuchte er in Bern die Swiss Jazz School. Seither steckt die Welt in seinen Figuren und die Musik in seinen Sätzen.

Simon wurde 2014 und 2015 gleich zweimal in Folge Schweizer Meister im Poetry Slam. Seit 2015 entdeckt er die Bühne auch als erzählender Satiriker und Kabarettist. Er gewann 2015 die «Sprungfeder» der Oltner Kabarett-Tage, ab 2018 tourt er mit seinem dritten Solo-Programm «Der Richtige für fast alles» durch die Schweiz und durch Deutschland.

Wie erstklassig das Schreibhandwerk dieses Gesellschaftskenners ist, erfährt man nicht zuletzt bei der Lektüre seiner mittlerweile fünf Romane, seiner Kinderbücher und Gedichte. Die Schweizer Jury erklärt den scharfsichtigen Christoph Simon einstimmig zum Gewinner des Salzburger Stiers 2018.

Ein Bild von Thomas Pigor und Benedict Eichhorn, 2016 in Berlin.

Bildlegende: Pigor & Eichhorn heissen eigentlich «Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten». imago/Future Image

Elegant und kantig

Der Salzburger Stier wird jeweils an eine Person aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich verliehen. Den Deutschen Preis erhält diesmal das seit 20 Jahren erfolgreiche Musik-Duo «Pigor & Eichhorn».

Zu den Preisträgern schreibt die Jury: «Thomas Pigor und Benedict Eichhorn sind eine Ausnahmeerscheinung in der Kabarettlandschaft und ihr eigenes Medium ist der ‹Salon-HipHop›. Dahinter verbirg sich ein deutsches ‹Chanson à texte›, das die elegante, kantige oder nach Bedarf brachiale Wortsatire zu immer neuen Höhen führt.»

Ein Bild von den «Science Busters», 2012 in Hannover.

Bildlegende: Noch in alter Besetzung: Heinz Oberhummer, Martin Puntigam und Werner Gruber von «Science Busters» 2012. imago/Future Image

Lustige Wissenschaftler aus Österreich

Die «Science Busters», die Gewinner aus Österreich, machen seit 2007 Wissenschaftskabarett.

Das Stammteam des siebenköpfigen Ensembles bilden der Astronom Florian Freistetter, der Mikrobiologe Helmut Jungwirth sowie der Kabarettist Martin Puntigam.

Preisverleihung im Mai

Der Salzburger Stier ist nicht nur einer der begehrtesten Kabarettpreise, sondern auch die grösste Radio-Koproduktion im Bereich Unterhaltung. Zehn Radiostationen arbeiten für den Salzburger Stier eng zusammen: SRF, ORF, sieben ARD-Sender sowie RAI Südtirol.

Die öffentliche Preisverleihung findet am 4. und 5. Mai 2018 im Steintorvarieté in Halle (Saale), Deutschland statt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, Kulturnachrichten, 11.10.2017, 6.03 Uhr.

«Ansichten»

«Ansichten»

Seine abstrusen Geschichten handeln von unharmonischen Weihnachtsessen, struktureller Alkoholunterversorgung und realistischen Actionfilmen. Ein multimediales Porträt auf der SRF-Literaturplattform «Ansichten».

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