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Kritik zum Theaterstück «Wiederauferstehung der Vögel»
Aus Kultur-Aktualität vom 27.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
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Kolonial-Geschichte im Theater «Wiederauferstehung der Vögel»: Versunken im Diskurs-Dschungel

Das Theater Basel knöpft sich die kolonialen Verstrickungen zweier Basler Naturforscher vor. Und bleibt ganz schön abstrakt.

Der Titel der Vorlage für das Theaterstück «Wiederauferstehung der Vögel» ist gewollt doppeldeutig: In «Tropenliebe» hat der Historiker Berhard C. Schär 2015 die Forschungsreisen von Fritz und Paul Sarasin um 1900 nachgezeichnet und ihre kolonialen Verstrickungen aufgezeigt.

Die beiden Grosscousins aus der Basler Oberschicht unternahmen mehrere Exkursionen ins heutige Indonesien und Sri Lanka. Neben ihrer gemeinsamen Forschungstätigkeit verband die beiden auch eine Liebesgeschichte.

Diese historische Studie liegt dem Stück «Wiederauferstehung der Vögel» am Theater Basel zu Grunde.

Keine Anklage

Der Autor Thiemo Strutzenberger fokussiert in seinem Werk auf die persönliche Geschichte der beiden Forscher: Man trifft sie als junge Männer in ihrem protestantisch-konservativen Elternhaus.

Man erlebt sie als etablierte Forscher im hitzigen Gespräch mit einem Missionar oder im Austausch mit einem lokalen Diplomaten. Man sieht sie aber auch in Momenten voller Selbstzweifel und im Fiebertraum.

Ein Mann sitzt im Schneidersitz, ein anderer legt ihm den Kopf in den Schoss.
Legende: Forscher- und Liebespaar: Simon Kirsch und Maximilian Kraus als Paul und Fritz Sarasin. Kim Culetto / Theater Basel

«Wiederauferstehung der Vögel» ist keine Anklageschrift gegen die beiden Naturforscher, die in ihrer Zeit und Herkunft verhaftet waren. Die Sarasins waren wohlhabende europäische Männer, die ihr Tun sozial und politisch kaum reflektierten. Ihrer Privilegien – und den Auswirkungen ihrer Forschung zum Beispiel auf die Einheimischen – waren sie sich nicht bewusst.

Ausstellung im Foyer

Umso wichtiger ist der heutige Blick auf diese Geschichte. Oder besser gesagt: die heutigen Blicke. Das Theater Basel zeigt in der Ausstellung «Stimmen aus einer archivierten Stille» parallel zum Stück verschiedene künstlerische Strategien im Umgang mit dem kolonialen Erbe.

Ein Mann mit Kopfhörern vor einer Texttafel.
Legende: Nicht jeder hat alle Diskurse parat. Dafür gibt es die Ausstellung im Foyer. Priska Ketterer / Theater Basel

Im Foyer des Theaters zeigen Künstlerinnen aus der Schweiz, aus Indonesien und aus Sri Lanka ihre Recherchen in den Archiven des Naturhistorischen Museums und des Museums der Kulturen in Basel.

Dort lagern die Vögel, Pflanzen, ethnografischen Objekte und Fotos, die Fritz und Paul Sarasin aus der Ferne mitgebracht haben und deren Erforschung sie berühmt gemacht hat.

Künstlich verdichtet, wenig konkret

Dass es durch die Ausstellung verschiedene Zugänge und künstlerische Perspektiven auf diese Geschichte gibt, ist eine Chance. Die Studie von Bernhard C. Schär ist zwar schon fünf Jahre alt und es gab in den letzten Jahren einige wichtige Publikationen zu den kolonialen Verstrickungen der Schweiz. Davon auszugehen, dass jeder und jede sie kennt, wäre jedoch falsch.

Ein Mann und zwei Frauen in Glitzerkleider und Federboas.
Legende: Was hat es schon wieder mit diesen Vögeln auf sich? Das Stück fordert viel Vorwissen. Kim Culetto / Theater Basel

Diesen Fehler hat die Inszenierung von «Wiederauferstehung der Vögel» gemacht. Der Text ist künstlich verdichtet und so durchtränkt von den aktuellen Diskursen, dass alle aussen vorbleiben, die diese nicht parat haben.

In Anbetracht der komplexen Geschichte hätte eine Konkretisierung auf der Bühne geholfen. Die Inszenierung aber wählt den Weg der Abstraktion – und verliert sich im Diskurs.

Veranstaltungshinweis

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 27.1.2020m 6:50 Uhr

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