Ein Topshot der deutschen Musikszene in St. Gallen

Der deutsche Keyborder, Komponist und Produzent Dieter Falk ging mit den «Edwin Hawkins Singers» auf Tournee und war Juror in der Castingshow «Popstars». Jetzt überrascht er mit einem christlichen Musical: «Moses – die 10 Gebote» feiert in St. Gallen Weltpremiere.

Dieter Falk mit Theaterkollegen bei Proben zum Stück «Moses - die zehn Gebote» im Theater Basel.

Bildlegende: Dieter Falk (Mitte) bei den Proben zu «Moses – Die 10 Gebote» im Theater St. Gallen. Norbert Wobring

Was der Keyborder und Komponist Dieter Falk anfasst, wird zu Gold. Als Produzent prägte er Hits von PUR oder Patricia Kaas. Fünf Mal war er für den deutschen Musikpreis «Echo» nominiert; über 50 Platin- und goldene Schallplatten heimste er bisher ein. 2012 kürte ihn der Bundesverband deutscher Klavierhersteller zum «Klavierspieler des Jahres». Jetzt feiert Falks Musical-Komposition «Moses – Die 10 Gebote» in St. Gallen Premiere.

Falk, der Kirchenmusiker

Sein Talent – das steht für Dieter Falk ausser Frage – hat er als Geschenk von Gott erhalten. In der Kirche begegnete er auch seiner grossen Liebe: dem Gospel. Der Klassiker «Oh Happy Day» wies dem bekennenden Christen den Weg. Gerade mal 19 Jahre alt, erhielt Falk seine grosse Chance dank seinem Idol Edwin Hawkins, dem Schöpfer von «Oh Happy Day». Als einziger Weisser durfte er mit den «Edwin Hawkins Singers» auf Tournee, später begleitete er auch andere christliche Gruppen.

Die Liebe zum Spagat

Der ehemalige Kirchenmusiker hat ein Faible für den unorthodoxen, musikalischen Crossover. 1985 verrockte er zum ersten Mal Choräle und erntete harsche Kritik von konservativen Gläubigen. Heute spediert er mit Vorliebe «den ollen Bach», wie Falk Johann Sebastian im Interview nennt, in die Moderne.

2006/07 sass Falk neben Nina Hagen und Detlev D. Soost in der Jury der Pro7 Castingshow «Popstars». Zur Abwechslung greift der Virtuose aber auch immer wieder mal in Kirchenhäusern beherzt rockig in die Orgeltasten. So auch in der St. Galler reformierten Kirche St. Laurenzen.

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Dieter Falk verrockt Bach

0:29 min, vom 15.2.2013

Die «10 Gebote» zwischen Rock und Gospel

In St. Gallen ist Falk derzeit jedoch hauptsächlich im Theater anzutreffen. Dort feiert das Musical «Moses – Die 10 Gebote» am 23. Februar Weltpremiere. Komposition: Dieter Falk. Bei einer Probe wird klar: das Werk wetteifert regelrecht mit Andrew Lloyd Webbers «Jesus Christ, Superstar». Selbst die anfängliche Skepsis des reformierten Pfarrers Hans Rudolf Felix, der die Probe begleitet hat, ist im Nu verflogen. Die Musik des Düsseldorfers rockt, groovt und reisst mit.

Am Anfang stand ein Oratorium

Die Musicaldarsteller der Figuren Moses und Ziphora in Kostümen, im Hintergrund eine Flamme.

Bildlegende: Moses und Ziporah im Theater St.Gallen. T+T Fotografie

«Moses – Die 10 Gebote» erzählt den Exodus des Volkes Israel aus Ägypten, eigentlich das 2. Buch Mose des Alten Testaments. Dem Musical ging ein Oratorium voraus, das Falk im Auftrag der deutschen evangelischen Kirche zusammen mit dem renommierten Librettisten Michael Kunze («Rebecca» «Elisabeth», «Tanz der Vampire», «Mozart! Das Musical») schrieb.

Geplant war eine einmalige Vorstellung. Doch das Publikum war dermassen vom Pop-, Rock- und Gospelmix angetan, dass die Hunderte von Sängerinnen und Sänger letztlich etliche Male auf der Bühne standen.

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Dieter Falk über die Entstehung des Oratoriums

0:30 min, vom 15.2.2013

Freiheit, Selbstverantwortung, Liebe

Das Musical – die Weiterführung des Oratoriums – ist eine eigenwillige Bibel-Adaption. Falk und Kunze predigen individuelle Freiheit, Selbstverantwortung und Liebe. Von Individualität ist allerdings im 2. Buch Mose keine Rede. Dort geht es geht um die Befreiung des Volkes Israel: um die 10 Gebote, die das Zusammenleben in der Gemeinschaft regeln und um den Bund mit Gott.

Das Musical fügt den 10 Geboten ein 11. hinzu: die Liebe. Während Moses in der Bibel rund 3000 Israeliten hinrichten lässt, die das goldene Kalb anbeten, lässt Falk den Moses der Bühnenversion Milde und Gnade walten.

Musizierender Missionar

Ist eine derart moderne Interpretation des Alten Testaments vertretbar? Darüber haben der Komponist Dieter Falk und der reformierte Pfarrer Hans Rudolf Felix angeregt diskutiert.

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