Ein Festival für den Theaternachwuchs – auf und vor der Bühne

Der Theaternachwuchs braucht Förderung. Das Schlachthaus Theater Bern will mit dem neuen Kindertheaterfestival kicks! junge Schauspielabsolventen unterstützen und das Nachwuchspublikum begeistern. Dafür steckt ein Schauspielabgänger sogar seinen Kopf in eine Weinachtsbaumkugel.

Mann in Anzug diskutiert mit einem Mann, der eine grosse Christbaumkugel als Kopf hat.

Bildlegende: Er möchte einfach ein normales Leben führen: «Christbaumchugelechopf» ist ein Projekt von Nachwuchsschaupielern. Schlachthaus/Yoshiko Kusano

Er wolle spielen, einfach spielen, sagt der 26-jährige Adrian Fähndrich. Vor einem halben Jahr hat er seine Ausbildung zum Schauspieler in Bern abgeschlossen und steht nun in den beruflichen Startlöchern. Was seine Aussichten angeht, macht sich der junge Berner keine Illusionen: «Es ist ein beliebter Beruf und die Stellen an den Stadttheatern sind rar.» Trotzdem ist er überzeugt, dass es Möglichkeiten gibt, als freier Schauspieler Fuss zu fassen.

Das Berner Schlachthaus zum Beispiel bietet jungen Theaterschaffenden im Rahmen des Kindertheaterfestivals kicks! professionelle Hilfe an: Proberäume, Infrastruktur und das Knowhow von Profis. Gestandene Theaterleute, die ihr Leben lang Theater für Kinder gemacht haben, begleiten die jungen Produktionsteams als Mentoren. Diese stellen am kicks! ihre Arbeiten vor.

Geschichte einer wandelnden Christbaumkugel

Adrian Fähndrich und seine Studienkollegin Emily Magorrian haben sich die Geschichte eines Jungen ausgedacht, der ein ganz normales Leben führen möchte. Allerdings ist er eine wandelnde Christbaumkugel und das Interesse an ihm ist auf die Wochen vor Weihnachten beschränkt. Adrian Fähndrich spielt diesen Jungen mit einer übergrossen, rotglitzernden Kugel auf dem Kopf.

Für sein Image als Schauspieler, der sich auf der Bühne erstmals präsentiert, scheint das kontraproduktiv. Sieht man doch nicht einmal sein Gesicht. Adrian Fähndrich findet die Überlegung amüsant, hat aber keine Bedenken, da man auch so genug von ihm mitbekomme.

Was neben der Bühne zählt

Für ihn ist kicks! so oder so ein Glücksfall. Noch während seines Studiums hat er sich mit der Projektidee «Christbaumchugelechopf» beim Schlachthaus beworben und findet es toll, so viel Unterstützung zu erhalten. «Wir können hier optimal arbeiten und das Team entlastet uns bei der Werbung und der Kommunikation.»

In Workshops können die jungen Schauspielabgängerinnen und -abgänger von Profis lernen. Etwa wie man einen Verein gründet oder ein Budget erstellt. Das sind wichtige Voraussetzungen, um in der freien Szene bestehen zu können. Das Spielen auf der Bühne sei ihm zwar das Wichtigste, sagt Adrian Fähndrich, doch gebe es drum herum viel zu tun. So ist ein zur Verfügung gestellter Probenraum ist schon fast ein Luxus.

In eine Lücke gesprungen

Maike Lex, der Leiterin des Berner Schlachthauses, geht es beim neuen Festival noch um mehr. Nämlich um das Zielpublikum. Derzeit gebe es in Bern kein vergleichbares Festival, das professionelles Theater für Kinder zeigt. «Da ist eine Lücke, in der wir mit kicks! springen», betont Maike Lex. Es gebe zu wenig gute Theaterangebote für Kinder. Ausserdem interessiere sich das Schlachthaus auch für die jungen Theaterschaffenden und ihre Impulse.

Mit dem Festival kicks! kickt das Berner Schlachthaus also in eine wichtige Richtung und freuen darf sich der Nachwuchs sowohl auf der Bühne genauso wie im Publikum.

Veranstaltungshinweis

«kicks!» findet vom 17. bis 28. Februar im Schlachthaus Theater Bern statt.

Das Festival soll junge Theaterschaffende im Bereich Kindertheater gezielt fördern. Die Macher sind Abgänger der Zürcher Hochschule der Künste ZHDK, sowie der Hochschule der Künste Bern HKB. Dabei werden sie von erfahrenen Theaterschaffenden und Pädagogen unterstützt.